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Diesen Winter bleiben manche Kirchen kalt: Wie die Gemeinden in Kassel mit der Energiekrise umgehen

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Von: Katja Rudolph

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Pfarrer Frank Nolte in den Heizkissen für die Gottesdienste in der Dreifaltigkeitskirche in Süsterfeld.
Zum Gesangbuch gibt es auch ein Wärmekissen: Pfarrer Frank Nolte in den Heizkissen für die Gottesdienste in der Dreifaltigkeitskirche in Süsterfeld. © Fischer, Andreas

Die Energiekrise trifft auch die Kirchen eiskalt, und das im Wortsinn. Im Winter wird in einigen Kirchen in Kassel die Heizung aus bleiben, um Energie zu sparen.

Kassel – Die meisten Gemeinden drosseln die Temperatur während der Gottesdienste spürbar oder sie ziehen in kleinere und leichter heizbare Gemeinderäume um. Das Bistum Fulda empfiehlt für die katholischen Gemeinden, in Kirchen nur zu heizen, wenn die Temperaturen unter fünf Grad fallen – mit dem Ziel, lediglich Frost zu vermeiden. Auch die Evangelische Landeskirche ruft ihre Gemeinden auf, die Temperatur zu reduzieren, allerdings ohne konkrete Vorgaben zu machen. Bislang galt eine Empfehlung von 15 Grad bei Gottesdiensten.

Viele Kirchengemeinden statten sich deshalb jetzt mit Decken oder anderen Wärmespendern aus. So hat die evangelische Dreifaltigkeitskirche in Süsterfeld 50 kabellose Heizkissen angeschafft. Damit soll laut Pfarrer Frank Nolte die Zeit überbrückt werden, in der die Heizung in der Kirche komplett kalt bleibt. Ab Januar sollen die Gottesdienste dann ins Gemeindehaus verlegt werden.

Auch die Kirchengemeinde Mitte hat allein für die Martinskirche 100 Decken gekauft, damit die Gottesdienstbesucher nicht frieren. Dennoch werde man die Kirche heizen, sobald nötig, sagt Pfarrer Willi Temme: jedoch auf maximal 13 Grad statt der bisher üblichen 18 Grad. Ein Ausweichen auf kleinere Nebenräume sei vor allem aufgrund der Pandemie problematisch, gibt der Pfarrer zu bedenken: „Die Leute wünschen sich noch Abstand.“

In der katholischen Kirche St. Familia peile man ebenfalls 13 Grad für Gottesdienste an und werde zusätzlich Decken auslegen, sagt Pfarrer Harald Fischer. Damit überschreite man zwar die Empfehlung des Bistums deutlich. „Fünf Grad sind kälter als im Kühlschrank“, verdeutlicht Fischer. Nach den Beschränkungen der Coronazeit wolle man gerade älteren Menschen nicht erneut die Möglichkeit zur Mitfeier des Gottesdiensts nehmen, weil sie sich wegen der Kälte um ihre Gesundheit sorgen.

Andere Gemeinden haben ihre Kirchen bereits verlassen und sind in benachbarte Gemeinderäume umgezogen – so etwa die evangelische Petruskirchengemeinde. Die großen Gottesdienste an Heiligabend, Silvester und am bevorstehenden Totensonntag werden aber in der Kirche gefeiert.

Eine Kirche für den Gottesdienst aufzuheizen verursacht je nach Größe und Grundtemperatur sowie Heizungsart Kosten im unteren dreistelligen Bereich. Die Bauexperten der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck haben ausgerechnet, dass bei Kirchen mit Raumheizung jedes Grad weniger Grundtemperatur eine Einsparung von 10 bis 15 Prozent bringt. Ein Grad weniger Nutztemperatur spart ebenfalls rund 10 Prozent Heizenergie.  (Katja Rudolph)

Eine katholische Kirchengemeinde in Kassel ist Vorreiter in Sachen Energiewende - und hat diesen Winter kaum Sorgen beim Heizen.

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