Unsichere Zukunft der Ahlen Wurscht

Insolventer Schlachthof in Kassel: Partner für Neustart gesucht

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Seit kurzem unter vorläufiger Insolvenzverwaltung: Der Schlachthof Kassel an der Werner-Heisenberg-Straße im Industriepark Waldau. Bis Ende Februar muss ein Rettungskonzept gefunden sein, sonst droht die Stilllegung.

Kassel. Der Schlachthof Kassel könnte aus der Insolvenz gerettet werden, wenn sich genügend Kapitalgeber finden. Ansonsten droht das Aus - mit Folgen auch für die Ahle Wurscht.

Ziel ist das Bilden einer Auffanggesellschaft, um den Schlachthof im Industriepark Waldau doch noch zu retten. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Simon Braun haben inzwischen mehrere Akteure aus der Fleischwirtschaft sowie Investoren ein unverbindliches Interesse an einem Einstieg bekundet.

„Es wird darauf ankommen, wer sich in welcher Höhe engagieren will“, sagte Braun. Nach seinen Worten wären etwa 250.000 Euro nötig, damit eine neu zu gründende Gesellschaft die Betriebseinrichtungen übernehmen kann – und dann noch einmal so viel Geld, um den Schlachthof auf einen zeitgemäßen, konkurrenzfähigen Stand zu bringen. Bis Ende Februar müsse „eine Lösung zumindest greifbar sein“. Sonst sei eine Schließung des Betriebs unausweichlich.

Insolvenzverwalter Braun versucht derzeit, regionale Betriebe der Fleischwirtschaft sowie andere Schlachtbetriebe für den Einstieg in eine Auffanggesellschaft zu interessieren. Zugleich rief Obermeister Dirk Nutschan von der Fleischer-Innung Kassel seine Metzgerkollegen auf, über eine Firmenbeteiligung in einer Größenordnung von etwa 10.000 bis 20.000 Euro nachzudenken: „Die Zeit drängt“, sagte Nutschan. Der Schlachthof vor Ort ist für regionale Metzger wichtig, die auf traditionelle Weise die Norhessen-Spezialität Ahle Wurscht herstellen. Dafür braucht es zwischen Schlachtstätte und Wurstküche kurze Wege, weil das Fleisch während der Verarbeitung noch warm sein muss.

So wird Ahle Wurscht hergestellt

Die Stadt Kassel sei sich „der Bedeutung des Schlachthofs in Waldau für das fleischverarbeitende Gewerbe in der Region bewusst“, sagte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD): „Wir arbeiten in enger Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter intensiv an einer Lösung.“

Dass Stadt und Landkreis Kassel selber noch einmal Geld in den Schlachthof stecken, ist allerdings kaum vorstellbar. Sie sind zwar mit insgesamt 93 Prozent der Kommandit-Einlagen die weitaus größten Anteilseigner (Stadt: 73,7 - Kreis: 19,7 Prozent). Allerdings haben beide kurioserweise kein Stimmrecht in der Gesellschafterversammlung und „somit keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik“ beim Schlachthof, sagte Rathaussprecher Claas Michaelis. Diese Konstruktion sei beim Schlachthof-Bau in den 1970er-Jahren so gewählt worden. Michaelis: „Das würde man heute ganz gewiss nicht noch einmal so machen.“

Die 971.000 Euro KG-Einlagen, seinerzeit von Stadt und Kreis als Investitionszuschüsse eingebracht, seien nun weg, ohne dass die Geldgeber beim Geschäftskurs des Schlachthofs hätten mitreden können, sagte Michaelis. Seit 2009 fährt der Betrieb fortlaufend Verluste ein.

Auch für den Fall, dass eine neue Betreibergesellschaft gegründet wird, sei eine erneute Beteiligung von Stadt und Kreis nicht denkbar. Denn laut aktuellen Bestimmungen im Kommunalrecht wäre es unzulässig, wenn sich die Öffentliche Hand wirtschaftlich auf einem solchen Feld betätigt.

Hier befindet sich der Schlachthof Kassel:

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