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Waschbären unterm Dach: Kasseler Kleine Bühne 70 sucht neuen Lagerraum

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Von: Anna Lischper

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Peter Hartung (links) und Ralph Langlotz zwischen Kostümen und Perücken der Theatergruppe Kleine Bühne 70.
Wohin mit Kostümen und Requisiten? Peter Hartung (links) und Ralph Langlotz stehen im aktuellen Fundus, in dem Waschbären wohnen. © Anna Lischper

Die Theatergruppe Kleine Bühne 70 hat ein Problem: In den Raum, in dem die Gruppe ihre Kostüme lagert, sind Waschbären eingezogen. Nun muss eine Alternative her.

Kassel – Wenn der König nach Waschbär-Urin riecht, gehen die Zuschauer vielleicht schon vor Ende der Vorstellung nach Hause. Soweit soll es natürlich nicht kommen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass das Ensemble der Theatergruppe Kleine Bühne 70 Kostüme künftig erst reinigen lassen muss, bevor es sie auf der Bühne trägt.

Der Grund: In dem Raum in der Humboldtstraße, in dem Kostüme, Bühnenbildelemente, Deko und Requisiten lagern, sind Waschbären eingezogen. Damit wiederholt sich eine missliche Lage, in der sich der Verein zuletzt vor fünf Jahren befand: „Wir brauchen dringend einen neuen Raum.“ Damals hatte der Fundus aus Räumen der Julius-von-Reuter-Schule ausziehen müssen, weil deren Dach einsturzgefährdet war.

Große Freude, als damals nach einem HNA-Bericht schnell ein neuer Raum gefunden wurde: Eine Art Schuppen mit Flachdach im Hinterhof eines Hauses an der Humboldtstraße.

Die Bewohner im Dachgeschoss habe man letztes Frühjahr entdeckt, erinnert sich Peter Hartung. „Ich kam mal auf den Hof und da guckte mich ein Waschbär aus dem Dach heraus an.“ Die damalige Hausverwaltung kontaktiert, sei eine Fachfirma vor Ort gewesen. „Es müsse erst gewartet werden, bis die Jungen draußen sind, hieß es. Dann sollte alles mit Draht gesichert werden, um weitere Waschbären fernzuhalten.“

Waschbär hat eine Zimmerdecke in Kassel zerstört.
Ins Dach des Kostümlagerraums sind Waschbären eingezogen und richten immer mehr Schaden an. © Anna Lischper

Über den Sommer hatte man immer wieder nachgefragt, aber die Hausverwaltung hatte nichts mehr unternommen. Indessen hatte der „kulturaffine“ Eigentümer der Immobilie die Verwaltung gewechselt, wegen der Umstände sogar zeitweise auf Miete verzichtet, sagt Ralph Langlotz. Der Schaden, den die Tiere anrichteten, habe zwischenzeitlich immer weiter zugenommen. „Erst war das Nest im hinteren Bereich des Raumes“, sagt Hartung, der das merkte, weil sich in dem Bereich irgendwann Urinflecken an der Decke abzeichneten. Dann weichte die Decke auf, bis sie zuletzt – mitsamt Exkrementen – durchbrach.

Peter Hartung, der sich bei den Inszenierungen auch um das Bühnenbild kümmert, brachte die Kostbarkeiten aus dem Fundus zunächst in Sicherheit, indem er diesen Teil des Raumes vom Rest abtrennte. Mittlerweile seien die Waschbären an das andere Ende des Daches umgezogen, der ganze Raum riecht nach Waschbär-Urin. „Die Flecken werden immer dunkler. Irgendwann kommt auch hier die Decke runter.“

So lange wolle man nicht warten, zumal schon in Kürze die nächste Premiere ansteht. „Wir haben hier ein paar Hundert Kostüme, teils Eigenkreationen unserer Näherin. Hier steht unsere erst vor Kurzem angeschaffte Drehbühne und das Frau Holle-Bett“, führt Langlotz auf. „Das ist jetzt alles sehr traurig. Aber wir müssen wohl wieder umziehen.“

Wer kann helfen? Die Mitglieder der Kleinen Bühne 70 suchen einen trockenen Raum mit 100 bis 150 Quadratmetern Fläche, ebenerdig, mit guter Zufahrt. Kontakt: Tel. 05 61/77 49 19.

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