Wohnstadt und Stadtreiniger im Rechtsstreit

Viel Müll in Kassel-Waldau: Streit um Gelbe Säcke und Abfalltonnen

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Vergittert, aber oben offen: die Einhausung für Mülltonnen und -säcke in der Waldauer Wohnstadt-Siedlung, hier an der Waldemar-Petersen-Straße. Rabenvögel zerpflücken die Säcke, dann fliegt der Müll umher.  

Die Beschwerden über Abfälle, die in Waldau herumliegen oder in dafür nicht vorgesehenen Behältnissen entsorgt werden, sorgt im Kasseler Stadtteil für viel Ärger.

Im Mittelpunkt stehen die Häuser der Wohnstadt Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH an der Waldemar-Petersen-Straße.

Die Wohnstadt hat dort für ihre Mieter eine besondere Form der Entsorgung umgesetzt, die sogenannte Müllschleuse. Bei dem System der Firma Innotec werden die Einwürfe von Restmüllbeuteln gezählt und dienen als Bemessungsgrundlage für die Kosten. Bei den für die Entsorgung zuständigen Stadtreinigern stößt das System allerdings auf Kritik. Inzwischen befinden sich Wohnstadt und Stadtreiniger deshalb gar im Rechtsstreit.

Der Streitpunkt

Die Wohnstadt sieht in der Müllschleuse ein Instrument zur Müllvermeidung. 1200 Mieter seien bisher an das elektronische System angeschlossen, neben Waldau auch in Wolfsanger, Oberzwehren und Rothenditmold. Die Stadtreiniger kritisieren, dass die Mieter angehalten werden, möglichst wenig Restmüll zu entsorgen, weil der Einwurf jedes weiteren Beutels Mehrkosten verursacht. Das führe dazu, dass die Mieter Restmüll in Biotonnen und Gelben Säcken „entsorgten“. Weil der Müll nicht richtig getrennt werde, könne etwa der Inhalt der Gelben Säcke nicht als Wertstoff genutzt werden, sondern müsse verbrannt werden. Besonders „verunreinigte“ Gelbe Säcke versehen die Stadtreiniger auch mal mit einem roten Punkt und lassen sie stehen.

Der Ortsbeirat

Anlass zur Diskussion im Ortsbeirat gaben Beschwerden über von Tieren (vor allem Rabenvögel) aufgerissene Gelbe Säcke, in denen sich Essbares befunden habe. Der Rest fliege im Stadtteil umher. „Der viele Müll in Waldau fällt auf“, meinte auch Ortsvorsteher Joachim Bonn (SPD).

Ein Problem stellten die Einhausungen für Tonnen und Säcke dar, die nach oben offen seien. Vögel und andere Tiere könnten eindringen und die Säcke zerpflücken. „Der Vermieter ist in der Pflicht. Ich habe keine Lust, den Ausputzer zu spielen“, betonte Jürgen Blutte (Grüne). Die Mieter wüssten, wie man Müll zu trennen habe. Sie müssten dann aber mehr zahlen, sagte Jutta Schwalm (CDU). Auch Dirk Seeger (SPD) meinte: „Das Bezahlsystem ist das Problem.“

Die Wohnstadt

Das System der Müllschleuse habe sich bewährt, erklärte hingegen Wohnstadt-Sprecher Frederik Lang. Die Menge an Restmüll sei deutlich reduziert worden. „Für die Mieter macht sich das in barer Münze bemerkbar, da sie weniger Gebühren zahlen müssen.“

Nähere Angaben konnte Lang gestern dazu nicht machen. Dass es auch „vereinzelt“ Schwierigkeiten mit der Nutzung der Müllschleuse gebe, sei bekannt. Mitarbeiter gingen Beschwerden nach, versuchten Mieter dafür zu sensibilisieren.

Die Stadtreiniger

Aktuell nehme man keine Stellung dazu, da es sich um ein laufendes Verfahren handele, erklärte Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. Die Probleme seien bekannt, die Kritik daran ebenfalls.

Der Ortsbeirat Waldau bittet darum, dass in der nächsten Sitzung ein Vertreter der Wohnstadt dazu Stellung nimmt. Und er lädt zur Aktion Sauberes Waldau für 27. April ein. Los geht’s um 10 Uhr, ehemaliger Festplatz.

Das Prinzip der "schlauen Tonne" 

Unter dem Stichwort „schlaue Tonne“ sind die Müllschleusen der Firma Innotec im Jahr 2014 in der Waldauer Wohnstadt-Siedlung in Betrieb genommen worden. Das Ziel ist die Müllverminderung. Das Prinzip: Jeder Mieter zahlt eine Mindestgebühr (300 Euro im Jahr), die den Einwurf eines 20-Liter-Restmüllbeutels pro Woche beinhaltet. Mieter haben einen elektronischen Chip, mit dem die Klappen der Müllschleuse geöffnet und bei Bedarf weitere Restmüllbeutel eingeworfen werden können. Die Zahl der Einwürfe wird von der Schleuse gemessen. Die Kosten für die Mehreinwürfe werden prozentual auf die Mieter verteilt. Die Zahl der Einwürfe dient somit als Verteilungsmaßstab für die Müllgebühren.

Aus dem Archiv: Vom Winde verweht: Zerfetzte Gelbe Säcke sorgen für Müll-Ärger in Kassel

In Northeim sorgen Gelbe Säcke immer wieder für Ärger: Dort wurde die Stabilität der Säcke bemängelt. Im Kreis Kassel fordert die Kreis-SPD sogar die Abschaffung der Gelben Säcke. Dafür soll eine Tonne eingeführt werden.

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