WINTEREINBRUCH: Der Stillstand dauert an

Schneemassen in Kassel: Warum die ersten Trams erst Ende der Woche wieder fahren

Denis Barwich (links) und Detlef Bauer von der Firma Rohde  sind am 10.2.2021 am Bahnhof Wilhelmshöhe damit beschäftigt, im Auftrag der KVG die Gleise freizulegen.
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Räumen, räumen, räumen: Denis Barwich (links) und Detlef Bauer von der Firma Rohde waren gestern am Bahnhof Wilhelmshöhe damit beschäftigt, im Auftrag der KVG die Gleise freizulegen.

Die Schneemassen türmen sich nach wie vor in der Stadt. Auch mehrere Tage nach dem massiven Wintereinbruch geht fast gar nichts in Sachen öffentlicher Nahverkehr und Müllabfuhr. Wir haben nachgefragt, woran es liegt.

Kassel – Wer am Mittwochnachmittag eine Tram zwischen Wilhelmshöhe und der Innenstadt erspäht hat, sollte sich nicht zu früh freuen. Auch heute werden die Busse und Bahnen der KVG aufgrund von Schnee und Eis still stehen. Gestern wagte die Kasseler Verkehrsgesellschaft jedoch eine erste Testfahrt mit einer alten Hochflurbahn. Frühestens am Freitag werden wieder Trams verkehren, wie KVG-Sprecherin Heidi Hamdad klar stellte: voraussichtlich auf der Strecke Betriebshof/Bahnhof Wilhelmshöhe – Friedrich-Ebert-Straße – Ständeplatz – Lutherplatz – Holländische Straße .

Nach wie vor ist die KVG mit Unterstützung von fünf Baufirmen damit beschäftigt, den Schnee von Gleisen und Haltestellen zu räumen und abzutransportieren. Acht Radlader, drei Bagger und zwölf Lkw sind im Einsatz. Probleme bereiten vor allem die Rillengleise, die etwa die Hälfte des knapp 100 Kilometer langen KVG-Schienennetzes ausmachen. In den Spurrillen der Schienen hat sich der Schnee festgesetzt und verhärtet. Bei den arktischen Temperaturen hätten sich regelrechte „Eispanzer“ gebildet, berichtet Hamdad. Mit spitzen Werkzeugen müssten die Gleise in Handarbeit befreit werden – das dauert.

Auch die über 70 Weichen im Streckennetz waren zwischenzeitlich verstopft. Die sind zwar mit einer elektrischen Heizung ausgestattet, doch auch die hatte angesichts der Schneemassen kapituliert. Inzwischen funktionieren die Weichen wieder.

Nach wie vor schwierig ist laut KVG aber die Situation an vielen der 400 Haltestellen. Sie seien für die Fahrgäste wegen Glätte und Schnee nicht sicher benutzbar. Auch an den Linienverkehr der Busse sei noch nicht zu denken, da auf Nebenstrecken häufig nur eine Fahrspur freigeräumt sei und sich am Rand die Schneemassen türmten und Autos parkten. So könnten Busse bei Gegenverkehr nicht ausweichen.

Der Verkehrsverbund NVV hingegen hatte gestern wieder mehrere Buslinien, die durch Kassel fahren, in Betrieb. Der Vorteil sei, dass man aus dem Umland kommend nur auf großen Einfallstraßen unterwegs sei, so eine NVV-Sprecherin. Diese seien bereits befahrbar.

Der Verkehrsclub VCD in Kassel kritisiert, dass die KVG beim anhaltenden Schneefall in der Nacht zu Montag nicht frühzeitig genug Schneepflüge auf ihren Gleisanlagen eingesetzt habe. „Damit hätten die Schneehöhe auf den Gleisen deutlich verringert und die Rillenschienen anschließend mit Straßenbahnen von dem noch pulvrigen Schnee freigefahren werden können“, sagt Rolf Meischke vom VCD-Kreisverband Kassel.

Man habe den Eindruck, dass die KVG trotz einer ähnlichen Situation im Jahr 2013 für einen massiven Wintereinbruch „immer noch kein geeignetes Konzept“ habe, so Meischke. Völlig unverständlich sei für den VCD, warum die KVG keinen Busnotverkehr – zumindest auf den Hauptstraßen – anbiete.

Die KVG setzt für die Wiederaufnahme des Betriebs aber nicht auf Busse, sondern auf Trams, betont Sprecherin Heidi Hamdad. Denn in Bussen gebe es deutlich weniger Plätze als in Trams. Nach einer aktuellen Prioritätenliste sollen zunächst im Innenstadtbereich die Tramstrecken freigelegt werden. Die Wilhelmshöher Allee, auf der stark frequentierte Linie 1 verkehrt, ist dabei eine besondere Herausforderung; Wegen des Rasengleises mit integriertem Bewässerungssystem kann dort der Schnee nicht ohne Weiteres geräumt werden. Daher werden die ersten Trams ab Freitag auch über die Friedrich-Ebert-Straße fahren.

Im nächsten Schritt soll der Regiotram-Verkehr zwischen Hauptbahnhof und Betriebshof Sandershausen wieder aufgenommen werden. Danach könnte die Tramstrecke Frankfurter Straße Richtung Mattenberg reaktiviert werden.

Fest steht: Bis alle Busse und Bahnen wieder fahren, wird es noch dauern. (Von Katja Rudolph)

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