Fragen & Antworten

Warum der Kalikonzern K+S die Atommüllgrube weiter entsorgt – aber nicht vor 2018

Kassel. Wo landen künftig Salzabwässer aus der Atommüllgrube Asse nahe Remlingen bei Wolfenbüttel? Lange machten Landes- und Bundesbehörden daraus ein Geheimnis.

Jetzt ist klar: Wie bisher sorgt K+S, der Kalikonzern aus Kassel, für die Entsorgung. Fragen und Antworten:

Wieso holt sich K+S an der Asse Salzabwasser ab? Die Probleme mit flüssigen Abfällen im Kalirevier an der Werra sind doch groß genug. 

Das stimmt. In beiden Fällen geht es um die Entsorgung. Seit K+S an der Werra bei der umstrittenen Abwasserversenkung von den Behörden mengenmäßig knapp gehalten wird, fahren Tanklaster und Züge von der Werra zum niedersächsischen Bergwerk Bergmannssegen/Hugo bei Sehnde nahe Hannover. Die Flut von der Werra – bis zu 6000 Kubikmeter täglich könnten angefahren werden – soll dort die aufgegebene Grube volllaufen lassen. Knapp zwölf Kubikmeter täglich aus der Asse, fallen da kaum auf.

Aus einem Bergwerk raus, in ein anderes rein – wieso? 

In der Asse sickern Zutritte von oben unkontrollierbar in die alte Salzgrube, die in den 1960er/70ern zum Atommülllager umfunktioniert wurde. Das Wasser wird aufgefangen, oberhalb jener Etagen größtenteils, auf denen die Masse der 126 000 Strahlenmüllfässer liegt. Das Wasser muss raus, weil es die Stabilität der Grube in den Bereichen mit Kalisalz gefährdet. Schlimmstenfalls, wenn etwa Zutritte sprunghaft steigen, und ein Absaufen der Grube droht, müsste die Asse aufgegeben werden. Die Atommüll-Bergung wäre erledigt.

Was soll dann die Geheimniskrämerei? 

Was aus der Asse kommt, lässt überall Alarmsirenen schrillen. Die Öffentlichkeit, die über Ziel und Inhalt der Atommüllgrube über Jahrzehnte hinters Licht geführt wurde, ist misstrauisch. Auch in Höfer bei Celle, wo das Assewasser von 2005 bis Ende 2016 ebenfalls in ein altes K+S-Bergwerk lief, gab es Protest. „Man sucht einen Ort, den man opfert“, hieß es dort. Unterschied: In Bergmannssegen/Hugo wie in Mariaglück wird gezielt zur Grubenschließung geflutet, die Asse soll trocken und offen bleiben.

Was ist an knapp 12.000 Litern aus der Asse gefährlich? 

Nichts, beteuern die Betreiber der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die die Grube vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) übernommen hat. Mit Atommüll komme dieses Wasser nicht in Kontakt. Radioaktives Tritium, das es aus der Grubenluft aufnehme, unterschreite die Grenzwerte für Trinkwasser um das Zwanzigfache.

Wurde für das Assewasser nicht auch Einleitung in die Elbe bei Gorleben beantragt? 

Ja, genehmigt ist das aber noch nicht. Widerstand aus dem Wendland gibt es schon. Und im Landtag von Hannover hat die Elbeeinleitung auch keine Freunde. Asse, wie gesagt, ist immer heikel. Daher fährt die Entsorgung mehrgleisig. Derzeit geht das, was irgendwann nach Bergmannssegen/Hugo rollen soll, zur Verwertung an eine Firma außerhalb Niedersachsens. Auch die bleibt geheim. K+S, auch hier als Abnehmer im Gespräch, sei es nicht, hieß es in der Konzernzentrale.

Fahren nun Abwasser- Tanklaster von der Werra einen Abstecher zur Asse? 

Wer was wie abfährt, ist offen. 2017 soll der zwischen BGE und K+S geschlossene Entsorgungsvertrag sowieso nicht greifen. Wie schon in Höfer werde zunächst eine Extra-Annahmestation nur für die Asse-Abwässer gebaut, so K+S, „eingehaust und mit festen Rohrverbindungen“.

Warum kippt sich K+S eigene Entsorgungsräume mit fremden Salzabwässern zu? 

Bergmannssegen/Hugo hat geschätzt sieben Millionen Kubikmeter Platz. Viel Platz für Abwasser des Werra-Reviers. Das bisschen aus der Asse ist da egal. Gratis ist die Entsorgung natürlich nicht: Was die Asse-Betreiber für den Ausweg nach Sehnde an K+S zahlen, sei vertraulich, hieß es gestern bei der BGE. Von 2009 bis 2011, damals in Mariaglück, schlugen laut Spiegel „Gesamtkosten von fast 700 000 Euro zu Buche“.

Rubriklistenbild: © dpa

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