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Nachhaltigkeitspreis für Mode-Label aus Kassel

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Von: Claudia Feser

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Lorena Gerber zeigt Strickwarne, die fair Peru produziert wurden.
Ein Preis für die Mode: Lorena Gerber hat für ihr Mode-Label Verdonna den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Sie verkauft fair produzierte Modeaccessoires aus Peru. © Claudia Feser

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis geht nach Kassel – und eigentlich auch nach Peru. Denn Lorena Gerber hat sich in Kassel mit dem Modelabel Verdonna selbstständig gemacht, das faire Mode aus der Wolle von peruanischen Alpakas verkauft. Und die Schals, Mützen, Hüte und Stirnbänder werden von peruanischen Frauen hergestellt.

Kassel – „Ich wollte eigentlich keine Modemarke machen“, sagt Lorena Gerber, 25, die aus Würzburg stammt und Internationales Marketing studiert hat, „aber ich möchte einen Beitrag leisten, globalen Handel gerechter zu gestalten.“ Während eines Auslandssemesters in Peru hat sie Frauen kennengelernt, die in den Anden Alpakas hüten, die Wolle ihrer Tiere spinnen und zu Kleidung verarbeiten. Ihnen will sie helfen, mehr Selbstbewusstsein zu bekommen, „wenn sie sehen, dass der reiche, globale Norden sich über ihre Produkte freut.“

Die meisten Frauen sind Hirtinnen und leben in der Region Puno am Titicaca-See, auf 3800 Meter Höhe. Gerber berichtet, dass dies eine der ärmsten Regionen Perus ist. Es gibt wenig Arbeitsplätze, sodass die Männer oft wochenlang von ihren Familien getrennt leben, weil sie in weit entfernten Minen Geld verdienen müssen. Die Frauen müssen dann den Alltag mit den Kindern und Tieren allein bewältigen. Sind die Männer wieder da, herrschen andere Regeln. „Ich möchte helfen, einen strukturellen Wandel in der Gesellschaft herbeizuführen und dass die Frauen nicht mehr unter dem Machismo leiden.“ Die Frauen werden betriebswirtschaftlich geschult.

Lorena Gerber betont, dass sie globale Partner auf Augenhöhe seien. Die Frauen bekommen für ihre Handarbeiten einen Lohn von 450 Euro pro Monat – der durchschnittliche Monatslohn liegt in Peru bei 300 Euro. Die Unternehmerin sagt: „Unsere Produkte liegen eher im Luxussegment, aber sie sind handgestrickt, und es ist garantiert, dass alles fair zugeht.“ Die Peruanerinnen scheren die Alpakas – das ist bei den Tieren alle zwei Jahre nötig –, sie waschen und kämmen die Wolle, um sie von Gräsern und Blättern zu befreien, anschließend spinnen sie die Wolle von Hand zu Knäueln. Entweder stricken sie anschließend Mützen und Stirnbänder, zuhause oder in Kollektivräumen. Oder die Wollknäuel werden als Do-it-yourself-Produkt mit Strickanleitung verkauft.

Verdonna beschäftigt zwei festangestellte Peruanerinnen – eine Textilingenieurin und einer Designerin –, die die Anleitungen entwickeln. Aktuell sei eine für ein gestricktes Top in Arbeit. Die Produkte werden in zwölf Geschäften in Deutschland verkauft, unter anderem in Hamburg, München und Kassel (bei „Elsbeth“ und „By Design“, beide Friedrich-Ebert-Straße).

Stylische Mode und Nachhaltigkeit – beides brauche ein modernes Marketing, sagt Gerber: „Es geht nicht mehr anders.“ Stylish sei auch die Preisverleihung in Düsseldorf gewesen. Nachhaltigkeit habe folglich nicht etwas mit Leitungswasser und Brot mit veganem Aufstrich zu tun, sagt die Preisträgerin. Für die junge Unternehmerin sei es „surreal“ gewesen, denn sie stand im Finale mit Ecosia aus Berlin, einer gemeinwohlorientierten Suchmaschine und deren Baumpflanzprojekt in Indien. „Dort wollte ich nach dem Studium immer arbeiten – und dann stand ich mit ihnen im Finale.“

Den Nachhaltigkeitspreis hat die Kasselerin gewonnen. In der Laudatio hieß es: „Vertrauen und faire Teilhabe – das ist gerade in dieser Zeit ein Beispiel für richtig verstandene Globalisierung zum Nutzen aller.“ (Claudia Feser)

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