Hohe Nachzahlungen

Ärger um Abrechnungen: 500 Waldauer Mieter betroffen

Seit Oktober 2013 im Eigentum der österreichischen Buwog AG: Eines der Mietshäuser an der Görlitzer Straße in Waldau. Dort gehören insgesamt 838 Wohnungen zum Buwog-Bestand. Derzeit gibt es wieder Ärger um fragwürdige Betriebskostenabrechnungen. Archivfoto: Zgoll (nh)

Waldau. Der Ärger um fragwürdige Betriebskostenabrechnungen für mehr als 500 Mieter im Stadtteil Waldau geht weiter.

Der Mieterbund Nordhessen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bonner Hausverwaltung Ratio Haus mit Grund, die den Wohnungsbestand der Buwog AG bis Ende April dieses Jahres verwaltet hatte.

Mieterbund-Geschäftsführer Folker Gebel rät den betroffenen Mietern, die geforderten Nachzahlungsbeträge nicht oder zumindest nicht vollständig zu zahlen. „Diese Beträge sind durch die Vereitelung der Belegeinsicht nach wie vor nicht zur Zahlung fällig“, erklärt Gebel.

Ende 2014 waren den Mietern den 838 Buwog-Wohnungen in Waldau falsche Betriebskostenabrechnungen für das Jahr 2013 ins Haus geflattert. Teils ging es bei den Nachforderungen um vierstellige Euro-Beträge. Hunderte von Mietern sorgten zu Beginn dieses Jahres dafür, dass der Mieterbund von einer Beratungswelle erfasst wurde. Die Hausverwaltung räumte ein, dass aufgrund eines Fehlers in der elektronischen Datenverarbeitung die Vorauszahlungen der Mieter nicht immer zutreffend übernommen wurden und korrigierte die Abrechnungen.

Zur weiteren Prüfung vereinbarte der Mieterbund einen Sammeltermin bei der Firma Ratio in deren Geschäftsräumen in Waldau, um die Belege einzusehen. Das ging aus der Sicht der Mieterverteter gründlich schief. „Leider ist die Ratio Haus mit Grund ihren gesetzlichen Verpflichtungen in keiner Form nachgekommen“, sagt Gebel. Von einer ordnungsgemäßen Belegeinsicht könne keine Rede sein. Die Unterlagen seien unsortiert und unvollständig gewesen, es seien lediglich teilweise unleserliche Kopien vorgelegt worden. „Die wenigen Belege, die eingesehen werden konnten, waren teilweise fehlerhaft“, berichtet Gebel, der die Papiere zusammen mit zwei weiteren Rechtsanwälten des Mieterbundes prüfen wollte. Außerdem habe ein sachkundiger Ratio-Mitarbeiter gefehlt, der die Abrechnung hätte erläutern können.

Gebel hält das für äußerst bedenklich: „Das kommt faktisch der Vereitelung des Rechtes der Mieter auf Einsichtnahme in die Belege gleich.“ Das wird von der Firma Ratio zurückgewiesen. „Wir werden uns jeden Fall einzeln ansehen und dann mit dem betroffenen Mieter entscheiden, wie weiter vorzugehen ist“, sagt Gebel, der nach wie vor einvernehmliche Lösungen anstrebt. Eine gerichtliche Auseinandersetzung solle nur als letztes Mittel in Betracht kommen. Gebel: „Aber dazu muss Ratio einen Schritt auf die Mieter zugehen.“

  • Das sagt die Buwog 

Dem Immobilienunternehmen Buwog AG ist das Problem mit den Betriebskostenabrechnungen bekannt, „weil uns in dieser Sache auch schon Anfragen von Mietern und vom Mieterbund erreicht haben“, sagt Sprecher Peter Dietze-Felberg. Man leite diese Anfragen weiter und informiere die Absender darüber, „dass wir sie leider nur an die Firma Ratio Haus und Grund Verwaltungs GmbH verweisen können, die die betreffenden Wohnungsbestände bis zum 30. April 2015 verwaltet hat.“ Ratio sei dementsprechend auch für die Betriebskostenabrechnungen für das Jahr 2013 verantwortlich und verfüge über die Unterlagen, auf deren Grundlage die Abrechnungen erstellt worden seien. Der Buwog lägen keine Belege vor, „sodass wir die Abrechnungen auch nicht selbst kommentieren können“, erklärt Dietze-Felberg.

  • Das sagt die Hausverwaltung 

Die Behauptung des Mieterbundes, die Ratio Haus mit Grund GmbH sei ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen, sei falsch, sagt der zuständige Centermanager Dieter Weltermann. Die Abrechnungsunterlagen samt der zugehörigen Verträge seien den drei Rechtsanwälten des Mieterbundes, die sich etwa eineinhalb Stunden in dem Raum mit den Belegen aufgehalten hätten, zur Verfügung gestellt worden. Eine Mitarbeiterin habe zur Ansprache zur Verfügung gestanden. Eine Kopiermöglichkeit sei ebenfalls zur Verfügung gestellt worden, sagt Weltermann. Ratio habe die Belegeinsicht nicht vereitelt, sondern für die Vermieterin alle Pflichten erfüllt. Auch weiterhin bestehe die uneingeschränkte Bereitschaft, die Informationsansprüche der Mieter zu erfüllen. Weitere Belegeinsichtstermine würden angeboten, um den Anspruch der durch den Mieterbund vertretenen Mieter auch weiterhin zu erfüllen.

HINTERGRUND

Die Mieter der 838 Buwog-Wohnungen in Waldau sind Kummer gewohnt. Seit Jahren wechseln die Eigentümer, gibt es dubiose Betriebskostenabrechnungen von wechselnden Verwaltungsfirmen. Die ehemaligen Volksfürsorge-Häuser in Waldau wurden 2005 zusammen mit weiteren 350 Wohnungen in Bettenhausen sowie der Brückenhof-Siedlung in Oberzwehren an die Frankfurter Firma Domus verkauft, die den Bestand an die dänische Immobilienfirma Kristensen weiterreichte. Mitte 2007 verkaufte Kristensen den Bestand an die Vivacon AG in Köln weiter. 2009 wurde auf Betreiben der Postbank über die Vivacon-Wohnungen die Zwangsverwaltung angeordnet. Aus der Zwangsverwaltung gingen die insgesamt 1190 Wohnungen im Herbst 2013 für rund 46 Millionen Euro an das österreichische Immobilienunternehmen Buwog AG.

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