Auf das DE kommt es an

Warnung vor Betrügern: Darauf sollte man beim Überweisen achten

Abkürzung fürs Land: Die ersten zwei Buchstaben weisen bei der IBAN darauf hin, in welchem Land die Bank des Zahlungsempfängers ihren Sitz hat. DE steht für Deutschland. Betrüger haben häufig Konten bei Banken in Bulgarien (BG) oder Rumänien (RO). Foto: Michaelis

Kassel. Besonders gute Möglichkeiten haben Menschen nicht, die auf Betrugsmaschen hereingefallen sind und unbewusst ins Ausland überwiesen haben. „Wenn man erst nach Bulgarien bezahlt hat, ist das Geld weg“, bringt Eva Raabe es auf den Punkt.

Die Leiterin der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Kassel spricht aus Erfahrung. Täglich kämen Menschen zu ihr und ihren Kollegen, die vorgedruckten Überweisungsträgern vertraut hätten und zu spät merkten, dass sie Betrügern aufgesessen seien. Das Geld im Ausland auf dem Rechtsweg zurückzuholen, sei sehr aufwendig und fast nie erfolgreich. Zudem gehe es meist um kleine Beträge, was offenbar zum System der Betrüger gehört. „Im Einzelfall ist es ein eher kleiner Betrug“, sagt Michael Krath, Sprecher der Kasseler Sparkasse. „Aber es ist ein Massengeschäft, was sich dann für die Kriminellen lohnt.“

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Die Kasseler Sparkasse bestätigt ebenso wie die Kasseler Bank, dass viele Kriminelle Konten im Ausland haben. Auf den Überweisungsträgern sei das an den ersten zwei Zeichen der International Bank Account Number (IBAN, übersetzt: internationale Bankkontonummer) zu erkennen. „Wir empfehlen unseren Kunden einen Blick auf das Länderkennzeichen“, sagt Krath. „Und das DE weist auf ein Konto bei einer deutschen Bank hin.“ Zwar würden die Mitarbeiter auch durch Schulungen sensibilisiert. „Aber die Verantwortung, wachsam zu sein, liegt beim Kunden“, sagt Christina Hackenberg, Sprecherin der Kasseler Bank.

„Wenn man eine Rechnung nicht zuordnen kann, sollte man nicht überweisen“, rät Verbraucherschützerin Eva Raabe. Im Zweifel sollte man lieber einmal mehr als zu wenig nachfragen.

Dass Betrüger Konten bei inländischen Kreditinstituten haben, sei nicht auszuschließen, aber eher selten, sagt Krath. Grund seien strenge gesetzliche Vorgaben, die eine enge Kooperation der Banken bei der Bekämpfung und Vermeidung von Straftaten und Geldwäsche verlangen. Jedes Jahr wendet die deutsche Kreditwirtschaft viele Millionen Euro für Sicherungssysteme auf, auch um Betrügereien möglichst früh zu erkennen.

„Das Vorgehen der Betrüger wird immer dreister“, sagt Raabe. Maschinell und im großen Stil werden fingierte Rechnungen verschickt – oft täuschend echt. Dahinter stecke „fast eine kleine Industrie“. Immer gezielter suchten sich Betrüger ältere Menschen als Opfer. Vor den Methoden warnt die Verbraucherzentrale mit einer Abzocker-Datenbank.

 

Einige Maschen der Betrüger

Registerbetrug

Ganz gezielt schreiben Betrüger Firmen an, die sich gerade im Handelsregister haben eintragen lassen. Denn der Eintrag ist mit Adresse schon nach kurzer Zeit online. Die Rechnungen der Gerichte über die Gebühren dafür kommen aber erst nach einigen Wochen. Das nutzen die Kriminellen und verschicken in der Zwischenzeit fingierte Rechnungen mit gefälschten Briefköpfen. Vor dieser Masche warnt zum Beispiel das Amtsgericht Kassel.

Porno-Rechnungen

Mit fingierten Rechnungen täuschen Kriminelle vor, dass angeblich Pornofilme aus dem Internet heruntergeladen wurden. Obwohl keine kostenpflichtigen Videos heruntergeladen wurden, kommen Betrugsopfer solchen Aufforderungen häufig nach – aus Furcht, vom Ehepartner zur Rede gestellt zu werden.

Schreiben an Tote

Über Todesanzeigen ermitteln Betrüger Adressen von gerade Verstorbenen. Gezielt wird Angehörigen dann in Briefen oder Rechnungen vorgetäuscht, dass der Tote kurz vor seinem Ableben noch Abonnements oder Verträge abgeschlossen hat.

Spendenaufruf

Mit gefälschten Briefköpfen gemeinnütziger Organisationen geben Betrüger vor, Spenden zu sammeln. Besonders zur Hochzeit kurz vor Weihnachten ist diese Masche sehr beliebt. Wenn man spenden will, sollte man sich die Kontonummer noch einmal bestätigen lassen.

Internetdienstleister

Mit einem Screenshot von der Homepage werden gezielt Rechnungen an Firmen geschickt, die scheinbar von Internetdienstleistern stammen. In der Buchhaltung soll so der Eindruck entstehen, dass die jährlichen Kosten für den Internetauftritt zu begleichen sind.

Von Claas Michaelis

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