Meditation und Erleuchtung

Buddhisten aus aller Welt treffen sich in Kassel

Sie ist seit zehn Jahren Buddhistin: Bianca Stach aus Kassel absolviert die zweite von vier Grundübungen des Diamantweg-Buddhismus. Jede Übung muss 111 111 Mal wiederholt werden. Fotos:  Koch

Kassel. 2500 Buddhisten treffen sich wieder in den Kasseler Messehallen. Sie kommen aus aller Welt - manche sogar aus dem fernen Australien.

„Man lernt, Dinge anders zu betrachten. Mit der Zeit versteht man, dass es keinen Sinn macht, sich zu ärgern“, sagt Bianca Stach aus Kassel. Die 51-jährige Frau ist seit zehn Jahren Buddhistin. Sie sei damals mit ihrem Mann zum Buddhistische Zentrum Kassel gegangen und habe gleich das Gefühl gehabt, „das ist das, was zu uns passt“.

Bianca Stach freut sich besonders darüber, dass bereits zum dritten Mal in Folge über die Osterfeiertage in den Kasseler Messehallen ein Meditationskurs des Diamantweg-Buddhismus stattfindet. Sie gehört zu den ehrenamtlichen Helfern, die dafür sorgen, dass sich die 2500 Teilnehmer aus aller Welt in den Messehallen und in der Stadt zurechtfinden.

Trotz dieser vielen Leute ist die Stimmung völlig unaufgeregt. Die Menschen, die in Schlangen zur Essenausgabe anstehen, sind nicht ungeduldig, sondern machen einen fröhlichen Eindruck. „Durch das Meditieren wird man gelassener. Dadurch ist man auch entspannter und glücklicher“, sagt Stach. Früher habe sie sich auch darüber geärgert, wenn an der Supermarktkasse ein anderer Kunde sie fast mit dem Einkaufswagen überfahren habe, um sich vorzudrängeln. „Heute lächele ich innerlich und denke mir, es ist nicht schlimm, wenn ich fünf Minuten länger warten muss.“ Die Drängler reagierten dann meist auf ihre Gelassenheit und entschuldigten sich für ihr Verhalten, sagt Bianca Stach.

Die 51-Jährige absolviert die zweite der vier Grundübungen, die am Anfang des stufenweisen Weges im Diamantweg-Buddhismus stehen. Die Praxis der Grundübungen ist die Basis für die weiterführenden Meditationen und soll den Weg zu Befreiung und Erleuchtung ebnen. Alle vier Übungen müssen 111.111 Mal wiederholt werden. Das dauert Jahre und erfordert Geduld. „Der Weg ist das Ziel“, sagt Stach.

Der Meditationsraum in den Messehallen ist mit einem Teppich ausgelegt. Überall sitzen Frauen und Männer auf Decken und Kissen und meditieren. Immer mehr Russen und Polen begeisterten sich für die Erfahrungsreligion, sagt Guido Czeija aus Salzburg, der seit 20 Jahren Buddhist ist. Osteuropäer seien sehr begeisterungsfähig für den Buddhismus. Das liege sicherlich auch daran, dass viele von ihnen unter schwierigeren Umständen lebten als Westeuropäer und vielleicht für die Erkenntnis zugänglicher seien, dass „innere Werte mehr Freiheit liefern als materielle“.

Der 41-jährige Österreicher ist einer von weltweit 250 Lehrern, die von Lama Ole Nydahl, dem bekanntesten westlichen Lehrer des Buddhismus, ausgewählt worden sind. „Das ist wie ein Hobby, ich mache das ehrenamtlich“, sagt Guido Czeija, der in seiner Freizeit und im Urlaub um die ganze Welt reist, um Meditationskurse zu geben. Bis nach Neuseeland ist er für den Buddhismus schon gereist.

Apropos anderes Ende der Welt - nach Kassel sind über Ostern sogar Buddhisten aus Australien gekommen, die Vorträge von Lama Ole Nydahl hören wollen.

Lama Ole Nydahl und 2500 Buddhisten in Kassel

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