Kassel

Hier fängt Weihnachten an: Krippenspieler der Gustav-Heinemann-Anlage in Waldau

Die Krippenspieler der Gustav-Heinemann-Anlage
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Die Krippenspieler der Gustav-Heinemann-Anlage: Bewohner und Betreuer bei der Generalprobe am Stall der Einrichtung, der sechste Darsteller von links ist Leonie (Leo) Regenbogen als Engel.

In unserer Adventsserie blicken wir in die Kasseler Stadtteile. Wir stellen besondere Orte und Menschen vor, die Glanzlichter setzen. Heute: die Krippenspieler aus Waldau.

Waldau – Gleich zu Beginn hat der Engel seinen großen Auftritt. „Wann fängt Weihnachten an?“ fragt er bei der Krippenspielprobe in der Waldauer Gustav-Heinemann-Anlage. Und er gibt gleich selbst eine erste Antwort darauf: „Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt, wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt.“

Der Engel in Waldau trägt goldenen Kopfschmuck, weißen Umhang und einen Namen, den sich ein Schauspieler nicht besser hätte ausdenken können: Leonie Regenbogen. Die 27-Jährige ist erstmals bei der Aufführung als Darstellerin dabei. Entsprechend groß ist bei der Generalprobe die Aufregung, aber auch die Freude daran. „Das macht Spaß. Das finde ich einfach sehr schön“, meint Leonie, die eigentlich lieber Leo genannt wird.

Sie hatte die Wahl, einen der drei Heiligen Könige oder den Engel zu spielen. Sie habe lieber der Engel sein wollen. „Ich muss halt immer noch vom Blatt ablesen“, sagt Leonie und zeigt das bedruckte Papier in Klarsichtfolie. Im vergangenen Dezember ist sie in die Einrichtung der Baunataler Diakonie Kassel (bdks) für Menschen mit geistiger Behinderung an der Bergshäuser Straße eingezogen. Leonie (Leo), die in den Kasseler Werkstätten arbeitet, lebt dort in einer Gruppe mit sieben Mitbewohnern.

Die Advents- und Weihnachtszeit sei den Bewohnern sehr wichtig, berichtet der Waldauer Wohnverbundsleiter Jan Röse. Die 1978 eröffnete Gustav-Heinemann-Anlage wurde 2020 durch einen Neubau erweitert. Neben zwei Wohngruppen werden dort nun auch vier Appartements für ein möglichst selbstständiges Wohnen angeboten. Insgesamt bietet die bdks rund 1100 Wohnplätze für Menschen mit Behinderung in Nordhessen an.

Am Standort Waldau hat Weihnachten für die Bewohner schon lange angefangen. Auch in der Wohngruppe von Leonie Regenbogen sind unter anderem die Küche und das Wohnzimmer bereits festlich geschmückt. Am Wochenende wird der vom Hofgut Hofgeismar zur Verfügung gestellte Weihnachtsbaum erwartet.

Das Krippenspiel der Bewohner wird seit Jahren unter der Leitung von Pfarrerin Barbara Gallenkamp eingeübt. Die elf in diesem Jahr mitspielenden Bewohner werden von zwei bdks-Mitarbeiterinnen und zwei Schülerinnen der mit der Einrichtung kooperierenden Offenen Schule unterstützt.

Pfarrerin Gallenkamp hat dafür Astrid Lindgrens Erzählung „Weihnachten im Stall“ umgeschrieben. In den Vorjahren führten die Bewohner und Betreuer das Krippenspiel zu Weihnachten öffentlich vor Eltern, Angehörigen und anderen Besuchern in der Kirche auf.

Wegen Corona ist dies aber auch diesmal nicht möglich. Die Aufführung findet daher vor Bewohnern und Mitarbeitern draußen vor dem Stall statt. Mit den Tieren der Anlage, mit Glühwein, Punsch und musikalischer Unterstützung der Bläserklassen der Offenen Schule.

Krippenspiel-Engel Leonie freut sich auf das Weihnachtsfest. Den 24. Dezember, Heiligabend, werde sie mittags bei ihrer Mutter sein. Am Nachmittag werde dann Weihnachten in ihrer Wohngruppe gefeiert. „Da kann man sich drauf freuen, auf jeden Fall“, betont die 27-Jährige. Früher habe sie Weihnachten oft allein gefeiert. „Jetzt in der Gruppe ist das aber viel schöner.“

(Andreas Hermann)

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