Juroren testeten 300 verschiedene Würste

Ahle-Wurscht-Meisterschaft in Kassel: Strackenweise lecker

Kassel. Bei der 3. Nordhessischen Ahle-Wurscht-Meisterschaft in Kassel schickten 50 Fleischerbetriebe aus der Region ihre Würste ins Rennen. Unser Redakteur Maik Dessauer war als Juror dabei.

„Das Richten über die Würste ist eine Teamarbeit“, sagt Uwe Köhler. So schwört der Obermeister der Fleischer-Innung Hofgeismar-Wolfhagen die Juroren der 3. Nordhessischen Ahle-Wurscht-Meisterschaft in der Fleischerwerkstatt des Bildungszentrums in Waldau ein. 42 Tester – 19 vom Fach und 23 Laien – sollen in acht Kleingruppen entscheiden, welche der knapp 300 Würste mit Gold, Silber oder gar nicht prämiert wird.

Als fachfremde Prüfer sind unter anderem geladen der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, die Hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, der Gudensberger Bundestagsabgeordnete Edgar Franke, Handwerksmeister aus der Region und die HNA. An unserem Tisch sitzen Profi Peter Fey (53), Fleischermeister aus Herleshausen, Holger Hartmann (57), Dachdeckermeister aus Niestetal und Marco Diegel (43), Kfz-Meister aus Nentershausen.

Da waren noch alle hungrig: HNA-Redakteur Maik Dessauer riecht an der ersten von 22 Würsten. Im Hintergrund von links: die Juroren Marco Diegel (43), Kfz-Meister aus Nentershausen, Holger Hartmann (57), Dachdeckermeister aus Niestetal und Peter Fey (53), Fleischermeister aus Herleshausen.

Los geht’s: Die erste Wurst liegt auf dem Tisch – eine luftgetrocknete Stracke. Erst mal einen Überblick über die 70 Bewertungskriterien verschaffen, die sich in vier Kategorien gliedern: Äußerer Zustand, Aussehen und Zusammensetzung, Konsistenz sowie Geruch und Geschmack. Gar nicht so leicht, man will ja kritisch sein. „Etwas mürbe“, traut sich Dachdeckermeister Hartmann als erster aus der Deckung. Fey bestätigt: „Die willst du keinem auf den Tisch legen.“ Hartes Urteil, aber stimmt schon. Also weiter.

Den ersten Höhepunkt stellt eine Luftgetrocknete mit Edelschimmel dar. „Feines Schnittbild“, sagt der Experte. Kfz-Meister Diegel hält sich noch zurück. Er wartet auf die Geräucherten. Trotzdem volle Punktzahl.

Es folgt eine Runde, die vom Profi das unschmeichelhafte Fazit erhält: „Die schmeckt nach schlecht belüfteter, nasser Kammer.“ Nach Wurst Nummer drei gibt es den ersten Neutralisierungsschnaps, zwei hervorragende Luftgetrocknete später folgt die erste Pause.

Dritte Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft in Kassel

In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
Mit in der Jury: HNA-Redakteur Maik Dessauer © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt
In der Fleischerwerkstatt Bildungszentrum in Waldau findet die 3. Nordhessische Ahle Wurscht Meisterschaft statt © Andreas Fischer

Vor der Tür verfolgen wir ein Gespräch zwischen Lübcke und Fleischermeister Köhler. Lübcke erzählt, dass er vor seiner Zeit als RP selbst 150 Mastschweine hatte. Es geht um Wildschweinwurst und dicke Hochzeitswürste, die ein Jahr hängen müssen. Fachmänner unter sich.

Zurück am Tisch wird es hektisch. Unsere Gruppe hat getrödelt und noch 17 Würste vor sich. Die Qualität bleibt schwankend und die Meinungen gehen auseinander. Mal fehlt dem einen das Aroma, mal ist dem anderen der Geschmack zu säuerlich, mal allen der Rand zu trocken. Es wird klar: Der Feinschmecker und Kenner kann viel kritisieren an den alten Würsten. Aber: Ganze sechs Würste erhalten von uns die volle Punktzahl und damit das Prädikat „Gold“.

Bei Wurst Nummer 17 – einer geräucherten Feldkieker – wird es fundamental. Diegel: „Die sieht aus wie eine Salami.“ Kurz hält der ganze Tisch den Atem an. Skeptische Blicke werden getauscht, ein vorsichtiger Biss, und dann: Erleichterung. „Der Geschmack ist Eins-a“, sind wir uns einig. Volle Punktzahl, trotz Salami-Optik.

Jetzt geht es auf die Zielgerade, und das ist auch gut so. Der anfängliche Elan ist uns allen – mit Ausnahme vielleicht von Profi Peter Fey – abhandengekommen. Und so fällt auch das Fazit nach der letzten von 22 Wurstproben aus: „Es war sehr lecker, aber die Geschmacksnerven sind etwas strapaziert“, sagt Hartmann. Wann es das nächste Mal Ahle Wurscht gibt? „Heute nicht mehr“, sagt Diegel, „aber vielleicht morgen.“ Fey ist da schon vom Tisch verschwunden und fachsimpelt mit seinen Fleischerkollegen.

Welche Würste am Ende mit Gold und Silber prämiert werden, geben die sechs Fleischer-Innungen aus der Region am Sonntag, 18. März, bekannt. Doch egal wie es für die einzelnen Betriebe am Ende ausgeht, der Wettbewerb stellt eine Feier der nordhessischen Tradition und des Genusses dar, wie es Uwe Köhler auf den Punkt bringt. Darauf eine Stracke.

Wussten Sie schon, dass ...?

  • für die Herstellung außer Innereien, Knochen und Sehnen fast das gesamte Schwein noch schlachtwarm mit dem Fleischwolf zerkleinert wird?
  • zur Ahlen Wurst Salz und Pfeffer und lokal unterschiedliche Gewürze hinzugefügt werden?
  • die Wurst durch die Reifung ein Drittel an Masse verliert?
  • die Wurst häufig noch mehrere Wochen oder Monate, auch bis zu einem Jahr und länger, zur Nachreifung aufgehängt wird?
  • die Wurst jedoch verderben kann, wenn bei der Herstellung die Masse in der Wursthülle nicht genug verdichtet wurde?
  • der „Feldkieker“ bereits im Jahr 1488 am Büraberg bei Fritzlar hergestellt wurde?
  • die Ahle Wurst eine Möglichkeit war, um Fleisch möglichst lange haltbar zu machen?
  • der Fettgehalt der Ahlen Wurst im Vergleich zu anderen Würsten sehr gering ist?

Hintergrund: Das Aus des Schlachthofs

Obwohl der Betrieb im Waldauer Schlachthof inzwischen eingestellt ist, ließen sich die Fleischermeister bei der Ahle-Wurscht-Meisterschaft nicht die Laune verderben. „Die Ahle Wurscht wird weiter bestehen“, sagte Fleischermeister Uwe Köhler. Anfang Dezember wurde bekannt, dass der Schlachthof insolvent ist. Mitte Februar war auch der letzte Interessent abgesprungen, der den zahlungsunfähigen Betrieb hätte weiterführen wollen. Am 26. Februar wurde letztmals geschlachtet. Das Fleisch kommt nun von den Schlachthöfen in Warburg (Ostwestfalen) und Heiligenstadt in Westthüringen.

Rubriklistenbild: © Fischer

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