In Stadt und Kreis Kassel wird nur eine Bescheinigung ausgestellt – einige Geimpfte ärgert dies

Corona: Warum gibt es in Stadt und Kreis Kassel keine Eintragung im Impfausweis?

Hat kein Verständnis für die Regelung: Waltraud Anders hätte ihre Corona-Impfung gerne im Impfausweis eingetragen bekommen. Dies wurde aber abgelehnt.
+
Hat kein Verständnis für die Regelung: Waltraud Anders hätte ihre Corona-Impfung gerne im Impfausweis eingetragen bekommen. Dies wurde aber abgelehnt.

Waltraud Anders aus Kassel ist froh, gegen Corona geimpft zu sein. Doch die Rentnerin hat kein Verständnis dafür, dass ihr dafür im Kasseler Impfzentrum ein Eintrag in ihrem Impfausweis verweigert wurde.

Kassel - „Dafür ist der Impfausweis doch da. Noch dazu ist er international anerkannt“, sagt sie. Als Ersatz bekam sie – wie alle Geimpften – lediglich eine Impfbescheinigung. Auch im Landkreis Kassel werden Corona-Impfungen nicht im gelben Ausweis dokumentiert. Aber warum? Zumal andere Städte und Kreise – beispielsweise der Schwalm-Eder-Kreis – die Eintragung vornehmen.

Als Waltraud Anders sich im Kasseler Impfzentrum nach dem Vorgehen erkundigte, bekam sie mitgeteilt, dass sie sich die Impfung von ihrem Hausarzt in den Impfausweis übertragen lassen könne. „Aber das ist doch ein völlig unnötiger Aufwand, für den die Ärzte zudem Geld aus dem Topf Krankenversichertenbeiträgen erhalten“, findet die Rentnerin. Als ihr Mann Albert bei seinem Hausarzt nachfragte, bekam er die Auskunft, dass dieser den Übertrag auch gar nicht vornehmen wolle. „Da spielen auch haftungsrechtliche Fragen eine Rolle“, sagt Waltraud Anders.

Nach dem aktuellen Infektionsschutzgesetz ist es zumindest grundsätzlich erlaubt, dass ein Arzt oder das Gesundheitsamt bei Vorliegen einer Impfbescheinigung deren Inhalte in einen Ausweis übertragen. Nur fehlt dafür vielerorts die Bereitschaft.

Stadt und Kreis Kassel verweisen bei ihrer Entscheidung auf verfahrenstechnische Gründe.

Im Impfzentrum der Stadt Kassel werde die Impfung mit einem Laufzettelverfahren dokumentiert und gescannt, so ein Sprecher. Teil dieses Verfahrens sei die Impfbescheinigung. Bei dieser handele es sich um ein „vollwertiges Ersatzdokument“ für den Nachweis der Impfung. Dieses sei auch bei Auslandsreisen und Grenzkontrollen völlig ausreichend, da es sich um ein internationales Dokument handele. Ein Nachtrag im Impfausweis sei nicht nötig.

Und beim Kreis heißt es: „Wir nutzen lediglich das bundeseinheitliche Ersatzformular, da wir alle Daten am Counter einlesen müssen. Ein Impfpass im üblichen Sinne kann technisch mit unseren Geräten nicht erfasst werden“, so ein Sprecher. Hinzu komme, dass nicht jeder Impfwillige über einen Impfausweis verfüge und manche Ausweise auch keinen Platz für weitere Einträge aufwiesen, beziehungsweise in einem schlechten Zustand seien. Zudem sei zu erwarten, dass in absehbarer Zeit eine digitale Version des Impfnachweises europaweit etabliert werde. „Aufgrund dieser zahlreichen Umstände haben wir uns, im Sinne der vereinfachten Dokumentation für diesen Weg entschieden“, so der Sprecher weiter.

Für den Schwalm-Eder-Kreis bestätigt ein Sprecher, dass die Impfung im Impfzentrum in Fritzlar im Ausweis vermerkt werde. Nur wenn dieser nicht vorhanden sei, gebe es eine entsprechende Bescheinigung.

Auf der Internetseite des Landes Hessen heißt es zu dem Sachverhalt wörtlich: „Die Impfung wird in Ihren Impfpass eingetragen, unter anderem wird dort der Impfstoff mit Chargennummer vermerkt. Sollten Sie keinen Impfpass besitzen, erhalten Sie eine Ersatzbescheinigung.“ (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.