HNA, Bild, Bild am Sonntag viele andere Titel

Zeitungsdruck Dierichs investiert und holt neue Aufträge nach Kassel

Bild-Sonderausgabe: 80 000 Exemplare druckt die Maschine in der Stunde. Morgen kommt sie in die Haushalte. Unser Foto zeigt Drucker Kevin Jonson bei seiner Arbeit.

Kassel. Wenn am kommenden Samstag jeder Haushalt in Deutschland eine 22-seitige Gratis-Sonderausgabe der Bild-Zeitung anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls bekommt, dann ist das auch ein Verdienst des HNA-Druckhauses und seines Teams im Kasseler Industriepark.

Denn 4,7 Millionen der 42-Mio.-Auflage sind aus jener Maschine gelaufen, die wochentags die reguläre Bild-Zeitung in einer Auflage von 130.000 Exemplaren sowie die Bild am Sonntag (60.000) für die Mitte Deutschlands druckt.

Stündlich 80.000 Bild-Sonderausgaben sind in den vergangenen Tagen über die unzähligen Rollen der riesigen Anlage des Würzburger Druckmaschinenbauers Koenig & Bauer AG gelaufen, wurden geschnitten, gefalzt, gefaltet und ausgeliefert. Außerdem wird auf dieser Maschine die in einer monatlichen Auflage von 400.000 Exemplaren erscheinende Mitgliederzeitschrift des Sozialverbands Deutschlands (SoVD) gedruckt.

Nebenan arbeitet parallel die weit größere Schwesteranlage mit drei Druckstraßen, auf der neben der HNA, der Hersfelder Zeitung und der Werra-Rundschau (tägliche Gesamtauflage: bis zu 200.000) eine Vielzahl anderer Printprodukte wie nahezu alle Anzeigenblätter in Nord- und Osthessen im „Berliner Format“ produziert werden. Dieses verhältnismäßig kleine und deswegen sehr handliche Format ist der Grund dafür, dass in dem modernen Druckzentrum unterschiedliche Anlagen laufen. Denn die Bild-Maschine kann nur im wesentlich größeren „Nordischen Format“ drucken. Dazwischen gibt es noch das „Rheinische Format“, mit dem die Kasseler Profis nicht arbeiten.

Aber auch die HNA-Maschine und deren Bediener mussten in den vergangenen Wochen alles geben. Denn mit dem Auftrag zum Druck von 2,5 Mio. Exemplaren einer bekannten Branchenzeitung in 500 regionalisierten Varianten und mit unterschiedlichen Umfängen hat das Druckhaus einen weiteren dicken Fisch an Land gezogen.

Und als ob das alles noch nicht reichte, wird derzeit im laufenden Betrieb für neun Mio Euro die gesamte, hochkomplexe Versandanlage erneuert. „Das ist echt eine Herausforderung für alle Beschäftigten“, sagt Holger Hoyer, der im Druckhaus für den Verkauf und die Betreuung von Drittkunden verantwortlich ist. Das Problem: Die alte Anlage kann schrittweise nur so weit abgebaut werden, wie die neue in Betrieb genommen wird. Das schafft Platzprobleme. „An manchen Tagen ist es richtig eng“, erklärt Hoyer auch mit Blick auf den Zeitfaktor. „Ja, das sind turbulente Zeiten“, pflichtet der Technikchef der Druckerei, Albrecht Moths, bei.

Dass die Kasseler Druckspezialisten ihr Handwerk beherrschen, hat sich mittlerweile bis nach China herumgesprochen. Die einflussreichste Wochenzeitschrift der Volksrepublik in Europa will ihre Ausgabe für Deutschland künftig von der HNA-Druckerei produzieren lassen: zunächst in einer Auflage von 10.000. Das ist zwar ein vergleichsweise kleiner, aber Image-trächtiger Auftrag.

Hintergrund: Liefertreue und Qualität

Das Druckzentrum der Zeitungsdruck Dierichs GmbH & Co. KG entstand in den Jahren 2005/06. Ende 2006 wurde es in Betrieb genommen, Mitte des darauffolgenden Jahres war der Umzug von der Frankfurter Straße 168 an die Wilhelmine-Reichard-Straße 1 abgeschlossen. Das Gesamtinvestitionsvolumen lag bei 50 Millionen Euro.

Die Versandanlage wird jetzt erneuert, weil die alte bereits in der alten Druckerei stand und dort bereits einige Jahre den Dienst versehen hatte. Neben der laufenden Investition hat das Druckhaus in diesem Jahr für zwei Millionen Euro auch eine neue Logistikhalle in die Hand genommen.

Das Kasseler Druckhaus gehört mit seinen 150 Beschäftigten zu den modernsten und leistungsfähigsten bundesweit. Es gibt nicht viele Druckereien, die sehr große Auflagen in sehr kurzer Zeit drucken können – zumal, wenn die Druckplatten wegen unterschiedlicher Lokalausgaben und Seitenfolgen häufig gewechselt werden müssen. Darin hat Dierichs jahrzehntelange Erfahrung, da allein die HNA in 16 unterschiedlichen Lokalausgaben erscheint.

Für den Springer-Verlag, der die Bild-Zeitung herausgibt, zählt neben Preis und Druckqualität vor allem die Liefertreue – will heißen: Er muss sich absolut darauf verlassen können, dass die beauftragten Druckhäuser jeden Tag pünktlich liefern. „Und da haben wir einen guten Ruf“, sagt Hoyer.

Absolute Priorität in der Druckfolge haben stets die Tageszeitungen: also Bild und die HNA. Sie werden in der Regel zwischen 21.30 und 3 Uhr gedruckt. Danach laufen bis zum Andruck der folgenden Ausgaben die nicht aktuellen Produkte aus den Maschinen.

Von José Pinto

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