Scheunenteil in Waldau soll fallen

Stadt will Abriss des Scherbschen Hofs nicht genehmigen

Baufälliges Denkmal: Die Eigentümerfamilie Dietrich will Teile der Scheune des Scherbschen Hofs in Waldau abreißen. Das einstige Wohnhaus (kleines Bild) war völlig heruntergekommen und steht schon seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr. Fotos: Koch, Malmus/nh

Waldau. Es ist einer der ältesten Höfe im alten Bauerndorf Waldau: Auf dem denkmalgeschützten Scherbschen Hof an der Bergshäuser Straße sollen Teile der noch verbliebenen Scheune abgerissen werden.

So plant es zumindest die Familie Dietrich, der das Grundstück seit knapp eineinhalb Jahren gehört.

Errichtet werden soll an der Stelle, wo bis Ende 2013 noch das einstige Wohnhaus stand, ein Mehrfamilienhaus, das acht Parteien Platz bieten soll. Damit folgt die Familie auch einer Vorgabe, wonach „anstelle des Wohnhauses ein mit dem Denkmalschutz abzustimmender Neubau errichtet werden muss, der sich baulich in die in der Umgebung vorhandene Bebauung einpasst“, erklärt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich auf Anfrage.

Im vorigen Jahr waren drei Gebäude auf dem Hof abgerissen worden. Die Genehmigung dafür hatte die Stadt im Sommer 2011 noch der vorherigen Eigentümerin erteilt.

Auf etwa eine Million Euro schätzt Bernd Dietrich, Inhaber der gleichnamigen Dachdeckerei in Waldau, das Investitionsvolumen für den Neubau. Die Pläne für die Umgestaltung des Geländes habe das Ahnataler Büro KM Architekten erarbeitet.

Neubau bis Herbst 2016

Wenn alle Anträge durchgehen, sollen die Arbeiten im Frühjahr beginnen, sagte Martina Dietrich, Eigentümerin des Grundstücks an der Bergshäuser Straße. Bis Herbst 2016 könnte das neue energieeffiziente und in Teilen barrierefreie Gebäude entstehen.

Ob es so kommt, scheint aber nach der Antwort der Stadt Kassel auf die Anfrage der HNA nicht sicher zu sein. Denn um Platz für den Neubau zu schaffen, sollen Teile der Scheune abgebrochen werden. Nach mehreren Ortsterminen sei dem Eigentümer ein Teilabbruch des jüngeren Scheunenanbaus an der westlichen Giebelseite auf einer Breite von etwa zehn Metern in Aussicht gestellt worden, erklärt Happel-Emrich. „Der nun vorliegende Antrag für einen Teilabbruch der Scheune umfasst jedoch mit 18,80 Metern einen deutlich größeren Bereich. Dies ist nicht genehmigungsfähig.“

Die Scheune müsse insgesamt erhalten bleiben. Das „war dem Eigentümer bekannt und von ihm auch akzeptiert“, sagt Happel-Emrich. Zudem sei der geplante Neubau vorher nicht mit dem Denkmalschutz abgestimmt worden.

Die Familie Dietrich stellt das etwas anders dar. Alle Pläne und Vorhaben seien in vielen Terminen eng mit dem Denkmalschutz besprochen worden, sagt Martina Dietrich. „Wir haben uns lange Gedanken gemacht.“

Dass die Scheune, die Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, zu einem Wohnhaus umgebaut wird, sei auch aus Brandschutzgründen kaum zu machen, so Dietrich.

Es sei selbstverständlich, dass sich neue Gebäude in den alten Ortskern Waldaus integrieren sollen. „Wir sind ja auch Waldauer“, sagt Tochter Isabelle Dietrich. „Wir mögen das dörfliche und wollen da keinen Glasbunker hinsetzen.“ (clm)

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