Verband hat nicht genug Freiwillige

Keine Retter am Buga-See: Auch bei jüngstem Badeunfall war DLRG-Station unbesetzt

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War über 30 Jahre als DLRG-Rettungsschwimmer an der Buga im Einsatz: Berthold Helesky hat in dieser Zeit über 20 Menschen das Leben gerettet. Im Hintergrund die Station neben der Seglergaststätte.

Die Wasserrettungsstation am Buga-See war zuletzt selbst an heißen Sommertagen oft nicht besetzt. Personalnot bei der DLRG ist die Ursache.

Auch als am 23. Juni ein Zwölfjähriger und ein Sechszehnjähriger aus Espenau fast ertrunken wären, war kein Rettungsschwimmer vor Ort. Ein Kasseler Familienvater, der zufällig in der Nähe war, zog die beiden aus dem Wasser.

Der frühere Vorsitzende des Kasseler DLRG-Stadtverbandes Berthold Helesky hält die aktuelle Situation für unverantwortlich. 30 Jahre lang stand Helesky an der Spitze der DLRG. „Es kann nicht sein, dass im Hochsommer die Rettungsstation verwaist ist. Bei einem Badeunfall ist es entscheidend, dass sehr schnell Retter vor Ort sind.“

Vertrag neu aushandeln

Als regelmäßiger Badegast hat Helesky beobachtet, dass in den vergangenen Monaten meistens weder ein Rettungsboot am Steg lag noch die Flagge der Station gehisst war – die wehende Flagge bedeutet, dass die Wache besetzt ist. Eigentlich muss dies laut Vertrag zwischen Stadt und DLRG vom 15. Mai bis 15. September wochentags zwischen 17 und 20 Uhr sowie am Wochenende und Feiertagen von 10 bis 20 Uhr der Fall sein. Diese Zeiten erfahren auch Badegäste, die sich auf der Internetseite der DLRG und der Stadt informieren.

Die Stadt räumt ein, dass es den entsprechenden Vertrag mit der DLRG gibt. 5000 Euro erhält der Verein jährlich aus der Stadtkasse. Nach Auskunft der Stadt könne die DLRG die Station aber nur unregelmäßig besetzen, da das freiwillige Personal fehle. Nun wollen Stadt und DLRG den Vertrag neu aushandeln und klären, was noch ehrenamtlich leistbar ist.

Die Stadt verweist aber darauf, dass es bei natürlichen Badeseen keine Verpflichtung seitens der Stadt gebe, eine Badeaufsicht zu stellen. Baden geschehe auf eigene Verantwortung. Die DLRG wollte sich zu der Situation nicht gegenüber der HNA äußern.

Seit 1981, als der Buga-See angelegt wurde, gibt es die Wachstation. „In früheren Jahren, als noch viel mehr los war am See, waren wir teilweise mit bis zu 15 Rettern an der Station“, erzählt Helesky.

Erinnerungen an die Anfänge des Buga-Sees

Seinem Einsatz haben viele Menschen ihr Leben zu verdanken. Berthold Helesky hat als Rettungsschwimmer und Sanitäter Jahrzehnte lang seine Augen über die Wasseroberfläche des Buga-Sees schweifen lassen.

Von 1981 bis 2011 hat er den DLRG-Stadtverband geführt. „Ohne zu übertreiben, habe ich in meiner aktiven Zeit 20 Ertrinkende aus dem Wasser geholt. Bei 20 Weiteren kam ich zu spät“, erzählt der heute 84-Jährige.

Stolz über das neue Einsatzfahrzeug: Die DLRG-Retter bei einer Übung im Jahr 1989. Damals wurden auch Notrufsäulen am See aufgestellt.

Weil es beim Retten auf jede Minute ankomme, sei es unverantwortlich, die DLRG-Station am Buga-See unbesetzt zu lassen. Es trifft ihn, wenn er sieht, wie verdreckt und heruntergekommen die Station inzwischen ist. „In meiner Zeit hätte es so etwas nicht gegeben.“ Nicht einmal die Büsche vor der Terrasse seien geschnitten. „Da hat man doch von der Aussichtsplattform gar keinen Blick mehr über den See.“

Aus seiner Sicht gelingt es dem Verband nicht, die Jugend für die DLRG zu begeistern. In anderen DLRG-Verbänden im Umland laufe dies nach seinen Erkenntnissen besser. Noch bis zu seinem Ausscheiden bei der DLRG habe es 35 aktive Mitglieder gegeben, die Wachdienst leisten konnten. Dazu seien ein silbernes Rettungsschwimmerabzeichen und eine Sanitäterausbildung erforderlich.

Baywatch made in Kassel: Alle Rettungsschwimmer haben auch eine Sanitäterausbildung. Neben der DLRG gibt es in Kassel noch die Wasserwacht des Roten Kreuzes.

Helesky erinnert sich noch gerne an seine damaligen Zeiten bei der DLRG. „In den 80er- und 90er-Jahren war die Hölle los am Buga-See. An Spitzenwochenenden wurden bis zu 20.000 Badegäste gezählt. Da hatten wir Einsatz nach Einsatz. Aber auch bei wenig Badebetrieb waren wir vor Ort.“ Nicht nur um Ertrinkende, sondern auch um Verletzte, etwa durch herumliegende Scherben, habe man sich gekümmert.

Hatten alle Hände voll zu tun: Die Retter der DLRG veranstalteten von den 1980er- bis 2000er-Jahren regelmäßig Übungen am Buga-See. Im Hintergrund die Rettungsstation. Hier ein Foto aus dem Jahr 1995.

„Die Retter mussten topfit und schnell sein.“ Manchmal habe aber auch das nichts genützt. „Früher hatten wir jedes Jahr einen Toten.“ So sei sogar mal ein Kampfschwimmer der US-Army Anfang der 90er-Jahre ertrunken, weil er sich in Schlingpflanzen und Ästen verfangen hatte, erzählt Helesky. Alkoholisierte Schwimmer seien damals aber das größte Problem gewesen. „Wer fünf Minuten unter Wasser ist, der hat Pech. Da nützt auch keine Reanimation mehr etwas.“ Zu einigen Geretteten hatte er noch viele Jahre Kontakt.

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