Die HAWK Göttingen bildet als erste deutsche Hochschule Waldpädagogen aus

Der Wald als Klassenraum

Lernen durch Mitmachen: Unter Anleitung von drei angehenden Waldpädagogen bauten Vierklässler aus Göttingen einen deutschen Buchenwald, einen tropischen Regenwald, eine Savannenlandschaft und die arktische Tundra in Backblechgröße nach. Foto: HAWK/nh

göttingen. Die Viertklässler der Göttinger Wilhelm Henneberg Schule sind aufgeregt, denn heute geht die Klasse 4b in den Wald. Statt Klassenlehrerin Saskia Winkel übernehmen die Forstwirtschaft-Studenten Lara Laubner, Tim Jonas Eickmann und Steffen Winkel den Unterricht.

Für die drei Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) sind die Stunden ebenfalls spannend, denn sie legen unter den Augen von Experten der Niedersächsischen Landesforsten ihre Prüfung für das Waldpädagogik-Zertifikat ab.

Als erste Aufgabe lässt Lara Laubner die Kinder versteckte Bilder suchen, die im wahrsten Sinn des Wortes brenzlige Situationen zeigen: Zwei Männer zünden einen Grill an, einer läuft mit einer brennenden Fackel durch den Wald. Das dritte Bild zeigt Zigarettenstummel. Schnell erkennen die Kinder das Problem: Offenes Feuer ist im Wald gefährlich. Außerdem erfahren sie, warum viele Waldwege mit Schranken abgesperrt werden. Heiße Motoren können über einen trockenen Waldboden Feuer entfachen.

Buchenwald und Tundra

Dann müssen die Viertklässler selbst aktiv werden. In Gruppen sollen sie im Wald Gegenstände suchen, um auf einem Backblech einen deutschen Buchenwald, einen südamerikanischen Regenwald, eine trockene Savanne am Rand der Sahara oder die arktische Tundra nachzustellen. Zu diesem Zweck sammeln die einen frische grüne Zweige, die anderen trockenes Stroh oder Moos von Steinen.

Zum Schluss passen alle Miniaturlandschaften zur Aufgabe. „Was meint ihr – können alle vier brennen?“, fragt Steffen Wilhelmi. „Der nasse Regenwald vielleicht nicht so gut“, vermuten einige Kinder. Doch das ist ein Irrtum: Alle Backblech-Wälder brennen – die trockene Savanne natürlich am schnellsten. Mit Wassersprühern löschen die Kinder.

Zum Abschluss sorgt Forstwirtschaft-Student Tim Jonas Eickmann mit einem Spiel für Spaß: Alle suchen sich einen Stock, stellen sich im Kreis auf, lassen auf Kommando ihren Stock los und versuchen den des Nachbarn zu greifen. Wer keinen Stock bekommt, scheidet aus. „Das ist ein echter Klassiker der Waldpädagogik“, sagt Prüfer Klaus-Dieter Hosang. „Wenn die Waldpädagogik die Begeisterung für den Lebensraum Wald weiter gibt, ist das Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, ist Prüfer Rainer Boldhaus zufrieden.

Am Ende hat sich der Einsatz auch für die drei Studierenden gelohnt. Zusammen mit zwölf Kommilitonen haben sie die Prüfung bestanden und werden das Waldpädagogik-Zertifikat mit ihrer Bachelor-Urkunde bekommen. (shx)

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