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Schülerzahlen sinken: Das wird aus den Förderschulen in Kassel

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Von: Christina Hein

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Bleibt als Lernhilfeschule erhalten: Die Pestalozzischule an der Mattenbergstraße 24 in Kassel-Oberzwehren ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen.
Bleibt als Lernhilfeschule erhalten: Die Pestalozzischule an der Mattenbergstraße 24 in Kassel-Oberzwehren ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. © Archivfoto: Dieter Schachtschneider/nh

Als Folge der inklusiven Bildung benötigt die Stadt Kassel als Schulträger immer weniger Förderschulen. Sie prüft andere Nutzungen für die Gebäude.

Immer weniger Kinder in Kassel besuchen Förderschulen der Stadt. Waren es im Jahr 2010 noch 1057 Schüler auf sieben städtischen Förderschulen, so sind es in diesem Schuljahr 735 auf sechs Schulen. Für das Schuljahr 2020/21 prognostiziert das Rathaus 607 Schüler. Die Konsequenz: Die Stadt Kassel benötigt immer weniger Förderschulen, also Schulen für Kinder mit Beeinträchtigungen.

Der Anteil einstiger Förderschüler, die eine reguläre Schule besuchen, wächst, seit sich Deutschland vor acht Jahren mit Einführung der Inklusion verpflichtet hat, Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam zu unterrichten. Vor allem im Bereich der Lernhilfeschulen schwinden seitdem die Schüler. Auch Gabriele Steinbach, Leiterin des Amts für Schule und Bildung, führt die abnehmenden Zahlen auf eine gut umgesetzte Inklusion in den Regelschulen zurück: „Der Erfolg, den wir als Modellregion inklusive Bildung haben, schlägt sich in der Entwicklung vor allem der Lernhilfeschulen nieder.“

2010 gab es in der Stadt noch vier Lernhilfeschulen: die Astrid-Lindgren-Schule in Wehlheiden, Pestalozzischule in Oberzwehren, Mönchebergschule in Wesertor und die Osterholzschule in Bettenhausen. Im Schuljahr 2020/21 wird davon allein die Pestalozzischule übrig bleiben. Sie soll dann am Standort Mattenbergstraße die Kinder der Osterholzschule aufnehmen.

Weil in Kassel immer weniger Förderschulen benötigt werden, sollen einige Schulgebäude künftig – wenn nicht bereits geschehen – eine neue Bestimmung bekommen. Es beginnt ein großes Stühlerücken in Kassels Schullandschaft. Eine Übersicht: 

Mönchebergschule

An der Mönchebergschule verlässt die letzte Klasse mit Lernhilfeschülern im nächsten Jahr das Schulgebäude. Die Schule an der Mönchebergstraße wird weiterhin als „Schule für Kranke“ Kinder und Jugendliche im Klinikum beschulen. Dieser Unterricht findet zum großen Teil im Krankenhaus und nicht im Schulgebäude statt.

Zurzeit werde geprüft, ob frei gewordene Klassenräume in der Mönchebergschule als Ausweichquartier für Schüler dienen sollen, deren Schulen generalsaniert werden, sagt die Leiterin des städtischen Amts für Schule und Bildung, Gabriele Steinbach. Davon werde es demnächst einige geben. Steinbach: „So gesehen ist die Raumsituation für uns ein Glücksfall.“

Komme grünes Licht, dürften aller Voraussicht nach im nächsten Jahr Schüler der beruflichen Paul-Julius-von-Reuter-Schule den Anfang machen. Gebäudeteile der Schule an der Schillerstraße sind zurzeit wegen Einsturzgefahr gesperrt (HNA berichtete). Sogar die Möglichkeit eines Abrisses wird vom Amt für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung untersucht. Ein Ausweichquartier für Reuter-Schüler und Schüler der Martin-Luther-King-Schule, die ebenfalls im Gebäude unterrichtet werden, bleibt unumgänglich.

Osterholzschule

Eine Zeit lang war die Osterholzschule (ehemals Agathofschule) im Gespräch als die im Stadtgebiet verbleibende Schule für Lernhilfeschüler. Jetzt habe man umdisponiert und konzentriere sich auf die Pestalozzisschule. Der Grund: Wegen eines verstärkten Familienzuzugs im Kasseler Osten steigt in Bettenhausen der Bedarf an Grundschulplätzen. „Da brauchen wir Kapazitäten“, so Gabriele Steinbach.

Die Grundschule Losseschule, die sich auf demselben Gelände an der Osterholzstraße befindet, wird im nächsten Schuljahr um eine Klasse auf Dreizügigkeit aufgestockt. Platz soll die Grundschule in den Räumen der Osterholzschule finden.

Die Osterholzschule soll im Schuljahr 2020/21 mit der Pestalozzischule zusammengeführt werden.
Die Osterholzschule soll im Schuljahr 2020/21 mit der Pestalozzischule zusammengeführt werden. © Archivfoto: Lothar Koch/nh

Astrid-Lindgren-Schule

Im aktuellen Schulentwicklungsplan steht: „Aufgrund der stark rückläufigen Zahlen im Bereich der Lernhilfe und im Rahmen der Modellregion inklusive Bildung in Kassel ist die Astrid-Lindgren-Schule als stationäres System zum Ende des Schuljahrs 2016/17 ausgelaufen.“ Heute ist die Schule in Wehlheiden Standort des Regionalen Beratungs- und Förderzentrums (BFZ). Es berät im Rahmen der Inklusion

Schüler, Eltern und Lehrkräfte. BFZ-Ziel ist die erfolgreiche Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit besondern pädagogischen Bedürfnissen.

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Pestalozzischule

Die Pestalozzischule in Oberzwehren wird als einzige Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen erhalten bleiben. Im Schuljahr 2016/17 besuchten 90 Schüler, überwiegend aus Kassel die Schule. Schüler aus dem Landkreis werden nicht mehr aufgenommen. Im Schuljahr 20/21 wird die Lernhilfeschule Osterholzschule mit der Pestalozzischule am Standort Mattenbergstraße zusammengeführt.

Wilhelm-Lückert-Schule

Erhalten bleiben in Kassel (auch für Kinder aus dem Landkreis) die Förderschulen Alexander-Schmorell-Schule (Schwerpunkt körperlich-motorische Beeinträchtigungen) sowie die August-Fricke-Schule (Bereich geistige Entwicklung). Beide Schulen verzeichnen stabile beziehungsweise steigende Schülerzahlen. Dagegen nimmt die Schülerzahl der Wilhelm-Lückert-Schule mit ihrem Schwerpunkt im Bereich Sprachheilförderung, Hören und Sehen ab.

Entsprechend der Neufassung der Vereinbarung mit dem Landkreis Kassel nimmt die Lückert-Schule künftig keine Schüler aus dem Landkreis mit Sprachheil-Bedarf mehr auf. „Wir rechnen damit, dass die Lückert-Schule kleiner wird“, sagt Gabriele Steinbach.

Gleichzeitig solle der Standort als künftig zweizügige Grundschule aufgebaut werden, um die Schulen der umliegenden Grundschul-Bezirke – Königstorschule, Hupfeldschule, Herkulesschule, Wöhler-Schule und Auefeldschule – gleichmäßig entlasten zu können. Ob und wie Grundschulbezirke dafür neu zugeschnitten werden, entscheide sich erst im kommenden Jahr, so Gabriele Steinbach.

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