Hintergrund der Diskussion ist ein Buch

Umbenennung von Waldemar-Petersen-Straße ist weiter offen

+
Unter Nazigrößen: Mit Kreis gekennzeichnet ist das Gesicht von Waldemar Petersen bei einer Versammlung an Bord der Cap Arcona im Oktober 1943.

Kassel. Was wird aus der Waldemar-Petersen-Straße? Darüber haben sich Vertreter der Verwaltung mit Kommunalpolitikern aus Waldau, Forstfeld und Bettenhausen im Kasseler Rathaus ausgetauscht.

Ob die Straße umbenannt wird, bleibt aber offen.

Neben den drei Ortsvorstehern und einigen Ortsbeiratsmitgliedern nahmen Stadtarchiv-Leiter Dr. Stephan Schwenke sowie Hauptamtsleiter Manfred Merz teil, der eingeladen hatte. Alle Beteiligten hätten sich verständigt, dass sie weitere Informationen über Petersen bräuchten, sagte Rathaussprecher Ingo Happel-Emrich auf Anfrage. Aufträge, wer nun welche Informationen beschaffen soll, seien keine verteilt worden. Anfang Frühjahr wolle man sich erneut treffen.

Lesen Sie auch:

- Umbenennung Waldemar-Petersen-Straße: Hunderte Anlieger wären betroffen

- Diskussion um Waldemar-Petersen-Straße in Waldau: Namensgeber war ein Nazi

Hintergrund der Diskussion ist ein Buch, das Dr. Manfred Efinger, Kanzler der Technischen Universität Darmstadt, Ende September herausgebracht hatte. Darin beschreibt der Wissenschaftler enge Verbindungen des AEG-Managers Waldemar Petersen zum nationalsozialistischen Regime. Von 1938 an bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Petersen Wehrwirtschaftsführer. Für Efinger besteht kein Zweifel, dass Waldemar Petersen von den Nazi-Verbrechen in den Konzentrationslagern zumindest gewusst haben muss.

Mit ihm selbst habe von der Stadt Kassel niemand Kontakt aufgenommen, sagte Efinger auf Anfrage. Einer Reise nach Kassel, um zum Beispiel in einem Vortrag über seine Erkenntnisse zu informieren, würde er sich nicht verschließen. „Aber ich dränge mich auch nicht auf“, sagte Efinger.

Vorrangiges Ziel seines Buches sei nicht gewesen, eine Debatte in Kassel anzustoßen. „Aber es freut mich, wenn das Buch etwas auslöst“, sagte Efinger. Schließlich habe er sich viereinhalb Jahre Zeit für die Recherche genommen.

Sollte die Waldemar-Petersen-Straße umbenannt werden, müssten darüber die betroffenen Ortsbeiräte entscheiden – „auf Vorschlag des Magistrats“, so steht es in der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung. (clm)

Manfred Efinger: Waldemar Petersen. Athen. Darmstadt. Berlin. Justus-von-Liebig-Verlag, Darmstadt, 24,80 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.