Tiere können bis zu 40 Jahre alt werden

Ausgesetzte Schildkröten tummeln sich in der Buga in Kassel

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Genießen die warme Frühlingssonne: Exotische Wasserschildkröten sitzen regelmäßig, wenn das Wetter gut wird, auf einem Ast am Bugasee. Vor allem ihre orangefarbenen Bäuche zeigen: Aus unserem Ökosystem stammen sie sicherlich nicht.

Kassel. Das Frühlingswetter lockt jetzt Menschen und Tiere an die Buga in Kassel: Für Verwunderung sorgen allerdings einige Schildkröten, die dort in der Sonne sitzen.

Schwäne ziehen ihre Runden auf dem Wasser, Radfahrer machen Pause am Ufer und – Moment mal – Schildkröten sonnen sich auf Ästen? Ja, tatsächlich. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt an mehreren Stellen des Bugasees kleine Kolonien, die ihre Panzer in die Sonne halten. Kommt man ihnen zu nah, lassen sie sich kurzerhand ins Wasser plumpsen.

Zunächst also ein witziger Anblick – aber von alleine haben sich die Reptilien ganz bestimmt nicht dort angesiedelt, sagt Frank Hose vom Zoohaus Süd. Hose hat eine Zeit lang selbst welche verkauft. „Vermutlich haben die Besitzer sich im Vorfeld nicht informiert, die Schildkröten als kleine Babys gekauft und sie am See ausgesetzt, als sie groß wurden“, sagt Hose.

In Deutschland gebe es nur eine heimische Wasserschildkrötenart, sagt der Zoohändler. Und die sei so scheu, dass man sie fast nie sieht. „Eigentlich ist das richtige Tierquälerei, Schildkröten am See auszusetzen“, sagt Hose. Im Terrarium haben sie eine besondere Lampe, die dem Panzer genügend UV-Licht spendet. Die Tiere seien das aus ihrer Heimat in Amerika gewohnt. Hier bei uns in Kassel sei diese Lichtintensität gar nicht gewährleistet. Von Chill-Kröten kann also wirklich keine Rede sein.

Auch HNA-Nutzer Helmut Wetzel hat die Schildkröten im Bild festgehalten.

Schildkröten sind Fressfeinde für heimische Arten

Und wie sieht es mit den Konsequenzen für die Gewässer aus? „Das ist eigentlich kein so großes Problem“, sagt Peter Wüstemann, Leiter des Garten- und Umweltamtes der Stadt Kassel. „Die Verunreinigungen des Wassers entstehen vielmehr durch die vielen Wasservögel.“

Ohnehin sei der Stadt schon lange bekannt, dass an der Buga kleine Schildkrötenpopulationen leben. Und zwar nicht nur dort. „Auch im Park Schönfeld und im Lac in Wilhelmshöhe sind die Tiere zu finden“, sagt Wüstemann.

Dr. Margret Gaeding von der Unteren Naturschutzbehörde Kassel sieht die wachsenden Populationen trotzdem kritisch: „Nichtheimische Schildkröten sind Fressfeinde für heimische Arten.“ Die heimischen Tiere seien durch die Schmuckschildkröten bedroht. Allerdings geht Gaeding davon aus, dass sich die Tiere noch nicht vermehrt haben. „Es kommen nur immer wieder Neue dazu“, sagt sie. „Und die können alt werden.“

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