Zu viele Menschen nutzen den Bugasee

Blaualgenblüte und Badeverbot am Bugasee: Nur schlechtes Wetter hilft

Das Gesundheitsamt warnt vorsorglich wegen der Blaualgen davor: Björn Flamme schwimmt trotz Badeverbots täglich im Bugasee – hier mit Chihuahua-Mischling Mujo auf der Luftmatratze. Foto: Koch

Kassel. Geringe Wassertiefe, viele Nutzer und reichlich einfließende Nährstoffe: Diese Kombination macht den Bugasee nach Ansicht von Experten zu einem speziellen und schwierigen See.

Wenn es länger sommerlich warm und trocken bleibt, sind Blaualgen (Cyano-Bakterien) in Massen nicht selten die Folge.

Wegen der „Blaualgenblüte“ ist das Baden im Bugasee seit 3. August untersagt  – vorsorglich aus gesundheitlichen Gründen. Wie lange das Verbot gelten muss, vermochte am Donnerstag keiner der am Strand informierenden Gewässer-Kenner zu sagen. Da man gegen die Algen nicht vorgehen könne, bleibe nur das Warten auf schlechteres Wetter. „Wir können nichts machen“, betonten Jörg Gerhold (Umwelt- und Gartenamt) sowie Jens Groh (Gesundheitsamt der Region Kassel).

Lexikonwissen: Die Buga im Regiowiki.

Von 2005 bis 2008 sei die Buga alljährlich von Blaualgen in Massen betroffen gewesen. Deshalb habe man ein Gutachten erstellen lassen und Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität getroffen, erklärte Gerhold. So habe man einen Zulauf der Fulda verschlossen, Unterwasserpflanzen wachsen lassen, Gehölze zurückgeschnitten und Sand aufgefüllt. Mit Erfolg: Seit 2009 habe am Bugasee kein Badeverbot verhängt werden müssen. Gerhold: „Wir hatten das weitestgehend im Griff.“ Jetzt mache „der extrem heiße Sommer“ aber wieder einen Strich durch die Rechnung.

Die Nährstoffe des Sees fließen aus dem Raum Waldau und über die Fulda ein. Sie lassen Pflanzen aller Art wachsen. Problem: Je weniger Unterwasserpflanzen vorhanden sind, desto mehr Sonnenlicht erhalten die Algen und vermehren sich entsprechend stark. Weil sich darin im Jahr 2013 aber eine Frau verfangen hatte und in Panik geraten war, habe man die Wasserpflanzen 2014 und 2015 in den Strandbereichen beseitigt. Gerhold: „In diesem Jahr haben die Blaualgen wieder die Überhand gewonnen.“

Schwimmer, Angler, Segler und Surfer: „Es gibt am Bugasee zu viele Nutzungsansprüche für zu wenig Fläche“, betonte Dr. Eckhard Coring (Gutachterbüro EcoRing, Hardegsen). Im Vergleich zu anderen Kommunen verhalte sich die Stadt Kassel vorbildlich. Seit zehn Jahren würden regelmäßig Messungen an fünf Stellen des Bugaseees genommen und Datenreihen untersucht, erklärte der Gutachter. Nach der aktuellen Messung wurde der Schwellenwert für Blaualgen (75 Mikrogramm pro Liter) mit über 200 Mikrogramm deutlich überschritten.

Risiken bleiben

Die Risiken seien nicht zu minimieren. Außer man nehme richtig Geld in die Hand, um in eine Anlage zur Phosphor-Beseitigung oder in eine riesige Pflanzenkläranlage (etwa Schilf) zu investieren. Coring: „Aber selbst dann ist eine Massenvermehrung nicht auzuschließen.“

Die Fulda durch den Bugasee umzuleiten, sei auch keine Lösung, stellten Gerhold und Coring klar. Die Phosphormengen des Flusses seien noch höher. Gerhold: „Es gibt da keinen Königsweg.“

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