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Flic-Flac-Artisten begeistern mit Pfannen-Clownerei

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Von: Christina Hein

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 Colm O’Grady (links) und Simon Mark Llewellyn provozieren beim Festival der Artisten als Comedy-Duo Naked Lunch.
Sie tragen nur wenig Kleidung in der Manege: Colm O’Grady (links) und Simon Mark Llewellyn provozieren beim Festival der Artisten als Comedy-Duo Naked Lunch. © Andreas Fischer

Das irische Comedy-Duo Naked Lunch amüsiert und provoziert im Flic Flac-Zelt mit Bratpfannen.

Kassel – Wer denkt sich sowas nur aus? Zwei Männer mit auffälligen Bärten, ein großer und ein etwas kleinerer, stehen im Adamskostüm in der Zirkusmanege und bedecken sich selbst und gegenseitig ihre Blößen mit: Bratpfannen. Dazu gibt es wenige Worte, eine Story ohne größere Bedeutung, aber dafür eine umso beeindruckendere und sich an Intensität steigernde Choreografie. Nur so viel sei verraten: Am Ende fliegen Pfannen durch die Luft und das Comedy-Duo gerät zunehmend in die Bredouille.

Das Comedy-Duo Naked Lunch, Simon Mark Llewellyn (links) und Colm O’Grady, sorgt im Flic-Flac-Zelt für Lacher.
Das Comedy-Duo Naked Lunch, Simon Mark Llewellyn (links) und Colm O’Grady, sorgt im Flic-Flac-Zelt für Lacher. © Christina Hein

Das Publikum ist mit Blick auf die Nummer gespalten. Die meisten Zuschauer lachen sich schief, aber es gab auch verschämte Blicke und vereinzelte Buhrufe. Und der Zirkus Flic Flac ist mal wieder seiner Tradition treu geblieben, die skurrilsten Clowns und abwegigsten Comedians weit und breit im Programm zu haben.

Naked Lunch, das sind die beiden Iren Simon Mark Llewellyn aus Belfast und Colm O’Grady aus Dublin. Wer nun glaubt, hinter der Bühne zwei chaotischen Comedians zu begegnen, der wird eines Besseren belehrt. Das Duo ist nicht nur in der Manege wie ein Uhrwerk eindrucksvoll aufeinander eingespielt, es offenbart auch eine professionelle Vorbereitungsdisziplin. Selbstverständlich müssten sie – wie alle anderen Artisten auch – eisern trainieren, sagen sie. Ihr Equipment – die Bratpfannen – werde vor jeder Vorstellung inspiziert. Und zur Not – falls da mal ein Stil wackeln sollte – haben sie ein paar Ersatzpfannen im Gepäck. Pannen – außer den eingeplanten – soll es nicht geben. Simon guckt auf die Uhr. In einer halben Stunde beginnt die Show. „Okay, ein bisschen Zeit haben wir noch.“

Worin ihre Kunstfertigkeit besteht? Im Manipulieren von Gegenständen, sagt Colm. Das beherrschten sie hervorragend und begeistern weltweit nicht nur ein Millionenpublikum, sondern sind damit auch schon als Sieger bei der Fernsehshow „Supertalent“ hervorgegangen.

Ihre große Freude: Wenn das Publikum einfach nur lacht. Only laughing – und sie sind glücklich.

Beide verfolgen sie auch ihre Soloprogramme beispielsweise als Jongleur (Simon) und Kunstradfahrer (Colm). Aber als Naked Lunch sind sie zurzeit auf den Show-Bühnen heiß begehrt.

Darüber hinaus sind Colm und Simon richtig nette und unkomplizierte Jungs, die sich zwar zieren, ihr Alter zu verraten, aber mit Begeisterung von ihren Familien erzählen, die für sie das Beste auf der Welt sind.

Beide sind mit Frauen aus der Theater- und Varieté-Szene verheiratet, Colm mit einer Französin und Simon mit einer Finnin. Beide haben jeweils ein kleines Kind und leben glücklich in den Heimatländern ihrer Frauen. So sehr sie ihren Artistenberuf und die Bühne lieben – die Work-Life-Balance müsse stimmen, sagen sie. Einen Jahres-Vertrag in Las Vegas haben sie ausgeschlagen. „We don’t leave our families“, sagt Simon. Die Familie werde für den Beruf nicht über eine so lange Zeit verlassen. Er freue sich jetzt schon darauf, nach drei Wochen Flic-Flac-Engagement in Kassel, in Finnland seine Frau, sein dreieinhalb Jahre altes Kind und seinen Hund wiederzusehen. Die Familie hat Vorrang, sagt auch Colm. Die Elternzeit teilt er sich mit seiner Frau. Wenn sie ein Engagement hat, bleibt er zuhause bei der sechsjährigen Tochter.

Schöne Leben lebten sie, sagt Simon. Er selber habe seit seiner Kindheit und den Zirkus-AGs in der Schule, für die er sich begeisterte, den Wunsch gehabt, Artist zu werden. Dafür, dass ihn seine Eltern darin unterstützt haben, eine professionelle Zirkus-Schule in Belfast zu besuchen, und das zu machen, wofür er brennt, sei er ihnen zutiefst dankbar.

Colm dagegen ist ein Quereinsteiger. Er hat Krankenpfleger gelernt und auch in seinem Beruf gearbeitet, als er sich dafür entschied, als Straßenkünstler nach Spanien zu gehen. Bei einem Straßentheater-Festival lernte er schließlich die verwandte Künstlerseele Simon kennen. Kurze Zeit später war Naked Lunch geboren.

Nach den ersten Engagements war auch Colms Mutter versöhnt mit der neuen Profession ihres Sohnes: „Ich habe nicht gewusst, dass man damit auch Geld verdienen kann.“

Service: Das Festival der Artisten gastiert bis zum 8. Januar 2023 in Kassel. Tickets gibt es zum Beispiel beim HNA-Kartenservice und unter flicflac.de

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