Sie äußern sich entsetzt nach Tumult in Washington durch Trump-Anhänger

Das sagen Kasseler zum Sturm aufs Kapitol: „Was für eine Schande!“

Ein Trump-Anhänger im Inneren des Kongress-Sitzes, hisst eine Trump-Flagge.
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Sturm auf das Kapitol: Ein Trump-Anhänger im Inneren des Kongress-Sitzes, hisst eine Trump-Flagge.

Entsetzen und Empörung auch in Kassel nach dem Sturm auf das US-Kapitol in Washington durch aufgehetzte Trump-Anhänger.

Kassel – „Was für eine Schande!“ Eva Schulz-Jander, Kassels Ehrenbürgerin mit US-amerikanischem Pass, reagiert auf den Sturm des Kapitols in Washington durch aufgewiegelte Anhänger Donald Trumps wie viele Menschen weltweit emotional und mit Empörung.

Die vorausgegangene Präsidentschaftswahl hat sie intensiv verfolgt und in Form von Briefwahl auch daran teilgenommen. Ihre große Freude über den Wahlsieg der Demokraten weicht jetzt Entsetzen. „Da war ja überhaupt keine Polizei, die den Mob zurückgehalten hätte.“, Dabei hatten sich die gewaltbereiten Anhänger Trumps ja bereits lautstark angekündigt und auch versammelt. „Trump muss jetzt der Prozess gemacht werden wegen Aufruf zur Gewalt“, sagt Eva Schulz-Jander.

Von einer „veritablen Staatskrise in den USA“ spricht Dr. Mischa Honeck, Professor für Geschichte Großbritanniens und Nordamerikas an der Universität Kassel. Mit Entsetzen habe auch er im Fernsehen den „Putschversuch“ während der Kongresssitzung am Mittwoch verfolgt. „Ich fühle mich persönlich betroffen.“ Man habe sich in falscher Sicherheit gewogen, weil es zuletzt relativ ruhig war.

Aber man dürfe sich nicht täuschen lassen: Historisch gesehen gingen Putschversuche oft von einer kleinen radikalisierten, gewaltbereiten Gruppe aus. So was müsse ernst genommen werden, auch wenn die Anzahl der Trump-Anhänger vor Ort nicht so groß war.

Erschreckend sei das Versagen der Sicherheitsbehörden gewesen. Nahezu ungehindert und unbehelligt konnte der Mob in das Kapitol eindringen. Wenn man sich dagegen die jüngsten von Polizisten brutal niedergeschlagenen friedlichen Black-Lives-Matter-Demonstrationen vor Augen führe, werde deutlich wie rassistisch die amerikanische Gesellschaft sei. Professor Honeck befürchtet nicht nur die Verschärfung eines kulturellen Kalten Kriegs in den USA, sondern auch das Abdriften in eine Welle von politischem Terrorismus. In jedem Falle stünden die USA mit ihrem künftigen Präsidenten Joe Biden von den Demokraten an einem Scheideweg.

Es sei die Frage, ob es zu einer Restaurationsphase komme – auch einer republikanischen Partei, die sich dem Verfasssungskonsens anschließt. Eine Rückkehr zur Normalität sei aber zurzeit nur schwer vorstellbar. „Wir müssen uns vom Narrativ verabschieden, dass die USA als demokratischer, in seiner Verfassung verankerter starker Staat ein Vorbild in der Welt ist.“ Aber es gebe in der Geschichte nun mal kein Recht, von Veränderung verschont zu bleiben.

Auch die US-Amerikanerin Barbara Bahr verfolgte die verstörenden Bilder aus den USA auf dem Bildschirm, „erschrocken aber nicht verwundert“, wie sie sagt. „Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten.“ Wieso wurde das Kapitol nicht geschützt? Bei den Black-Lives-Matter-Demonstrationen war das Kapitol von der Nationalgarde umzingelt, um es zu schützen. Jetzt wurde sie erst gerufen, als es zu spät war. Dabei wusste man, dass es gefährlich werden konnte. Der Albtraum sei nicht vorbei. „Ich mache mir Sorgen, was noch bis zur Amtseinführung Joe Bidens passieren kann.“ (Christina Hein)

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