Ingenieure von morgen

Schüler informierten sich am Tag der Technik in Unternehmen und der Uni

Technik zum Anfassen: Ingenieur Paul Bellinghausen (rechts) erklärte den Schülern, wie die Kasseler Firma AuE Montagemaschinen für Pkw-Achsen konstruiert und testet. Fotos: Dilling

Kassel. Auf dem Gelände der Firma Schneider Electric im Industriegebiet Waldau ist ein Stück Zukunft zu besichtigen: sogenannte Smart-Grid-Transformatoren, die den ungleichmäßigen Strom der erneuerbaren Energien so flexibel regeln, dass das Stromversorgungsnetz stabil bleibt, und Stromtankstellen, an denen Elektromobile aufgeladen werden können.

Am Tag der Technik war Schneider eine der Stationen, bei der sich 600 Schüler aus Kassel und von weiteren nordhessischen Schulen über ihre Karrierechancen in gewerblich-technischen Berufen und als Ingenieure informierten.

Gerade die erneuerbaren Energien bieten Jobchancen für technisch interessierte Schüler. Noch könne man den Bedarf an Ingenieuren und Energieelektronikern decken. „Aber wir müssen uns anstrengen. Unser Problem ist, dass wir in der Region noch nicht so bekannt sind“, sagt Matthias Wiederhold, Projektierungsleiter bei Schneider Electric. Die Kasseler Niederlassung mit rund 50 Mitarbeitern gehörte früher einmal zum - längst zerschlagenen - AEG-Konzern. Heute ist sie Bestandteil einer Weltfirma.

Elektromobilität als Jobchance: Matthias Wiederhold von Schneider Electric (rechts) zeigte Margarite Reit, Bünyamin Tekir (Max-Eyth-Schule) und Leon Wölk (Fichtner-Schule Wolfhagen), wie es unter der Motorhaube eines Elektro-Autos aussieht.

Doch längst nicht alle Schüler, die die Besichtigungstour durch Unternehmen der Region mitmachten, wissen schon so genau wie Marlon Reith, dass sie Karriere im gewerblich-technischen Bereich machen wollen. Der 18-jährige Schüler des Friedrich-List-Wirtschaftsgymnasiums wird sich im Baunataler VW-Werk bewerben. Da könne er eine Ausbildung machen, die Wirtschaft und Technik verbinde, sagt der junge Mann. Er schaute sich bei der Firma AuE um, die vor allem auf die Automatisierung und Messtechnik für Fahrwerke und Achsen für die Automobilproduktion spezialisiert ist. AuE bietet auch eine duale Ausbildung an, Lehre und Studium laufen da parallel. Das sei nichts für ihn, sagt Reith. Er sei nicht der Typ, der gern unter starkem Druck arbeite. Rasmus Bitterhof vom Goethegymnasium ist da optimistischer. Den 17-Jährigen reizt die Kombination von betrieblicher Praxis und Theorie.

Mädchen sind bei der Schnuppertour der Schüler in den Betrieben deutlich in der Minderheit. Auch in ihrer Schule halte sich das Interesse ihrer Altersgenossinnen an naturwissenschaftlich-technischen Berufen in Grenzen, sagt Sarina Heinecke (16) von der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau. Die Mitschülerinnen hätten „irgendwie schon Angst“ vor den Anforderungen in diesen Fächern, sagt Heinecke, die aus Neigung Mathe und Physik als Leistungsfächer belegt hat.

Laut Wolfgang Dünkel vom Mitveranstalter VDE (Verband Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) seien im eigenen Verein Frauen mit einer Quote von fünf Prozent absolut in der Minderheit. Dabei fehle es in dieser Sparte immer noch an genügend Nachwuchs. 13 000 Ingenieure würden bundesweit jährlich benötigt, doch nur 10 000 Absolventen verließen die Unis. Immerhin sei die Nachfrage nach einem Elektrotechnik-Studium an der Uni Kassel in den letzten Jahren stark gestiegen.

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.