Betriebseinstellung droht zum Monatswechsel

Für Schlachthof Kassel wird es eng: Nur noch ein möglicher Investor im Rennen

+
Mit der möglichen Schließung des Schlachthofs ist auch die Ahle Wurscht in Gefahr. 

Kassel. Zwei potenzielle Investoren für einen Weiterbetrieb des insolventen Schlachthofs Kassel in Waldau sind bereits abgesprungen. Das Interesse hält sich in Grenzen, die Kosten wären enorm.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters Simon Braun sei diesen Unternehmen aus der regionalen Fleischwirtschaft das Risiko zu groß gewesen, dass die notwendigen Investitionen in die veralteten Anlagen zu hoch werden könnten.

Dies sei auch ein wesentlicher Knackpunkt für den verbliebenen Interessenten, sagte Insolvenzverwalter Braun. Er bezifferte den Finanzbedarf, um den Schlachthof auf einen aktuellen und wettbewerbsfähigen Modernisierungsstand zu bringen, auf mittelfristig eine halbe bis eine Million Euro. In der kommenden Woche solle es ein Gespräch geben mit dem möglichen Investor, der Stadt Kassel und dem Regierungspräsidium. Es werde darum gehen, unter welchen Bedingungen die beiden Aufsichtsbehörden angesichts der veralteten Betriebsausstattung eine Weiterführung des Schlachtbetriebs für genehmigungsfähig halten und unter welchen Bedingungen.

„Wenn danach nicht bald ein deutliches Signal kommt, dann müsste zum Monatswechsel der Betrieb eingestellt werden“, sagte Braun. Seit Bekanntwerden der Zahlungsunfähigkeit Ende November sei das Interesse möglicher Weiterbetreiber verhalten gewesen. Insolvenzverwalter Braun: „Wir haben fast 40 Schlachtbetriebe in ganz Deutschland angeschrieben – die Resonanz war gleich null.“

Stadt und Landkreis Kassel als hatten frühzeitig erklärt, dass sie an Lösungen mitwirken wollen, aber kein eigenes Geld in den Betrieb stecken werden. Und kleinere Akteure der regionalen Fleischwirtschaft können offenbar die nötigen Investitionen nicht stemmen. Nun ruhen alle Hoffnungen auf einem Unternehmen der Branche, das laut Braun bisher noch keinen Geschäftssitz in Kassel hat. Bisher sei für den Insolvenzverwalter „noch nicht abzuschätzen, ob diese Firma sich hier engagieren wird“. Die Zeit werde aber allmählich knapp.

Würde der Betrieb geschlossen, dann fehlte im Raum Kassel eine zentrale Einrichtung zur Herstellung traditioneller Ahler Wurscht. Weil die in schlachtwarmer Verarbeitung hergestellt wird, sind kurze Wege zwischen Schlachtstätte und Wurstküche notwendig.

Vor diesem Hintergrund hat der Förderverein „Nordhessische Ahle Wurst“ an Politik und Ämter appelliert, sich auch über den bedrohten Schlachthof Kassel hinaus für ein regionales Fleischverarbeitungsnetzwerk stark zu machen. Es werde keine dauerhafte Subventionierung von Schlachtstätten erwartet, sagte Vorsitzender Matthias Pflüger. Jedoch sollten sich etwa die nordhessischen Veterinärämter auf einheitliche Prüfkriterien verständigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.