Mieterbund warnt vor Wohnungsnot und steigenden Mieten

Kassel. Der Mieterbund Nordhessen warnt vor steigenden Mieten und einem Ausverkauf bezahlbarer Wohnungen. Bei der Jahreshauptversammlung im Scheidemann-Haus kritisierte der Verein erneut die Pläne der Landesregierung, die landeseigene Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte zu verkaufen.

Zur Heimstätte gehört auch die „Wohnstadt“ in Kassel mit rund 5200 Wohnungen. Der Mieterbund hat eine Unterschriftenaktion gegen die Verkaufspläne gestartet. 200 Unterstützer hatten sich laut Geschäftsführer Ingo Groß bis zur Jahreshauptversammlung bereits eingetragen. „Wir hoffen, die Verkaufspläne stoppen zu können“, sagte Dr. Willi Hilfer, Vorsitzender des Mieterbunds, vor 250 Zuhörern. Wohnungsbaugenossenschaften und staatliche Gesellschaften seien als „Regulativ“ gegen steigende Mieten und Wohnungsknappheit nötig.

In Kassel seien die Mieten 2011 um 10 Prozent gestiegen, kleinere Wohnungen seien Mangelware. Oberbürgermeister Bertram Hilgen bestätigte, dass in Kassel Wohnungen teurer werden. Man arbeite mit Hochdruck daran, das Angebot zu erhöhen.

Dr. Willi Hilfer

Schützenhilfe erhielt der Mieterbund von Gastredner Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD-Chef in Hessen. Er plädierte für mehr sozialen Wohnungsbau, vor allem in Ballungsräumen. Dort könnten sich viele Rentner und Geringverdiener keine Wohnung mehr leisten. Eine moderne Wohnungspolitik könne den Preisauftrieb bremsen. Der angekündigte Rückzug des Landes Hessen habe negative sozialpolitische Auswirkungen. Die SPD setze sich für Wohnraumversorgungskonzepte und eine staatliche Förderpolitik ein, sagte Schäfer-Gümbel.

Wie der hessische SPD-Chef wandte sich Hilfer auch gegen die geplanten Mietrechtsänderungen und die Verteilung der finanziellen Lasten bei der energetischen Sanierung von Wohnungen. Diese Kosten dürften nicht allein auf die Mieter abgewälzt werden. Sie müssten von Vermietern, Mietern und dem Staat zu gleichen Teilen getragen werden. „Die Wohnung darf nicht den Löwenanteil des Einkommens verschlingen“, sagte Hilfer.

Der Mieterbund-Vorsitzende, der 17.400 Mitglieder vertritt, zog eine positive Bilanz für 2011. Die Mitgliederzahl sei um 1,7 Prozent gestiegen, das Durchschnittsalter sei von 54 auf 52 Jahre gesunken. „Wir bemühen uns intensiv um die Kasseler Studenten“, sagte Hilfer. Die Zahl der Rechtsberatungen - 12 700 - habe sich auf hohem Niveau eingependelt. Dabei werde immer öfter das Internet genutzt, berichtete Hilfer. (pdi)

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