Legionellen in Waldau: Leitungen werden desinfiziert

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Häuserzeile an der Görlitzer Straße in Waldau: In den Häusern 61 bis 63 wurden Legionellen im Trinkwasser gefunden. 838 Wohnungen in Waldau hatte die Buwog-Gruppe 2013 von der damals unter Zwangsverwaltung stehenden Vivacon AG übernommen.

Waldau. Zunächst ging es nur um Wasserproben. „Bisher war nie die Rede von Legionellen“, sagt Olaf Fleischer. Doch seit gestern „ist man da schon besorgt“, sagt der Mieter im Haus Görlitzer Straße 63. Da kam nämlich eine Fachfirma, um die Warmwasserleitungen in den Wohnungen mit heißem Wasser durchzuspülen und damit zu desinfizieren.

In mehreren Mietshäusern der Buwog, die den Wohnungsbestand in Waldau 2013 von der Kölner Vivacon AG übernommen hatte, soll das Legionellen-Problem aufgetaucht sein, berichtet Fleischer. Die Bakterien im Warmwasser können vor allem kranken und alten Menschen gefährlich werden (siehe Hintergrund).

Von der Buwog-Gruppe, die über insgesamt 54 000 Wohnungen in Deutschland und Österreich verfügt, gab es bisher noch keine Stellungnahme zu den Legionellen im Trinkwasser. Werden die Bakterien im Rahmen von Routine-Untersuchungen entdeckt, müssen die Labore dies ans Gesundheitsamt melden. „Es gibt in Kassel eine Menge Fälle“, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel.

Gemeinsam mit den betroffenen Eigentümern, Hausverwaltungen oder Wohnungsgesellschaften und abhängig davon, wie hoch die Legionellenbelastung ist, werde dann festgelegt, was und wie schnell etwas getan werden müsse. „Wir haben das im Blick“, versichert die Amtsleiterin. Bisher würden sich die Vermieter meist korrekt verhalten und hätten selbst großes Interesse daran, die Bakterienbelastung in der Warmwasserversorgung der Mietwohnungen zu verringern.

Oft reicht dafür schon die Erhöhung der Warmwassertemperatur. So wurde auch in den Häusern an der Görlitzer Straße die Temperatur von 60 auf 70 Grad Celsius erhöht, um die Trinkwasseranlage zu desinfizieren. „Hierdurch besteht die Gefahr der Verbrühung“, warnte die Fachfirma die betroffenen Mieter.

Meldepflichtig ist auch, wenn Fälle der Legionärskrankheit auftreten. Nach Angaben von Karin Müller gab es im Jahr 2014 zwei Fälle (jeweils einer in Stadt und Landkreis Kassel). In diesem Jahr wurden bisher zwei Fälle in der Stadt Kassel angezeigt. Häufig sei es aber so, dass sich die Erkrankten die Legionellen auch im Urlaub eingefangen haben könnten, etwa durch schlecht gewartete Klimaanlagen oder Whirlpools.

Hintergrund: Legionellen können schwere Lungenentzündung auslösen

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die in Warmwasseranlagen oder auch in Klimaanlagen vorkommen. Die Bakterien gedeihen bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad Celsius und sterben in über 60 Grad heißem Wasser ab. Auch in kaltem Wasser können die Bakterien nicht überleben. Legionellen gelangen über fein zerstäubtes Wasser, das zum Beispiel beim Duschen oder beim Bad im Whirlpool eingeatmet wird, in das Bronchialsystem und können dort bei geschwächten oder älteren Menschen die Legionärskrankheit auslösen, eine schwere Form der Lungenentzündung. Die Legionärskrankheit ist seit 1976 bekannt und hat ihren Namen, weil bei einem Kriegsveteranentreffen der „American Legion“ in den USA in einem mit Legionellen verseuchten Hotel 200 Menschen erkrankten und mehr als 30 davon starben. Danach wurde intensiv nach den Erregern der Krankheit geforscht. Eine Übertragung der Legionellen von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt. Seit 2001 besteht in Deutschland eine Meldepflicht für Legionellen im Trinkwasser. Seit 2012 müssen in Mietshäusern mit Warmwasserboilern mit mehr als 400 Litern Inhalt oder längeren Warmwasserleitungen alle drei Jahre Wasserproben entnommen und untersucht werden.

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