Forscher der Uni Kassel suchen nach Motivationen zur Energieeinsparung

Kasseler Studie: Selbst Umweltbewusste achten nicht auf ihren Stromverbrauch

Energiesparende Geräte sparen langfristig Geld: Forscher der Uni Kassel wollten herausfinden, was die Menschen zum Stromsparen motiviert.
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Energiesparende Geräte sparen langfristig Geld: Forscher der Uni Kassel wollten herausfinden, was die Menschen zum Stromsparen motiviert.

Wer umweltbewusst lebt, achtet auch auf seinen Stromverbrauch. Das sollte man zumindest meinen – denn schließlich schont es die Umwelt. In einer Studie konnten aber Wirtschaftsforscherinnen und -forscher der Universität Kassel beim Stromverbrauch keinen Unterschied zwischen umweltbewussten und weniger umweltbewussten Menschen finden.

Kassel - Was hat Einfluss auf den Stromkonsum der Haushalte? Die Untersuchungen von Prof. Andreas Ziegler und Elke Groh aus dem Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung passen zur jüngsten Klimakonferenz in Glasgow. Sie wollten wissen, welche Hebel es gibt, die Treibhausgasemissionen im Bereich der Privathaushalte zu reduzieren. Mit knapp 20 Prozent mache der Stromkonsum deutscher Haushalte einen großen Anteil an deren Endenergieverbrauch aus, so Groh.

Für ihre Studie haben die Kasseler Wissenschaftler die Daten einer repräsentativen Befragung ausgewertet, die von der Universität Kassel beauftragt worden war. Das Befragungsinstitut hatte etwa 3700 Menschen in Deutschland zu deren Stromverbrauch interviewt. Auch individuelle Werte und Einstellungen der Befragten wurden erfasst. „Bislang gab es dazu nur sehr unzureichende Daten“, sagt Ziegler.

Im Ergebnis kam heraus, dass umweltbewusst denkende Menschen allein vor dem Hintergrund ihres ökologischen Bewusstseins offenbar keinen Anlass sehen, ihren Stromverbrauch zu reduzieren. Denn es ließen sich keine signifikanten Unterschiede zu den Stromabrechnungen von weniger umweltbewusst denkenden Menschen erkennen.

Dies sei möglicherweise auch damit zu erklären, dass Umweltbewusste häufiger Ökostromtarife nutzen oder eine eigene Solaranlage betreiben, so Ziegler. Dies könne manche zu der Annahme verleiten, auf den Stromverbrauch nicht sonderlich achten zu müssen. Dies sei aber ein Irrglaube.

„Die Reduktion des Stromverbrauchs ist direkter Klimaschutz“, so der Wirtschaftswissenschaftler. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Elektromobilität in Zukunft große Strommengen benötige und die Wärmeversorgung stärker elektrifiziert werde, um sich mittelfristig von Gas und Öl zu lösen, sei ein Umdenken nötig. Schließlich stoße der für die Energiewende notwendige Bau von weiteren Windrädern und zusätzlichen Stromtrassen schon jetzt oft auf Widerstände.

Wirtschaftsforscherin: Elke Groh

Seine Kollegin Groh erläutert, was dies im Umkehrschluss für die Politik bedeute: Diese müsse ihre Strategie ändern, um die Menschen zum Stromsparen zu bewegen. Anstatt nur das Umweltschutz-Argument in den Vordergrund zu stellen, solle stärker auf die Möglichkeiten der Kostenersparnis verwiesen werden. Dies verspreche mehr Erfolg.

Auch fanden die Wissenschaftler heraus, welche Gruppen bei einer Stromspar-Kampagne besonders angesprochen werden sollten.

So verbrauchen Männer, ältere Menschen sowie Personen mit geringerer Bildung und schlechterer Gesundheit deutlich mehr Strom.

Wirtschaftsforscher: Andreas Ziegler

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass generell geduldigere Menschen mehr Strom sparen – möglicherweise, weil sie eher die langfristigen finanziellen Vorteile von Investitionen in Energiesparmaßnahmen im Auge haben.

Eine praktische Empfehlung aus dem Zusammenhang zwischen Geduld und Stromkonsum könne sein, so die Forscher, Stromabrechnungen nicht nur einmal jährlich zu versenden. So sei für viele schneller zu erkennen, dass Stromsparen zu niedrigeren Kosten führe. (Bastian Ludwig)

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