Vorwurf der Abzocke

Kritik: 3000 Parkplätze reichen nicht für Herbstausstellung

Kassel. Mehr als 3000 kostenlose Parkplätze gibt es am Messegelände – zu Stoßzeiten reichen sie trotzdem nicht aus.

Mehrere Besucher der Herbstausstellung berichten gegenüber der HNA von der schwierigen Parkplatzsuche und von Knöllchen hinter der Windschutzscheibe, weil sie auf Grünflächen parkten. Als „Abzocke“ bezeichneten einige die Tätigkeiten des Ordnungsamtes. 

Die Stadt Kassel bestätigt, dass die Verkehrsüberwachung zu Messezeiten – ebenso wie die Polizei – verstärkt kontrolliere. Parken auf den Grünstreifen sei gemäß der Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt, erläutert Pressesprecher Michael Schwab, denn: Es könne zu Schäden an Baumscheiben und Grasnarbe sowie an Anpflanzungen kommen; der Stadt entstünden dadurch Kosten. 

„Sollten alle regulären Parkmöglichkeiten um die Messehalle ausgeschöpft sein, schließt die Polizei die Zufahrtsmöglichkeiten und verweist auf andere Parkmöglichkeiten“, erklärt Schwab. 

Die Idee, mit einem Shuttle-Bus Abhilfe zu schaffen, habe sich nicht bewährt, sagt Messe-Chef Ralf Umbach. „Der Shuttle stand genauso im Stau wie die Autos.“ Die beste Lösung wäre ein Anschluss an die Waldkappler Bahn. An den Kosten für eine Regiotram-Haltestelle würde man sich beteiligen, sagt Umbach. Nur seien die Perspektiven für das sehr teuere Projekt gering. Dem Messechef bleibt also nur, motorisierte Besucher am Wochenende um Geduld bei der Parkplatzsuche zu bitten und darum, längere Wege in Kauf zu nehmen.

Indien zum Ausprobieren

Wer einen Parkplatz ergattern konnte und die Hallen betreten hat, kommt zum Beispiel in den Genuss der farbenprächtigen Indien-Sonderschau: Sie bringt viele Besucher in den Hallen 8 und 9 auch auf den Geschmack, sich mit Fragen gesunder Ernährung zu befassen. 

Indien zum Probieren: (von links) Arjun Narang, Vorsitzender der Deutsch-Indischen Gesellschaft Kassel und Organisator der Sonderschau, sowie Harjit und Aarti Singh, die Inhaber des Restaurants Taj Mahal in Vellmar.  

Täglich gibt es dort Expertenvorträge über die alte indische Heilkunst Ayurveda, die alle Menschen einer der drei Körpertypen Vata, Pitta oder Kapha zuordnet und ihnen darauf jeweils abgestimmte Ernährungsempfehlungen gibt.

Vereinfacht gesagt geht es um die Balance von scharfen, bitteren, sauren, süßen und salzigen Anteilen im Essen, um einen typgerecht optimalen Stoffwechsel zu erreichen. „In jeder Familie gibt es verschiedene Körpertypen. Deshalb ist es in Indien in der Regel die Aufgabe der Oma, das Essen so zusammenzustellen, dass alle gesund bleiben“, erklärt Arjun Narang. Er ist Vorsitzender der Deutsch-Indischen Gesellschaft und hat die Sonderschau in den Messehallen federführend organisiert.

An Essensständen der Restaurants Taj Mahal (Vellmar) und Trimurti (Kassel) probieren viele Besucher gleich aus, wie das schmeckt. Würziges Lammcurry und cremiges Hähnchenbrust-Korma, das Nationalgericht Thali mit seiner Vielfalt diverser Häppchen und selbst die kleinen indischen Imbiss-Klassiker wie Samosas (ausgebackene gefüllte Teigtaschen) und Papadam (knusprige hauchdünne Linsenmehl-Fladen) sind von ihren Zutaten und Bestandteilen her im ayurvedischen Sinne ausgewogen.

Bei den simplen Kleinigkeiten sorgt eine Vielfalt ergänzender Dips – etwa auf Chili, Pfefferminz oder Koriander basierend – dafür, dass alle ayurvedischen Aromen mit an Bord sind. Ganz allgemein wird in Indien viel mit geklärter Butter (Ghee) gekocht – „das verstärkt den Geschmack und ist gut für die Verdauung“, erklärt Arjun Narang. Ebenfalls in vielen Gerichten verwendet werde Joghurt, was gut für die Darmflora sei.

Eine besondere Rarität kann man am Taj-Mahal-Stand probieren: indischen Wein, als roter Shiraz oder weißer Sauvignon blanc im Bundesstaat Maharashtra gewachsen und europäischen Weingeschmäckern durchaus zugänglich. Weinbau ist auf dem Subkontinent eine recht neue Erscheinung. „Die Nachfrage ist noch gering, aber sie wächst sehr schnell, vor allem durch Touristen“, sagt Gastronom Harjit Singh. Inder, die Alkohol trinken, würden traditionell zu Whisky greifen – ein Erbe der britischen Kolonialzeit.

Hier finden Sie das Programm für das letzte Wochenende der Herbstausstellung.

360-Grad-Eindrücke von der Herbstausstellung

Rubriklistenbild: © picture alliance / Roland Holschneider/dpa

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