Angelika Fischer in vierter Generation

Waldhotel Elfbuchen: Mit einfachem Ausschank fing es vor 135 Jahren an

Blicken auf 135 Jahre Gastronomie Elfbuchen zurück: Lieselotte (76, von links), Hans-Ludwig (81) und Angelika Fischer: Das Waldhotel heißt Elfbuchen, weil der Urschuppen von elf Bäumen dieser Art umgeben war. Foto: Koch

kassel. Heute vor genau 135 Jahren weihte der „Verschönerungsverein zu Cassel“ den Aussichtsturm Elfbuchen im Habichtswald auf 536 Metern Höhe ein. Das war die Geburtsstunde des heutigen Hotels, Restaurants und Ausflugslokals Elfbuchen, das von Angelika Fischer in vierter Generation geleitet wird.

Und mit Tochter Lisa steht die fünfte bereits in den Startlöchern. Sie will den modernen gastronomischen Betrieb inmitten des Naturparks weiterführen.

Aber der Reihe nach: Als der Verschönerungsverein den 15 Meter hohen Aussichtsturm einweihen wollte, wurde ein Gastronom gesucht, der die Feier ausrichten sollte. Conrad und Anna Elisabeth Fischer, ihres Zeichens Betreiber der gleichnamigen „Restauration“ in der Langen Straße in Wahlershausen und seit Jahren bereits in der Gastronomie aktiv, erklärten sich dazu bereit und erkannten schnell das Potenzial des bis heute außerordentlich idyllischen Ausflugziels weitab von der lauten Großstadthektik.

Elfbuchen in den 1950er-Jahren: Auch im Winter wandern die Kasseler gern zum beliebten Ausflugsziel hinauf. Fotos: nh

Sie beschlossen, die Ausflügler zwei- bis dreimal wöchentlich in einem schnell zusammengezimmerten Schuppen zu bewirten. Immer wenn dies der Fall war, hissten sie eine Fahne auf dem Turm, der wegen des damals niedrigen Baumbestandes in Kassel zu sehen war. So wussten die Städter, dass es dort oben frisches Brot, Ahle Wurscht und ein Glas „Quatsch“, Himbeerwasser, gab. Das Wasser dafür musste mühsam aus einer einige Hundert Meter entfernten Quelle zunächst huckepack mit einem Joch, später mit dem Pferdefuhrwerk herbeigeschafft werden. Erst 1911 entstand das erste Gebäude, das diesen Namen wirklich verdiente.

Beim Wassertransport blieb es aber noch einige Jahrzehnte beim Alten.

Das sollte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg ändern, als mit Hans-Ludwig und Ehefrau Lieselotte die dritte Generation das Zepter übernahm. Dazwischen hatte der Sohn des Firmengründers und Großvater der heutigen Chefin, Wilhelm Fischer, das Sagen.

So fing es an: Dieses historische Foto von 1903 zeigt die Gastronomie der Elfbuchen-Gründer Conrad und Anna Elisabeth Fischer in der Langen Straße 58.

Hans-Ludwig und Lieselotte ließen eine Straße bauen und kauften ein Stromaggregat, das eine Pumpe für die Wasserversorgung antrieb. Mehrfach wurde um- und angebaut, zuletzt 1989.

Der Seniorchef ist mit seinen 81 Jahren noch immer aktiv, sorgt für den Einkauf und die Wildfleisch-Beschaffung sowohl für Elfbuchen als auch für das 1983 errichtete Kasseler Kurparkhotel, das die jüngere Tochter Silvia führt. Und fährt nach wie vor Pferdekutsche. Auf Wunsch werden Gäste vom Herkules-Parkplatz nach Elfbuchen gebracht. Heute präsentiert sich der Betrieb mit elf Zimmern, regionaler Küche mit Zutaten aus Nordhessen und vielen Wildspezialitäten und seinem Kuchenbuffet als moderne Gastronomie in ruhigster Lage mit langer Familientradition.

Von José Pinto

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.