13 Fahrzeuge im Angebot

Abgestellt und nicht abgeholt: Ordnungsamt versteigerte sichergestellte Autos

Kassel. Das Kasseler Ordnungsamt hat am Freitag sichergestellte Fahrzeuge versteigert. Wir haben uns unter die Interessenten gemischt.

Ein bisschen verloren wirken die Autos, wie sie verstaubt und verlottert in der Halle auf dem Betriebsgelände der Waldauer Firma Aschenbrenner stehen. Gleich kommen sie unter den Hammer, weil ihre Besitzer sie irgendwo abgestellt und nicht wieder abgeholt haben. „Das hat verschiedene Gründe“, sagt Gregor Kirchner vom Kasseler Ordnungsamt. „Manchmal können sich die Halter den Wagen nicht mehr leisten, oder er ist nicht mehr fahrbereit.“

Ein- bis zweimal jährlich versteigert die Behörde stillgelegte Fahrzeuge. Der Erlös geht an die Stadtkasse, bis die Kosten fürs Abschleppen und Unterstellen der Fahrzeuge gedeckt sind. Wenn dann noch etwas übrig bleibt, bekommt der letzte Halter das Geld.

13 Fahrzeuge sind diesmal im Angebot, zwölf Autos und ein Roller. In einem schwarzen Alfa Romeo 156 liegt noch eine graue Kindermütze mit dem grimmig dreinschauenden Konterfei der Computerspielfigur „Angry Bird“ in der Frontscheibe. In einem blauen Audi A6 hat die Besitzerin offenbar ihre Winterhandschuhe und ihre Tasche vergessen.

Das Interesse an der Versteigerung ist groß, das Publikum gemischt. Von Autohändlern über Bastler bis hin zu Eltern, die einen günstigen Wagen für ihren Nachwuchs suchen, ist alles dabei. Seit 9 Uhr schauen sie sich die Fahrzeuge an und suchen nach Rost, Kratzern und Beulen. Gekauft wird auf eigenes Risiko.

Steigerten mit: Jan Essler (von links) und Levi Schmidt aus Kassel hatten Interesse an einem Mercedes 190 E. 

Auch Leon Klinger, Jan Essler und Levi Schmidt aus Kassel inspizieren ein Auto ganz genau. Ihnen hat es ein dunkelgrauer Mercedes 190 E angetan. Das Anfangsgebot für den erstmals 1990 zugelassenen Wagen liegt bei 320 Euro. „Bis 550 Euro gehe ich mit“, sagt Essler. Mehr will er nicht zahlen. „Der Wagen wirkt von außen zwar noch ganz gut in Schuss, hat aber schon Rost“, sagt der 22-Jährige.

42 Bieter sind registriert. Gegen 10 Uhr ist die Schlange vor dem Schalter noch lang. Gegen 10.15 Uhr geht es dann mit Verzögerung los. „Ich habe nicht mit einem solchen Andrang gerechnet“, begrüßt Auktionatorin Claudia Fischer vom Ordnungsamt Kassel die etwa 80 Anwesenden.

Als Erstes kommt der Alfa Romeo unter den Hammer. „Wer bietet?“, fragt Fischer. Niemand regt sich. „Keiner?“ Alle Hände bleiben unten, niemand sagt etwas. „Zum ersten, zum zweiten, zum dritten, kein Gebot“, ruft Fischer. Beim zweiten Wagen nimmt die Versteigerung langsam an Fahrt auf. Ein schwarzer Mazda 626 startet mit 90 Euro. Für 250 Euro wechselt er schließlich den Besitzer.

Als der Mercedes 190 E an der Reihe ist, auf den auch Jan Essler ein Auge geworfen hat, muss Fischer ihre Stimme schon heben, um das Gemurmel zu übertönen. „Könnten Sie bitte Ihre Gespräche einstellen? Ich habe schon Probleme mit der Stimme“, sagt sie und räuspert sich. Den Mercedes kündigt sie als „Klassiker“ an. Fischer hat noch nicht ausgeredet, da ruft ihr schon ein Bieter „500 Euro“ entgegen. In Zehn-Euro-Schritten geht es weiter. Auch Jan Essler bietet mit, steigt aber wie angekündigt bei 550 Euro aus.

Stattdessen liefern sich zwei andere Interessenten ein Duell. „700 Euro“, ruft der Bieter mit der Nummer 7. Und fügt hinzu: „Hier steht der Eigentümer. Schlüssel und Papiere sind bei mir.“ Das sorgt sowohl bei den anderen Bietern als auch bei Claudia Fischer für Verwunderung. Den Zuschlag bekommt er trotzdem. Für 1450 Euro gehört ihm sein eigenes Auto wieder.

„Das ist zum ersten Mal passiert“, sagt die Auktionatorin anschließend. „Das Auto war seit mehr als einem Jahr stillgelegt, der Halter ist mehrfach von uns kontaktiert worden und hätte genug Zeit gehabt, den Wagen auszulösen.“ Doch das wäre für ihn teurer geworden. „Die Standkosten betragen zwischen acht und zehn Euro pro Tag“, sagt Fischer. Bei 365 Tagen wären da schon mindestens 2920 Euro fällig geworden. So hat er gerade mal die Hälfte gezahlt.

Rubriklistenbild: © Dieter Schachtschneider

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