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Umfrage der Uni Kassel: Was auf unsere Teller kommt

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Von: Katja Rudolph

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Gesunde Ernährung für Mensch und Umwelt: Der Verzehr vorwiegend von Obstund Gemüse, aber auch Hülsenfrüchten und Nüssen ist ein Schlüssel zu einem nachhaltigeren Ernährung und Lebensmittelproduktion.
Gesunde Ernährung für Mensch und Umwelt: Der Verzehr vorwiegend von Obstund Gemüse, aber auch Hülsenfrüchten und Nüssen ist ein Schlüssel zu einem nachhaltigeren Ernährung und Lebensmittelproduktion. © Christin Klose/dpa-tmn

Wissenschaftler der Uni Kassel haben eine Umfrage zum Ernährungsverhalten und Lebensmittelabfällen gestartet. Menschen aus Nordhessen sind aufgerufen, sich zu beteiligen.

Kassel/Witzenhausen – Ahle Wurscht oder Linsensuppe? Ananas oder heimische Äpfel? Wissenschaftler der Uni Kassel wollen wissen, was in der Region auf die Teller und in die Mägen kommt – und wie stark dabei Bio-Produkte vertreten sind. Derzeit findet eine Online-Umfrage statt, an der sich Familien und Einzelpersonen aus Nordhessen beteiligen können.

Dabei interessiert die Forscherinnen und Forscher nicht nur, was die Menschen einkaufen und essen, sondern auch, wie viele Lebensmittel in den Haushalten weggeworfen werden. Die Erkenntnisse fließen in eine Forschungsstudie ein, an der Partner aus Dänemark, Italien, Polen, Deutschland und Marokko beteiligt sind. Auch in diesen Ländern werden Menschen zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt.

Ziel des Vorhabens ist es, Strategien für die Umstellung zu einer nachhaltigeren Ernährung und Lebensmittelproduktion zu entwickeln und Abfallmengen zu verringer, erklärt Sebastian Kretschmer vom Fachgebiet Ökologische Lebensmittel und Ernährungskultur am Uni-Standort Witzenhausen. Im Vergleich der international untersuchten Regionen wolle man dabei nach „gemeinsamen Stellschrauben“ suchen. Gewiss erforderten solche Strategien regionale Anpassungen, so Projektkoordinator Kretschmer. „Wir gehen aber davon aus, dass sich Muster für eine nachhaltige Transformation des Ernährungssystems finden lassen, die universell sind.“

Dass über diesen Hebel viel für die Umwelt getan werden kann, zeigen die nackten Zahlen: 40 Prozent der Landflächen weltweit werden für die Landwirtschaft genutzt, und die Lebensmittelproduktion ist für 30 Prozent der Treibhausgase sowie 70 Prozent des Frischwasserverbrauchs verantwortlich. Mit der Ernährung trage jeder und jede einzelne auch zum Gesamtsystem bei, macht Kretschmer deutlich.

Dabei mache es einen großen Unterschied, ob viele tierische oder vorwiegend pflanzliche Produkte in unseren Kühlschränken landen und ob diese aus konventioneller oder biologischer Erzeugung stammen. Auch Lebensmittelabfälle spielten dabei eine entscheidende Rolle, so der Witzenhäuser Wissenschaftler. Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, wobei den größten Anteil daran privaten Haushalte haben.

Für eine Ernährung, die für den Mensch und den Planeten gesund sei, müsse der Konsum von Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen verdoppelt werden, sagt Kretschmer. Den Verzehr von Fleisch und Zucker hingegen gelte es zu halbieren.

Er betont jedoch, dass der Online-Fragebogen nicht als Belehrung gedacht sei. „Es geht uns darum, eine realistische Momentaufnahme der Ernährungsgewohnheiten in der Region zu bekommen.“ Was den Anteil der ökologisch erzeugten Lebensmittel angehe, müsse sich die Region jedoch nicht verstecken, so der Witzenhäuser Agrarwissenschaftler. Hessen gehört mit 16 Prozent Öko-Anbaufläche zu den Spitzenreiten beim Ökolandbau in Deutschland. Bis 2025 soll die Anbaufläche auf 25 Prozent ausgeweitet werden.

Das Projekt „Ökologische Ernährungssysteme als Modelle für nachhaltige Ernährungssysteme in Europa und Nordafrika (SysOrg)“ wird vom Bund gefördert und läuft noch bis Ende 2023. An der Umfrage beteiligen kann man sich bis Ende Februar. (Katja Rudolph)

Kurzlink zur Umfrage: tinyurl.com/sysorg

Sebastian Kretschmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur
Sebastian Kretschmer vom Fachgebiet Ökologische Lebensmittelqualität und Ernährungskultur © Privat

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