Dubiose Betriebskosten in Waldau

Falsche Abrechnungen: Hunderte Mieter sollen nachzahlen

Seit Oktober 2013 im Eigentum der österreichischen Buwog AG: Eines der Mietshäuser an der Görlitzer Straße in Waldau. Dort gehören insgesamt 838 Wohnungen zum Buwog-Bestand. Derzeit gibt es wieder Ärger um falsche Nebenkostenabrechnungen. Archivfoto: Zgoll (nh)

Kassel. Ende des vergangenen Jahres flatterten Mietern der Buwog AG in Waldau hohe Nachzahlungsforderungen für Betriebskosten ins Haus. Sie sind alle falsch.

Das sagt der neue Mieterbund-Geschäftsführer Folker Gebel.

Hunderte Mieter der insgesamt 838 Buwog-Wohnungen in Waldau hatten sich zwischen den Jahren hilfesuchend an die Rechtsberater des Mieterbundes gewandt. In der Beratungsstelle am Königsplatz gab es lange Schlangen.

Die Nebenkostenabrechnungen der von der Buwog AG beauftragten Bonner Hausverwaltung Ratio Haus mit Grund hätten in Waldau mehrere hundert Mieter in Aufruhr versetzt, sagt Eberhard Fischer, stellvertretender Vorsitzender des Mieterbundes Nordhessen.

Hier finden Sie den IVD-Immobilienpreisspiegel für Nordhessen (Pdf)

Nahezu alle Mieter sollen hohe Nachzahlungen leisten, teils geht es um vierstellige Euro-Beträge. Doch die Rechtsanwälte des Mieterbundes stellten fest: Die Abrechnungen sind in vielen Fällen unrichtig, weil die Betriebskostenvorauszahlungen der Mieter für das Jahr 2013 nicht in vollem Umfang berücksichtigt worden sind. Die Firma Ratio habe gegenüber dem Mieterbund bereits eingeräumt, dass wegen eines Computerfehlers bei der Datenübernahme die Abrechnungsergebnisse unzutreffen seien, berichtet Gebel. Aufgrund der zahlreichen Widersprüche würden die Abrechnungen nun von der Verwaltungsfirma überprüft. Gebel rät allen Mietern, die Abrechnungen der Firma Ratio erhalten haben, sich rechtlich beraten zu lassen und rechtzeitig Widerspruch einzulegen.

Dieter Weltermann, zuständiger Center Manager der Firma Ratio, sagt: „Wir untersuchen zurzeit jedes Mieterkonto auf diese Fehler und korrigieren gegebenenfalls umgehend die entsprechenden Betriebskostenabrechnungen.“ Das Bonner Unternehmen „entschuldigt sich für die fehlerhaften Betriebskostenabrechnungen in aller Form bei Mietern und auch bei der Eigentümerin.“

 Mieter sind Kummer gewohnt 

Die Mieter der 838 Buwog-Wohnungen in Waldau sind Kummer gewohnt. Seit Jahren wechseln die Eigentümer, gibt es dubiose Betriebskostenabrechnungen von wechselnden Verwaltungsfirmen. Die ehemaligen Volksfürsorge-Häuser in Waldau wurden 2005 zusammen mit weiteren 350 Wohnungen in Bettenhausen sowie der Brückenhof-Siedlung in Oberzwehren an die Frankfurter Firma Domus verkauft, die den Bestand an die dänische Immobilienfirma Kristensen weiterreichte. Mitte 2007 verkaufte Kristensen den Bestand an die Vivacon AG in Köln weiter. 2009 wurde auf Betreiben der Postbank über die Vivacon-Wohnungen die Zwangsverwaltung angeordnet. Aus der Zwangsverwaltung gingen die insgesamt 1190 Wohnungen im Herbst 2013 für rund 46 Millionen Euro an das österreichische Immobilienunternehmen Buwog AG.

Das sagt die Buwog-Gruppe 

Wenn Fehler passiert sind, werden wir die Nebenkostenabrechnungen korrigieren“, verspricht Michael Lippitsch den Mietern in Waldau. Der Sprecher der Buwog Deutschland stellt klar: „Wir sind keine Heuschrecken“. Das Immobilienunternehmen, das in Deutschland und Österreich jeweils rund 30.000 Wohnungen im Bestand hat, sei an zufriedenen Mietern interessiert.

Von Jörg Steinbach

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