Hochzeitplanerin über die Party vor der Hochzeit

Warum der Junggesellenabschied mittlerweile ein Pflichtevent ist

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Stilecht mit Einhornverkleidung und bedruckten T-Shirts: Unser Bild zeigt (von links) Matthias Künkel, Kevin Reinsdorf, Benny Koob, Bräutigam Kevin Kaufmann, Jens Alberding, Alexander und Sascha Ahlborn beim Junggesellenabschied in der Kasseler Innenstadt.

Mit der Hochzeitssaison beginnt auch die Zahl der Junggesellenabschiede anzusteigen. Eine Hochzeitsplanerin erklärt, warum der Junggesellenabschied mittlerweile ein Event ist. 

Vor allem an Wochenenden bevölkern unterschiedlichste Gruppen die Innenstadt. Hochzeitsplanerin Sabine Blaschek erklärt, warum der Junggesellenabschied mittlerweile zum Pflichtevent geworden ist.

Wie haben Sie Ihren eigenen Junggesellenabschied gefeiert?

Mein Junggesellenabschied war noch ein richtiger Klassiker. Er ist jetzt aber auch schon fast 20 Jahre her, das muss man dazu sagen. Wir haben uns mit Freundinnen getroffen und waren zuerst essen. Die Mädels hatten ein Sparschwein mitgebracht, in das jeder Geld gesteckt hatte – davon wurde der Abend finanziert. Ich musste dann die Kasse aufbessern, indem ich verschiedene Dinge verkaufe. Von dem Geld wurden dann Essen und Getränke, Eintritte in Clubs und das Taxi nach Hause bezahlt. Sogar für das Frühstück am nächsten Morgen war noch was über.

Waren Sie dann auch entsprechend gekleidet, um als Braut erkannt zu werden?

Nein dass man ein peinliches Outfit anziehen musste, das gab es zwar schon, aber meist stand die Finanzierung des Abends im Fokus.

Ist das heute anders?

Man sieht oft, dass die Verkäufe aus dem Bauchladen direkt abgewimmelt werden. Oder die Teilnehmer sich blöde Sprüche anhören müssen, was das denn soll, einfach irgendwelche Sachen zu verkaufen.

Stirbt der Klassiker also aus?

Auf jeden Fall werden diese klassischen Junggesellenabschiede immer weniger, obwohl die Zahl insgesamt steigt. Der Junggesellenabschied hat einen hohen Stellenwert und soll etwas besonderes sein. Der Klassiker mit dem Bauchladen, das ist heute vielfach zu einfach. Wenn man diese Gruppen sieht, dann sind die Teilnehmer meist noch jung und wollen richtig feiern. Wer um die 30 und älter ist, der hat auf solche Party-Aktionen weniger Lust.

Worauf liegt der Fokus?

Es wird überlegt, wo man hinfahren kann, was man sich anschauen kann und was angezogen wird. Oft werden extra T-Shirts gedruckt oder alle tragen dasselbe Outfit. Die Veranstaltungen sind größer geworden, es wird mehr Geld investiert und ausgesuchter gefeiert.

Gibt es da einen Unterschied zwischen Frauen und Männern?

Auf jeden Fall. Männer wollen feiern, ordentlich einen draufmachen und gehen auch mal in den Stripclub. Eben vor der Hochzeit noch mal die Sau rauslassen – inklusive Kater am Tag danach. Die Mädels sind da ein bisschen zurückhaltender. Da ist es beliebter, sich irgendwo für ein Wellness-Wochenende in einem schönen Hotel einzumieten. Abends geht man dann auf jeden Fall noch feiern. Das Programm ist bei Frauen meist qualitativ hochwertiger als bei Männern.

Liegt es auch daran, dass Hochzeiten heute später stattfinden als früher und viele deshalb schon Nachwuchs haben?

Ja, das ist auch ein Grund. Wer zu Hause Familie hat, der fährt nicht mal eben ein paar Tage weiter weg. Deshalb ist in Nordhessen auch Willingen besonders beliebt. An Wochenenden ist der kleine Ort bevölkert von Junggesellenabschieden. Man hat die Hütte auf dem Ettelsberg, ein bisschen Urlaubsfeeling, und trotzdem ist die Atmosphäre anonym. Das gefällt vielen.

Gibt es andere Orte in der Region, die für Junggesellenabschiede beliebt sind?

Viele fahren nach Hannover oder nach Frankfurt, weil es dort eine viel größere Clubszene gibt als in Kassel. Aber sehr beliebt ist nach wie vor Hamburg. Noch mal über den Kiez gehen und auf der Reeperbahn noch etwas trinken gehen. Aber mittlerweile wird das dann auch meistens noch mit einem Musicalbesuch verbunden.

Und was macht man, wenn man in Kassel bleiben will?

Erster Anlaufpunkt sind die Clubs und Kneipen auf der Friedrich-Ebert-Straße. Aber in Kassel ist es so, dass vor allem die Stadtfeste für Junggesellenabschiede genutzt werden. Zum Beispiel das Altstadtfest oder der Zissel – da sieht man die Gruppen dann auch vermehrt. Der Hessentag ist auch ein beliebtes Ziel oder so etwas wie 90er-Partys oder Konzerte.

Welche Alternativen gibt es, wenn man da nicht so draufsteht?

Man kann sich zum Beispiel bei einer Floristin treffen und dort Blumenkränze binden, da gibt es spezielle Angebote. Oder man bucht eine Stylistin und macht anschließend tolle Fotos oder lässt sich dann von einer Limousine zum Essen abholen. Viele machen auch Torten- oder Cocktail-Workshops. Beliebt sind auch die Escape-Räume, wo man gemeinsam Rätsel lösen muss, um den Raum wieder zu verlassen.

Da steckt dann aber auch jede Menge Organisation hinter?

Ja, das stimmt. Es geht nicht mehr nur darum, sich einfach nur zu betrinken. Für die Trauzeugen, die oftmals den Tag organisieren, ist das jede Menge Arbeit im Vorfeld. Denn mittlerweile gibt es den Anspruch, dass auf jeden Fall etwas gemacht werden muss. Der Junggesellenabschied wird neben der Hochzeit zum zweiten Event.

Es führt also kein Weg daran vorbei?

Ja, irgendwas gibt es immer. Und wenn man nur nett Essen geht. Selten fällt ein Junggesellenabschied aus.

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