Probleme mit Waschbären steigen in ganz Kassel - Einfangen nicht mehr möglich

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Kassel. Wenn man von Kassel als Waschbärenhauptstadt Europas spricht, dann denkt man in erster Linie an Bad Wilhelmshöhe, Harleshausen und Kirchditmold. Doch mittlerweile machen die Kleinbären nicht nur den Hausbesitzern in den waldnahen Stadtteilen das Leben schwer.

Sie haben sich über das gesamte Stadtgebiet und seine Grenzen hinweg ausgebreitet. „Es werden von Jahr zu Jahr mehr“, sagt der Kasseler Jagdaufseher Frank Becker, der sich darauf spezialisiert hat, die Waschbärenplage in den Griff zu bekommen. Becker wird auch von Hausbesitzern in Niederzwehren, Waldau, Bettenhausen und der Innenstadt gerufen, weil die Waschbären sich dort auf Dächern eingenistet haben und für Lärm, Schmutz und Zerstörung sorgen. Im Märchenviertel in Niederzwehren haben die Bewohner die Bären zum ersten Mal vor zwei Jahren gesichtet. Sie bitten jetzt die Stadt um Hilfe, wie sie ihre Häuser vor den Raubsäugern schützen können.

"Ausrotten können wird die Tiere nicht mehr. Dieser Zug ist abgefahren“, sagt Becker. Der Jagdaufseher setzt auch nicht mehr darauf, die Tiere einzufangen, um sie dann fachgerecht zu töten. Dafür gebe es mittlerweile zu viele.

Der Wildbiologe Frank-Uwe Michler, der von 2001 bis 2003 über die Kasseler Waschenbären geforscht hat, schätzt, dass hier 2000 Tiere leben. Michler setzt auf Prävention in Form von Gebäudeschutz. Mit mechanischen Abwehrmaßnahmen an Fallrohren und Blitzableitern und Elektrozäunen soll verhindert werden, dass die Tiere in die Häuser gelangen. Die Gebäude in den westlichen Stadtteilen, die damit abgesichert worden sind, seien waschbärenfrei, sagt Michler. „Diese Maßnahmen sind Bestandteil eines Konfliktmanagements, das weltweit einmalig ist.“ Selbst Forscher aus Nordamerika und Japan hätten sich bereits die vorbildlichen Maßnahmen in Kassel angeschaut.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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