Prozess: Drogenabhängige brachen mehrfach in Tankstellen ein

Kassel. Etwa hundert Euro pro Tag brauchte der 38-jährige Angeklagte für Drogen, schnelles Geld brachten ihm Tankstellen in Kassel und im Umland. Gemeinsam mit anderen Drogenabhängigen brach er mehrfach ein, stahl Zigaretten und machte sie zu Geld.

Mit einem 31 und einem 35 Jahre alten Mann, die bei einigen Taten beteiligt gewesen sein sollen, sitzt er jetzt auf der Anklagebank des Landgerichts.

„Es war gar nicht so wichtig, was wir mitnahmen, ausschlaggebend war, dass wir genug beisammenhatten, das wir am nächsten Tag versetzen konnten.“ Der 38-Jährige räumte die Vorwürfe weitgehend ein, allerdings konnte er sich in einigen Fällen nicht an Details erinnern, meist stand er während der Einbrüche unter Drogen - oder er war auf Entzug. „Der Kopf war ausgeschaltet.“ Er gestand auch, dass er für einige der Diebestouren Autos geknackt hatte, auch von Komplizen berichtete er, doch Namen nannte er nicht.

Mit Nageleisen und Hacke

Die Einbrecher hebelten die Eingangstüren entweder mit einem Nageleisen oder einer Spitzhacke auf, oder sie fuhren sie mit den gestohlenen Autos ein. Zwei Tankstellen sollen sie laut Anklage gar drei Mal kurz hintereinander heimgesucht haben. Die Beute - meist hatten es die Einbrecher auf Zigaretten abgesehen - war durchaus sehenswert: zwischen einigen Hundert und 6000 Euro bewegte sich ihr Wert.

„In der Szene prahlten wir damit, wie schnell wir Geld verdient hatten.“ Allerdings bekam der 38-Jährige von seinen Abnehmern meist nur etwa zehn bis 15 Euro pro Stange gezahlt.

Der 31-jährige Mann neben ihm auf der Anklagebank wollte zunächst nichts sagen. Im Aufschlag seiner Hose war ein Glassplitter gefunden wurden, der eindeutig einer aufgebrochenen Tankstellen-Tür zugeordnet werden konnte. Dann gestand er doch noch, bei zwei Aktionen beteiligt gewesen zu sein. Er habe den 38-Jährigen auf Entzug getroffen, dann seien sie gemeinsam losgezogen.

Freiwillig in Therapie

„Ich war damals dauernd zugedröhnt oder auf Entzug.“ Er habe irgendwann eingesehen, dass es so nicht weitergehen konnte.

Deshalb begab er sich freiwillig in eine Therapie, die er inzwischen erfolgreich hinter sich gebracht hat. „Seit zwei Jahren nehme ich keine Drogen mehr.“

Auch bei dem 38-Jährigen reift die Einsicht, dass er etwas in seinem Leben ändern muss. Er meldete sich selbst in einer Entgiftungsklinik an. Inzwischen sitzt er im Gefängnis. „Die Drogen sind noch im Kopf“, sagt er. Er ist sich jedoch sicher: „Ohne Therapie will ich nicht entlassen werden.“

Der dritte Angeklagte schwieg vor Gericht. Er soll den 38-Jährigen bei zwei Einbrüchen begleitet haben, die Staatsanwaltschaft wirft ihm außerdem vor, dass er in eine weitere Tankstelle und einen Telefonladen eingebrochen sei.

Durch das umfassende Geständnis des 38-Jährigen muss die 1. Strafkammer des Landgerichts die meisten der geplanten Zeugen nicht hören, und der Prozess, der am 18. Mai fortgesetzt wird, nimmt wohl weniger Zeit als geplant in Anspruch.

Von Ralf Pasch

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