Viele Lämmchen auf den Waldauer Wiesen

Schafherde entzückt Spaziergänger – und weckt Besorgnis um Tiere

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Neugierig und flauschig: Ein weitläufiges Gelände in den Waldauer Wiesen ist momentan die Schafs-Kinderstube des Kasseler Schäfereibetriebs Dissen. Von den zahlreichen Lämmern in der 500-köpfigen Herde sind manche erst wenige Tage alt.

Kassel. Eine 500-köpfige Mutterschafherde mit vielen Lämmchen entzückt derzeit viele Spaziergänger in den Waldauer Wiesen – und weckt Besorgnis um Tierwohl.

Schäfer Hubertus Dissen muss am Telefon ständig Rede und Antwort stehen, dass es den Tieren gut geht. Sie sind derzeit eine Attraktion für viele Radler und Spaziergänger in den Waldauer Wiesen: Die vielen munteren Lämmchen in der 500-köpfigen Mutterschafherde von Schäfer Hubertus Dissen werden jeden Tag ungezählte Male fotografiert. Viele der wolligen Tierkinder sind erst ein paar Tage alt und noch recht staksig auf den Beinen. Zwei Mal am Tag, morgens und abends, schaut der Vollerwerbs-Schäfer aus Wolfsanger nach dem Rechten, ob es allen Tieren gut geht.

Da sind sich viele Passanten offenbar nicht ganz sicher. Es klingt für Laien schon herzzerreißend, wenn immer wieder kleine Schäfchen irgendwo auf dem weitläufigen, eingezäunten Wiesengelände klagend nach ihrer Mutter mähen. „Was meinen Sie wohl, wie oft bei mit das Telefon klingelt“, berichtet Dissen.

Mindestens jeden zweiten Tag schlage jemand Alarm: Ein Lämmchen sei verwaist oder krank und müsse sofort gerettet werden. Oder: Den armen Tieren sei es doch viel zu warm bei der Hitze. Die hätten ja gar nichts zu trinken (die Tränke auf der Weide wird übersehen). Aus der zentralen Wasserstelle hat Dissen gerade erst einen Sack mit Hundetrockenfutter entsorgt, den irgendwer offenbar in wohlmeinender Absicht dort platziert hat. Was denken sich solche Menschen? „Ich weiß es wahrhaftig nicht“, schüttelt der Schäfer den Kopf.

Alles unter Kontrolle: Schäfer Hubertus Dissen sieht auf dem eingezäunten Gelände mehrmals am Tag nach dem Rechten. Bevor ein neugeborenes Lamm mit seiner Mutter zu der Herde kommt, hat es ein paar Tage auf Dissens Hof in Wolfsanger verbracht, um zu beobachten, ob sich alles normal entwickelt.

Seine Tiere versorgt Dissen mit der Expertise eines 10.000 Jahre alten Berufsstandes und nicht zuletzt auch im wirtschaftlichen Interesse. Denn man mache sich nichts vor: Bei aller Niedlichkeit ist so eine Lämmerherde kein Streichelzoo, sondern Nutztierhaltung. Etwa fünf Monate dürfen die Sommerlämmer auf der Weide tollen, dann geht es zum Schlachter. Das Lammfleisch vermarktet Dissen bundesweit, einige Tiere behält er als Mutterschafe oder gibt sie an Kollegen ab. In Hessen gibt es noch 70 bis 80 hauptberufliche Schafhaltungsbetriebe.

Geboren werden die Lämmer draußen auf einer der Weiden von Dissens Betrieb. Jedes Neugeborene mit seiner Mutter transportiert der Schäfer dann erst mal nach Wolfsanger in den Stall. Wenn nach ein paar Tagen alles normal verläuft, werden die Tiere nach und nach zu einer Mutterschafherde zusammengefasst – wie derzeit in den Waldauer Wiesen, wo die Schafe mit ihrem permanenten Appetit das weitläufige städtische Gelände vor Verbuschung bewahren.

Nur etwa bei jeder hundertsten Geburt kommt es laut Dissen vor, dass ein Lamm von seiner Mutter nicht angenommen wird. Dann gebe es die Möglichkeit, ein anderes Mutterschaf als Amme an das Schäfchen zu gewöhnen. Mehrere Schafskinder aufzuziehen ist für die Tiere nicht ungewöhnlich, denn etwa jedes vierte Muttertier in der Herde versorgt Zwillinge.

Das vielstimmige Geblöke der 500 Schafe ist schon von weitem zu hören. Und es wird noch lauter, wenn sich Schäfer Dissen bei einer seiner täglichen Kontroll-Visiten nähert. Dann drängt sich die gesamte Herde aufgeregt mähend dicht vor dem Elektrozaun. „Die können genau am Klang erkennen, dass da mein Auto kommt und kein anderes“, sagt Hubertus Dissen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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