Am 19. Mai

Vorreiterinnen: Casseler Frauen-Ruderverein feiert 100-Jähriges

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Bootstaufe in den Hessenkampfbahn: 1949 stiftete die Stadt jedem Ruderverein anlässlich des ersten Nachkriegs-Zissels ein Boot. Der Casseler Frauen-Ruderverein erhielt einen Vierer.

Kassel. Er gehört zu den ältesten Frauen-Rudervereinen in Deutschland: Am 19 Mai 1913 wurde der Casseler Frauen-Ruderverein (CFRV) von Lehrerinnen und Schülerinnen des Casseler Lyzeums, der heutigen Jacob-Grimm-Schule, gegründet.

Am Sonntag, 19. Mai, feiert das „Wasserrührkränzchen“ sein 100-jähriges Bestehen. Diese überferte Bezeichnung, die bei den Frauen heute nur für ein mildes Lächeln sorgt, geht vermutlich auf die Herren der Schöpfung zurück, die Angst um ihre Vormachtstelleung in den Rudervereinen hatten.

Breitensport und Wanderrudern bilden heute den Schwerpunkt im Verein. „Die meisten Mitglieder betreiben das Rudern als Ausgleichssport“, sagt Vorsitzende Rosemarie Rohde. An Regatten, wie früher, nimmt der Verein nicht mehr teil. Das Wanderrudern hatte im CFRV von Beginn an einen großen Stellenwert und löste seit den 1970er-Jahren nach und nach das Rennrudern ab. Für Ruderin Barbara Wagner sind es die Naturerlebnisse und das Gemeinschaftsgefühl, die den Reiz der mitunter mehrtägigen Bootsfahrten auf Flüssen in ganz Deutschland ausmachen.

Auch Männer zugelassen

Etwa 80 Prozent der 114 Mitglieder sind Frauen. 1972 wurden auch Männer als „vollwertige“ Mitglieder zugelassen. Das erste eigene Bootshaus wurde 1927 neben dem Prinzessinnengarten gebaut. Wie auch alle anderen Bootshäuser an der Fulda fiel dieses dem großen Bombenangriff 1943 zum Opfer. Das Vereinsleben kam völlig zum Erliegen.

Mit dem neuen Vierer-Ruderboot auf der Fulda: Das Bild entstand 1949.

1947 pachtete der Verein das Grundstück am Auedamm 35 und nahm das aktive Rudern wieder auf. Ein neues Bootshaus wurde 1960 fertiggestellt. Das beherbergt aktuell 20 Boote - vom Einer bis zum Achter. Das 21. Boot wird während der Jubiläumsfeier am Sonntag getauft. Die Räume im Obergeschoss des Bootshauses, wie Küche, Gemeinschafts- und Fitnessraum, haben die Mitglieder vor Kurzem in Eigenregie renoviert.

Eine Besonderheit: Obwohl der Verein nicht mehr auf sportliche Höchstleistungen setzt, war der CFRV bis vor Kurzem noch sportliche Heimat des Weltmeisters im Einer-Rudern, Marcel Hacker.

Hauptrudertag im Verein ist der Mittwoch. Ab 17 Uhr können laut Rohde auch Neulinge vorbeischauen, das Rudern lernen, auffrischen oder gleich mitrudern. „Wenn sich eine Mannschaft findet, sitzen wir aber auch an anderen Tagen in den Booten“, sagt sie. Außerdem bietet der Verein dienstags von 10 bis 12 Uhr Rudern für Mitglieder der Kasseler Diakonie an. Und der Zissel gehört jedes Jahr zu den festen Terminen im Vereinsleben. (mkx)

Von Mirko Konrad

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