Wald wandelt sich

Umwelteinflüsse und Eingriffe des Menschen prägen die Forstbestände 

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Mannshohe Brennnesseln: Theodor Arend vom Forstamt Wolfhagen zeigt, wie sich stickstoffzehrende Pflanzen wie Brennnesseln und Holunder (im Hintergrund) aufgrund der Luftschadstoffbelastung im Habichtswald nahe dem Herkules breitmachen.

Kassel. „Das grüne Wunder“ heißt ein derzeit viel beachteter Kinofilm. Er hält vor Augen, dass sich ein Blick in unseren Wald lohnt. Denn dieser verändert sein Gesicht. Nicht nur wegen der Jahreszeiten. Er ist von Umwelteinflüssen und den Eingriffen der Menschen geprägt.

So ist das Unterholz heute aufgrund der Stickstoffeinträge an vielen Stellen so dicht, dass kaum ein Durchkommen ist. Der Wald krankt auch an anderen Stellen. Aber durch eine naturnahe Waldwirtschaft gibt es im wahrsten Sinne zunehmend auch Lichtblicke.

Wer sich an unsere Wälder noch in den 80er- und 90er-Jahren erinnert, sieht dunkle Baumhallen vor dem inneren Auge. Viel mehr als ein paar Gräser und Pilze konnten sich aufgrund der dichten Baumkronen am Boden meist nicht breitmachen.

Heute werden die Wälder bei uns anders bewirtschaftet. Man arbeite nicht mehr nach dem Prinzip Kahlschlag und Wiederaufforstung, sondern entnehme einzelne Bäume, um eine größere Artenvielfalt zu erreichen, erläutert Theodor Arend vom Forstamt Wolfhagen. „Die Struktur des Waldes hat sich dramatisch verbessert“, sagt er.

So sei der Wald heute naturnäher und lichter. Neben der Buche haben nun auch Arten wie Bergahorn und Kirsche eine Chance. Diese Vielfalt sei so etwas wie eine Versicherung für die Zukunft, sagt Arend. Denn niemand wisse, welche Arten im Klima der Zukunft bestehen können.

Dass Edellaubhölzer wie Bergahorn, Esche und Linde sich heute besser durchsetzen und entwickeln können, ist wiederum auch dem Dünge-Effekt durch Stickstoff-Einträge, durch Nitrat- und Ammonium-Verbindungen zu verdanken. Andererseits wird zum Beispiel das für den Habichtswald typische Silberblatt massiv von stickstoffzehrenden Pflanzen wie Brennnesseln und Holunder bedroht beziehungsweise verdrängt.

Ein anderes Problem sind eingeschleppte Pflanzenarten wie die giftigen Herkulesstauden oder das aus Indien stammende drüsige Springkraut, das in feuchten Gebieten heimische Pflanzen verdrängt. Auch im Wald entsorgte Gartenabfälle können fatale Folgen haben. So können zum Beispiel Efeupflanzen sogar alte Bäume schwer schädigen.

Ähnliche Szenarien gibt es in der Tierwelt. Diese wird in unseren Breiten vor allem von den Waschbären durcheinandergebracht, sagt Arend. Denn der Allesfresser bedroht unter anderem heimische Vogelarten.

Doch auch aus der Tierwelt gibt es gute Nachrichten: Der Schwarzstorch und Greifvögel finden in unseren Wäldern wieder Lebensraum. Und weil heute auch alte Bäume und totes Holz im Wald belassen werden, gibt es auch wieder mehr Nischen für Spechte, Fledermäuse, Dohlen, Hohltauben, Hirschkäfer, Eremiten und Wildbienen.

Von Martina Heise-Thonicke

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