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Gaspreise: Verbraucherschützer sehen Anspruch auf Abschlagssenkung

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Von: Bastian Ludwig

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Die Sorge vor weiter steigenden Energiekosten belastet viele. Die Verbraucherzentrale sieht einen Rechtsanspruch auf Senkung der monatlichen Abschläge.

Kassel – Die großen Versorger im Raum Kassel gehen unterschiedlich mit den von der Politik beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Preise um. Sie warnen vor zu niedrigen Abschlägen, weil sonst hohe Nachzahlungen drohten.

Für die Verbraucherzentrale ist die Sache klar: Wenn ein Versorger seine Preise sowie die Vorauszahlungen mit Blick auf die bis kürzlich geplante Gasumlage (2,4 Cent pro Kilowattstunde) erhöht hat, müsse er dies nun korrigieren. Bei der Abschlagsfestsetzung müsse auch die Steuersenkung von 19 auf 7 Prozent berücksichtigt werden, sagt Peter Lassek, Anwalt bei der Verbraucherzentrale Hessen. Er stellt klar, dass Abschlagserhöhungen ohnehin nur im Zuge von Preiserhöhung zulässig seien. Fielen einzelne Voraussetzungen dafür weg (gekippte Umlage, Steuersenkung), müssten die Preissenkungen rechtlich gesehen zügig an die Verbraucher weitergegeben und die Abschläge gesenkt werden. Dass die Beibehaltung eines höheren Abschlags angesichts steigender Preise dennoch sinnvoll sein könne, stehe auf einem anderen Blatt. Aber dies könne nur auf freiwilliger Basis erfolgen.

Kassel: Gasumlage bei Städtischen Werken noch angesetzt

Die Städtischen Werke hatten bei der jüngsten Anpassung von Abschlägen die Gasumlage noch angesetzt. Nach dem Wegfall der Umlage sollen die Preise zwar rückwirkend zum 1. Oktober um die Umlage reduziert werden, aber die zuletzt festgelegten Abschläge sollen Gültigkeit behalten, so eine Sprecherin. Es werde keine massenhaften Schreiben zur Absenkung der Abschläge geben. Kunden könnten ihre Vorauszahlungen aber individuell – auch online – selbst anpassen.

Hohe Gaspreise belasten die Haushalte: Versorger raten dazu, ihre Abschläge nicht eigenmächtig zu reduzieren.
Hohe Gaspreise belasten die Haushalte: Versorger raten dazu, ihre Abschläge nicht eigenmächtig zu reduzieren. © dpa

Die EAM erhöht ihre Gaspreise zum 1. November. Die bereits angekündigte Preiserhöhung werde automatisch um die Gasbeschaffungsumlage und die Steuersenkung reduziert, so ein Sprecher. In den neuen Abschlagsplänen, die verschickt würden, sei beides bereits berücksichtigt.

Kassel: Kunden können Abschläge selbst anpassen - Preise bei Eon wie vor der Gasumlage

Die Eon hat zum 1. November ebenfalls eine Erhöhung angekündigt. Mit dem Wegfall der Umlage gelte diese nicht mehr, sondern die alten Preise, so ein Sprecher. Kunden könnten ihre Abschläge selbst anpassen, sollten aber steigende Gaspreise berücksichtigen.

In der unübersichtlichen Lage, welche Gaspreise nun gelten und welche Abschlagszahlungen gerechtfertigt sind, könne der Online-Abschlagsrechner der Verbraucherzentrale helfen, sagt Anwalt Peter Lassek. Mit diesem könnten Verbraucher auch die Folgen der abgeschafften Gasumlage und die gesenkte Mehrwertsteuer für ihre Gaskosten berechnen. Unter: verbraucherzentrale-hessen.de ist der Rechner zu finden.

Hohe Gaspreise belasten die Haushalte: Versorger raten dazu, ihre Abschläge nicht eigenmächtig zu reduzieren.
Hohe Gaspreise belasten die Haushalte: Versorger raten dazu, ihre Abschläge nicht eigenmächtig zu reduzieren. © IMAGO/Christian Ohde

Kassel: So gehen die Energieversorger mit den Abschlägen um

Die Verbraucherzentrale Hessen sieht die Versorger in der Pflicht, die von ihnen geforderten Gas-Abschläge auf Wunsch der Kunden zu senken. Anlass dafür seien die gestoppte Gasbeschaffungsumlage und die reduzierte Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme, die bis März 2024 gilt. Allerdings warnen die Versorger ihre Kunden vor hohen Nachzahlungen, wenn Vorauszahlungen zu niedrig seien.

