Prozess in Kassel

Was war denn da los? - Hacken-Attacke unter Hobbygärtnern

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Ein Kleingärtner hat den Hintern eines anderen Kleingärtners mit einer dreizackigen Hacke attackiert (Symbolbild).

Wasser ist ein wertvolles Gut. Das gilt für alle, insbesondere aber für Kleingärtner. Die wässern mit dem kostbaren Nass ihre Parzellen, auf dass die Radieschen reifen und die Rosen blühen.

Zuweilen entbrennt ums Gießen ein heißer Streit, der kaum zu löschen ist. Zu besichtigen waren derlei Zwistigkeiten jetzt vor dem Kasseler Amtsgericht als Endpunkt eines Streits, der lange schwelte und im August vorigen Jahres in der Kleingartenkolonie Nordshausen seinen Höhepunkt fand. Ein Kleingärtner hatte den Hintern eines anderen Kleingärtners mit einer dreizackigen Hacke attackiert. Zurück blieb eine Schürfwunde am Allerwertesten.

Angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung war ein 76 Jahre alter Mann, geboren in Polen, der nicht richtig deutsch kann, schwer hört und, wenn sein Rollator nicht zur Hand ist, die Hacke auch als Gehhilfe benutzt. Sein Opfer war der Parzellennachbar. 39 Jahre alt ist dieser – und unter anderem wegen einer Sehbehinderung schwerbehindert.

Nun ist es in besagter Kleingartenkolonie so, dass etliche Gärtner ihr Wasser aus einer zentralen Zisterne schöpfen müssen. Der 76-Jährige, seit 25 Jahren in der Kolonie, tat das wiederholt mit einem Schlauch. Da das dem 39-jährigen Nachbarn nicht passte, zerschnitt der den Schlauch –ebenfalls mehrfach, was wiederum im vergangenen Jahr zur Hacken-Attacke führte. Seitdem reden die beiden Kontrahenten übrigens nicht mehr miteinander.

„Ich verstehe ihn nicht“, sagte der schwerhörige 76-Jährige, der meinte, mit seinem früheren Nachbarn sei sowieso alles besser gewesen: „Da haben wir Bier getrunken, und alles war gut“.

Juristisch gesehen war es eine gefährliche Körperverletzung, aber sowohl Staatsanwaltschaft als auch Gericht fanden, dass man wegen einer kleinen Schürfwunde niemanden ins Gefängnis schicken sollte.

Nach dem Motto „Nachdenken, Hände in der Tasche und Hacke am Boden“ schlug Staatsanwältin Sabine Meier vor, dass das Verfahren gegen die Zahlung von 300 Euro an das Kasseler Kinderhospiz eingestellt wird. Der Angeklagte war nach leichtem Druck seitens seiner Frau („Sag ja“) schließlich einverstanden.

Er durfte sogar noch eine Frage an sein Opfer richten. Die hatte er nicht. Nur eine Forderung: „Der soll nicht immer nackend im Garten liegen.“

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