Haus & Grund rät zur Vorsicht bei zweifelhaften Geschäften

Hausverkauf mit Wohnrecht: Verband warnt vor unseriösen Angeboten an ältere Bewohner

Verlockende Angebote: Haus & Grund warnt ältere Immobilieneigentümer vor möglicherweise zweifelhaften Geschäftemachern.
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Verlockende Angebote: Haus & Grund warnt ältere Immobilieneigentümer vor möglicherweise zweifelhaften Geschäftemachern.

Kassel – Trotz Coronakrise ist die Nachfrage nach Immobilien in Kassel ungebrochen. Die Preise waren zuletzt weiter gestiegen. Um insbesondere ältere Bewohner zum Verkauf ihres Hauses zu bewegen, werden potenzielle Interessenten offenbar immer erfinderischer. Die Interessenvertretung der Hauseigentümer Haus & Grund in Kassel aber warnt vor möglicherweise unseriösen Angeboten von Privatpersonen, die den Bewohnern eine sofortige Bezahlung und ein lebenslanges Wohnrecht versprechen. Wir haben im Gespräch mit Rechtsanwalt Wolfram Kieselbach, Geschäftsführer von Haus & Grund Kassel, die wichtigsten Fragen zu solchen Angeboten geklärt.

Um was geht es bei solchen Angeboten?

In Inseraten machen Privatpersonen Immobilieneigentümern Offerten. Sie bieten an, das jeweilige Haus zu kaufen und den betagten Bewohnern ein lebenslanges Wohnrecht zu garantieren – notariell beglaubigt. Teilweise wird auch die Übernahme von Instandhaltungs- und Gartenarbeiten zugesichert.

An wen richten sich solche Angebote?

In der Regel werden Rentner angesprochen. Denn insbesondere wer kinderlos ist oder auch keine anderen Erben bedenken möchte, hat unter Umständen ein Interesse, das eigene Haus noch zu Lebzeiten zu verkaufen, um sich mit dem Erlös einen schönen Lebensabend zu gestalten.

Experte von Haus & Grund: Wolfram Kieselbach

Das klingt doch nach einem Geschäft, von dem beide Seiten etwas haben. Wo ist das Problem?

Wolfram Kieselbach von Haus & Grund rät zu besonderer Vorsicht, insbesondere wenn Privatpersonen hinter solchen Angeboten stecken. „Was passiert beispielsweise, wenn diese Person in Insolvenz geht“, fragt er. In dem Falle sei fraglich, wie geschützt das Wohnrecht des ehemaligen Eigentümers sei. Da müsse man bei den Eintragungen im Grundbuch genau aufpassen. Zudem sei in so einem Fall unklar, ob die vereinbarten Leistungen weiter erbracht würden. „Es könnte etwa sein, dass Instandhaltungs- und Gartenarbeiten nicht mehr erledigt würden. So etwas ist ganz schwer einzufordern. Da sehe ich ein erhebliches Risiko“, sagt Kieselbach. Wenn ein Hauseigentümer ein solches Modell erwäge, rät Kieselbach zu verlässlicheren Institutionen, die hinter solchen Geschäften stehen.

Welche Alternativen gibt es denn?

Auch Versicherungen und Banken bieten Modelle an, bei denen Hauseigentümer ihre Immobilie zu Lebzeiten zu Geld machen, aber dennoch weiter darin wohnen können, erläutert Kieselbach. Wobei zwei Modelle zu unterscheiden sind: Umkehrhypothek und Leibrente.

Worin unterscheiden sich die Varianten?

Bei der Umkehrhypothek handelt es sich um einen Kreditvertrag, bei dessen Unterzeichnung es nicht zum Eigentümerwechsel kommt. In der Regel trägt der bisherige Eigentümer weiter die Kosten für Sanierungen. Die Immobilie dient dem Kreditgeber als Sicherheit, die meist über eine Grundschuld im Grundbuch eingetragen wird. Nach Vertragsabschluss erhält der Eigentümer – je nach Vereinbarung – eine Einmalzahlung oder eine monatliche Rente. Nach dem Tod des Eigentümers wird das Darlehen entweder durch Verkauf der Immobilie getilgt oder aber das Haus geht in den Besitz des Darlehengebers über. Bei der Leibrente geht die Immobilie schon zu Lebzeiten auf den Vertragspartner über. Der Verkäufer erhält im Gegenzug eine monatliche Zahlung sowie ein Wohnrecht, das im Grundbuch vermerkt wird. „Das ist im Prinzip eine Wette auf den Tod“, sagt Kieselbach. (Bastian Ludwig)

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