Warnstreik auf BZ-Gelände

Schwere Vorwürfe gegen Bildungszentrum - IG Metall spricht von „Einschüchterungsversuchen“

Warnstreik am Bildungszentrum in Kassel
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Kassel: Die IG Metall hatte zu einem Streik am Bildungszentrum aufgerufen.

Ärger zwischen der IG Metall und dem Bildungszentrum (BZ): Bei einem Warnstreik am Dienstagmorgen (10.11.2020) verwies die Polizei die Streikenden des Betriebsgeländes. 

Kassel – Die Gewerkschaft wirft ihrerseits der BZ-Geschäftsführung vor, ein Betriebsratsmitglied im Vorfeld der Kundgebung unter Druck gesetzt zu haben. Nachdem sie in einer E-Mail Ende vergangener Woche den Warnstreik im Rahmen der aktuellen Tarifverhandlungen für gestern angekündigt hatte, habe sie sich ausgestempelt, um für eineinhalb Stunden ihrer Gewerkschaftsarbeit nachzugehen und ihre Kollegen über den Streik zu informieren, sagt Betriebsrätin Johanna Matjak. Im Gegensatz zur Betriebsratsarbeit darf die gewerkschaftliche Tätigkeit nicht während der Arbeitszeit stattfinden.

Kassel: Einschüchtersversuche aufgrund von Streik? - Demonstranten von Gelände verwiesen

BZ-Geschäftsführerin Katrin Bock habe ihr später vorgeworfen, gegen das allgemeine Neutralitätsgebot des Betriebsrates zu verstoßen. Sie soll gedroht haben, die Auflösung des Betriebsrates beim Arbeitsgericht zu beantragen, obwohl sie gewusst habe, dass Matjak sich ausgestempelt hätte. Für Gewerkschaftssekretär Andreas Köppe ein ungeheuerlicher Vorgang. „Dass ein simpler Aufruf zum Warnstreik Einschüchterungsversuche seitens der Geschäftsführung auslöst, zeigt leider, dass die Geschäftsführung ein schwieriges Verhältnis zur Sozialpartnerschaft hat“, sagt er.

Zuvor waren die etwa 35 Demonstranten, darunter auch Vertreter anderer Kasseler Unternehmen, des BZ-Geländes verwiesen worden. „Das ist ein Umgang, den ich so noch nicht erlebt habe“, sagt Köppe. „Die Behinderung von Gewerkschaftsarbeit muss gestoppt und ein ordentlicher Tarifvertrag muss abgeschlossen werden.“

Nach Streik in Kassel: BZ-Geschäftsführung setzt sich zur Wehr

In den bisherigen Verhandlungen habe die Geschäftsführung des Unternehmens, dessen Gesellschafter die Handwerkskammer Kassel, die IHK Kassel-Marburg sowie das Berufsbildungszentrum Marburg sind, allerdings kaum Kompromissbereitschaft erkennen lassen.

Die BZ-Geschäftsführung um Katrin Bock wehrt sich. „Wir verwehren uns ausdrücklich gegen den Vorwurf der Einschüchterung eines Betriebsratsmitglieds und der Behinderung der Gewerkschaftsarbeit“, heißt es in einer Stellungnahme.

BZ-Geschäftsführung mit Vorwürfen gegenüber Demonstranten - Polizei Kassel muss Streik auflösen

Die Geschäftsführung verurteile das Verhalten von IG Metall, Teilen der Belegschaft sowie angereisten Sympathisanten beim Warnstreik auf das Schärfste. Sie hätten die Türen des Haupteingangs mit Absperrband versperrt, lodernde Feuertonnen entzündet und mittels Lautsprechern ohrenbetäubenden Lärm verursacht.

Der Aufforderung, die Feuer zu löschen und die Versammlung auf eine Fläche außerhalb des Betriebsgeländes zu verlegen, seien sie nicht nachgekommen. „Die Geschäftsführung sah sich daher gezwungen, die Polizei um Unterstützung zu bitten, um das Hausrecht zu wahren. Darüber hinaus wurden die Corona-Abstandsregeln missachtet.“

Kassel: Streik sei „völlig inakzeptabel“ - IG Metall fordert Geld für Mitglieder

Die Gewerkschaft habe mit dem Warnstreik auf dem Betriebsgelände geltendes Recht gebrochen. „Das Vertrauen in unseren Sozialpartner wurde dadurch massiv gestört. Feuer, Drohungen und Zwangsbeschallung sind Methoden von Gewalt, die völlig inakzeptabel sind“, heißt es weiter. „Wir erwarten die Rückkehr zum konstruktiven Gespräch.“

Bock wirft der Gewerkschaft überdies unverhältnismäßige Forderungen vor, die die Belegschaft in zwei Klassen spalteten. Die IG Metall fordere für 2020 eine Einmalzahlung in Höhe von 1000 Euro pro IG Metall-Mitglied, während Nicht-Mitglieder 250 Euro bekommen sollten, sowie für das Frühjahr 2021 eine tabellenwirksame Entgelterhöhung. „Eine solche Ungleichbehandlung ist mit uns nicht zu machen. Sie würde den Betriebsfrieden massiv stören“, so Bock. (Nicole Schippers)

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