Waschbären-Plage: Was tun gegen die Stadtstreicher?

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Auf Nahrungssuche an der Landaustraße: Dieser Stadtstreicher räumte Biotonnen in der Südstadt aus.

Kassel. Waschbären machen den Bewohnern in Kassel das Leben schwer. So auch Wolfgang Kilian. Es war im März vor zwei Jahren das erste Mal, dass er die Stadtstreicher in seinem Garten sah und beobachtete, wie sie Mülltonnen ausräumten.

Seitdem hat der Bewohner der Straße Däumling im Niederzwehrener Märchenviertel sie immer wieder erwischt und auch fotografiert. Auf einem Foto sind sogar fünf der possierlichen Gesellen zu sehen.

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Früher dachten Kilian und sein Nachbar Klaus Rasquin, dass Waschbären nur in den waldnahen Stadtteilen wie Wilhelmshöhe und Harleshausen die Hausbesitzer in Angst und Schrecken versetzen. Sie sind inzwischen eines besseren belehrt. Ein Nachbar hat bereits einen Waschbärenschutz an einem Fallrohr angebracht.

In Niederzwehren auf Tour: Diese possierlichen Gesellen hat Wolfgang Kilian im Märchenviertel erwischt.

„Die Zahl der Tiere muss reduziert werden“, sagt Rasquin, der mit seinen Nachbarn in dem Fachwerk-Viertel bereits über die Waschbären gesprochen hat. „Das ist kein privates Problem, sondern geht alle an.“ Rasquin hat deshalb auch den Ortsbeirat eingeschaltet und wünscht eine Beratung von der Stadt. „Es kann ja zum Beispiel nicht sein, dass manche Leute die Tiere mit Futter noch anlocken und andere haben dann den Schaden.“

Ein wahrer Waschbärenkenner ist der Biologe Frank-Uwe F. Michler, der zwischen 2001 und 2003 die Tiere in Kassel erforscht hat. Mittlerweile arbeitet er an der Technischen Universität Dresden. Er vertritt die Ansicht, dass die Kasseler die Waschbärenplage in den westlichen Stadtteilen sehr gut in den Griff bekommen haben. Das liege an einem einmaligen Konfliktmanagement.

Frank-Uwe F. Michler

Die meisten Menschen hätten erkannt, dass sie den anpassungsfähigen Tieren keine Schlaf- und Wurfplätze anbieten und kein Futter rausstellen dürften, sagt Michler. Es sei oft ein Problem gewesen, dass Menschen die Waschbären mit Katzenfutter angelockt und verwöhnt hätten. Zudem habe eine intensive Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen, das Problem in den Griff zu bekommen. Dazu gehöre, dass die Bewohner über Schutzvorrichtungen informiert worden seien, die sie an ihre Häuser anbringen können, sagt Michler.

Da gibt es unterschiedliche Methoden. Der Kasseler Jagdaufseher Frank Becker hat sich zum Beispiel einen Elektrozaun zum Schutz vor Waschbären patentieren lassen. Wenn der angebracht sei, könnten die Waschbären das Haus noch verlassen, aber nicht wieder zurückkehren.

Becker ist mittlerweile im gesamten Stadtgebiet und im Landkreis unterwegs. Er berichtet davon, dass die Waschbären die Dämmung des Baunataler Aqua-Parks zerstört hätten, bevor das Bad saniert wurde.

Dass die Kleinbären immer größere Flächen erobern, bestätigt auch Friedrich Mitze aus Bad Wildungen, der seit acht Jahren gegen die Tiere mit seinem Waschbärstopp vorgeht. Das ist ein Trichter mit Schale, der an Regenrohre angebracht wird. „Da kommt kein Waschbär mehr hoch“, sagt Mitze, der mittlerweile auch schon Kunden in Wehlheiden hat.

Mitze hat eine simple Erklärung für die Ausbreitung: „Waschbären werfen drei Mal im Jahr und bekommen pro Wurf bis zu fünf Junge.“ (use)

Kontakt: Frank Becker, waschbaerschutz.de

Friedrich Mitze, waschbaerstopp.de

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