Kasseler Theaterball: Walzer mit Nebenwirkungen

Hinein in die Ballnacht: Dorothee und Andreas Fehr.

Man kann ja froh sein, dass das Walzertanzen beim Kasseler Theaterball ausdrücklich gestattet ist. Den walzertypischen Körperkontakt zwischen unterem Rippenbogen und Leistengegend fanden die alten Preußen so frivol, dass der Tanz in Berlin noch bis 1918 verboten war.

Eine verheißungsvolle Einstimmung nebst kleinem Walzer-Crashkurs gaben Orchestermanagerin Insa Pijanka und Schauspieler Franz Josef Strohmeier den fast 1000 Ballgästen, die im Operhaus von den beiden Moderatoren zunächst durch ein Show- und Musikprogramm aller Theatersparten geleitet wurden. Vor allem von musikalischer Seite wurde der Abend flirtmäßig weiter unterfüttert: Wohl inspiriert von Josef Straußens Transaktionen-Walzer (nicht jenen an der Börse, sondern denen zwischen Mann und Frau), trug Generalmusikdirektor Patrik Ringborg unversehens und beherzt die Schauspielerin Sabrina Ceesay nach deren Gesangsauftritt auf Händen von der Bühne und wurde später in ausgelassener Pop-Ekstase mit weiteren Staatstheater-Schönheiten auf der Tanzfläche gesehen, wobei der gebürtige Stockholmer bei Abbas „Dancing Queen“ natürlich ein Heimspiel hatte.

Vom zwischenmenschlichen Kammerton des Abends inspiriert zeigte sich auch Intendant Thomas Bockelmann und sparte als Hausherr nicht mit Tipps, wo man sich in den Weiten und Winkeln von Kassels Musentempel „zum Knutschen“ zurückziehen könne. Viele Gäste zogen ihr Glücksgefühl indessen daraus, dass es in Kassel nach langer Durststrecke wieder mal solch ein Ballereignis zu feiern gab – dass manche Dame eine hinreißende Robe ausführen konnte, dass Kassel ein wenig in glanzvolle Opernball-Atmosphäre getaucht war und nicht zuletzt, dass bis in die frühen Morgenstunden getanzt werden durfte. Hans-Dieter Müller, Chef der Staatstheater-Fördergesellschaft, berichtete, dass die Ballkarten schon nach zwei Tagen restlos vergriffen waren, als vor etlichen Monaten der Vorverkauf begann.

Theaterball im Staatstheater

Für die Arbeit der rührigen Theater-Förderer gab es Lob von Hessens Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann: „Näher können die Kasseler nicht dran sein an ihrem Theater“, sagte sie. Man könnte sagen, das ist wie beim korrekt getanzten Walzer, wenn leisten- und rippenbogenmäßig kein Blatt Papier zwischen die Tanzenden passt.

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