Die großen Versorger im Raum Kassel, zu denen Städtische Werke, EAM und Eon zählen, äußern sich zu ihrem Umgang mit der Situation.

Kassel: Städtische Werke will Abschläge trotz Wegfall der Gasumlage beibehalten

Der Versorger hat rückwirkend zum 1. Oktober seinen Grundversorger-Gastarif um die gekippte Gasumlage reduziert. Die Abschläge will er aber in der bereits mitgeteilten Höhe beibehalten. Es erfolge keine breit angelegte Reduzierung der Abschläge, so eine Sprecherin.

Um Porto und Papier zu sparen, sollen keine individuellen Kundenschreiben verschickt werden. Die Mehrheit der Kunden habe die Abschlagszahlungen im eigenen Interesse akzeptiert, etliche wollten ihre Abschläge freiwillig erhöhen. Zwar sei die Gasbeschaffungsumlage weggefallen, aber die Gasspeicherumlage bleibe erhalten. Insofern gebe es – neben den gestiegenen Beschaffungskosten – weitere Preisbestandteile, die für höhere Preise sorgten. Letztlich gehe es bei Abschlagserhöhungen darum, die Kunden bei der Jahresendrechnung nicht mit einer möglichen hohen Nachzahlung zu überfordern.

Bei Verträgen mit Preisgarantien würden diese bis zum Ende der Laufzeit erfüllt. Allerdings gelte die Garantie nur für den Arbeitspreis. Die neu hinzugekommenen Umlagen und Entgelte seien davon ausgenommen. Dies führe auch bei solchen Verträgen zu höheren Abschlägen.

Kassel: Energieversorger EAM erhöht Gaspreise zum 1. November noch weiter

Wegen der gestiegenen Beschaffungskosten für Energie sei die EAM – trotz Wegfall der Gasumlage – gezwungen, die Gaspreise zum 1. November zu erhöhen, so ein Sprecher. Alle Kunden seien schon darüber informiert. „Die in unseren Schreiben übermittelten Preise werden wir automatisch um die Gasbeschaffungsumlage reduzieren. Unsere Kunden müssen dafür nichts tun. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer werden wir automatisch weitergeben“, so der Sprecher. Da die EAM die Gasumlage erst zum 1. November weitergeben wollte, habe noch kein Kunden diese zahlen müssen.

In der Vergangenheit habe die EAM bei Preiserhöhungen keine Abschläge angepasst. Aufgrund der Kostenbelastung sei dies nun aber nötig, auch um Kunden vor hohen Nachzahlungen zu schützen. Bei der Abschlagshöhe seien bereits der Entfall der Gasbeschaffungsumlage und die gesunkene Mehrwertsteuer berücksichtigt. Bei Verträgen mit Preisgarantie blieben die garantierten Preisbestandteile bis zum Ende der Laufzeit unverändert. Diese Kunden profitierten aber ebenfalls von der Steuersenkung.

Kassel: Eon zieht Preiserhöhung zurück - Preise werden trotz Wegfall der Gasumlage weiter steigen

Nach der abgesagten Gasumlage hat die Eon ihre angekündigte Preiserhöhung zum 1. November zurückgezogen. Die alten Preise bleiben bestehen. Die Kunden müssten dafür nicht aktiv werden, so ein Sprecher. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer werde weitergegeben. Falls Kunden ihre Abschläge wegen der Gasumlage bereits selbstständig erhöht hätten oder ihr Abschlag nach Erhalt der Jahresrechnung inklusive der Gasbeschaffungsumlage neu berechnet wurde, könnten diese den Abschlag erneut anpassen. Dies sei aber nur in Ausnahmen sinnvoll.

Der Wegfall der Umlage dürfe nicht über weiter steigende Gaspreise hinwegtäuschen. Grundsätzlich rate man den Kunden, sich an die zugesandten Abschlagspläne zu halten, um hohe Nachzahlungen zu vermeiden. Verträge mit Preisgarantien behielten ihre Gültigkeit bis zum Laufzeitende. (Bastian Ludwig)

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