Rhönklub Kassel feiert 100-jähriges Bestehen – Eichendorff-Plakette zum Jubiläum

Wandern für die Heimat

Liebe zur Rhön und zur nordhessischen Heimat: Der Vorsitzende des Rhönklubs, Andreas Koch, mit dem Vereinswimpel aus der Zeit der Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Janz

Kassel. Andreas Koch kann sich in der Geschichte verlieren. Wenn er aus der Vergangenheit des Rhönklubs Kassel erzählt, springt er schnell von Thema zu Thema. Der Vorsitzende hat aber auch einiges zu berichten: Der Verein wurde gestern hundert Jahre alt.

Das Jubiläum wird heute im Waldhotel Schäferberg gefeiert. Höhepunkt ist die Verleihung der Eichendorff-Plakette. Gestiftet 1983 vom Bundespräsidenten und Wanderfreund Karl Carstens wird sie jedem Wanderverein zuteil, der diesen Geburtstag feiert.

„Aber wir sind nicht nur Wanderer“, sagt Koch. Genauso wichtig sei es, die Kultur- und Heimatgeschichte zu bewahren. Deshalb organisiert der Rhönklub stadtgeschichtliche Wanderungen. Und mit den 63-Prozent-Wanderungen erinnern die vier Kasseler Wandervereine daran, dass fast zwei Drittel des Stadtgebietes Grünfläche sind.

Das ist Information und Mahnung zugleich, zumal sich Andreas Koch, der dem Klub schon seit 1979 vorsteht, gerne einmischt. Er versteht den Klub auch als Interessenvertretung. Wenn Radwege gebaut werden, fordert er Gleichberechtigung für Wanderer. Wenn weiche Pfade aspaltiert werden, geht er auf die Barrikaden. „Ich bin aufmüpfig“, sagt Koch, „aber die Mitglieder haben sich daran gewöhnt.“ Aber ohne diese Aufmüpfigkeit wäre der Klub vielleicht nicht der einzige gewesen, der 1989, noch vor der Maueröffnung, quer durch die DDR zum Wandertag nach Berlin gelaufen ist.

Die vielleicht beste Zeit hatte der Verein in den Zwanzigerjahren, als der Klub über 400 Mitglieder zählte. Sie wollten sogar eine Wanderhütte in der Rhön errichten, aber das Vorhaben schlug fehl – zum Glück, sagt Koch. Für die heute knapp hundert Mitglieder wäre eine eigene Hütte eine große finanzielle Belastung.

Grenzsteine und Kirchweg

Stattdessen hat der Verein in den vergangenen Jahren rund um Kassel Grenzsteine aufgestellt und einen mittelalterlichen Kirchweg ausgezeichnet. Jede Woche sind die Mitglieder in der Region unterwegs. Eine einwöchige Wanderfahrt gehört fest zum Jahresprogramm.

Um die Heimatpflege der Rhön geht es hingegen kaum noch. Sie war ein wichtiges Anliegen der Anfangszeit, als noch viele Rhöner dem Verein angehörten. Das sei ein gelungenes Beispiel für Integration, sagt Koch: „Das waren ja sozusagen auch Migranten.“ Er würde gern Kasseler mit ausländischen Wurzeln als Mitglieder gewinnen und die neue Heimat näherbringen.

Überhaupt braucht der Verein jüngere Mitglieder – zumal im Vorstand: Der 79-jährige Koch will 2012 ebenso abtreten wie sein Stellvertreter Harald Haverkamp (82). „Wir können das gemeinsam schaffen, den Klub in sein zweites Jahrhundert zu führen“, sagt Koch. Der Rhönklub habe noch immer viel zu bieten.

Von Marcus Janz

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