In Kassel leben mehr Tiere als im Wald

Waschbären zieht es in die Stadt - Harleshäuser klagen

Fühlen sich in der Stadt inzwischen wohler als im Wald: Waschbären finden im Hausmüll und auf Komposthaufen genug zu fressen. Außerdem werden sie von vielen Menschen gefüttert. Archivfoto: Weber / nh

Harleshausen. Auch wenn sie possierlich anzuschauen sind - in Harleshausen und vielen anderen Stadtteilen Kassels sind Waschbären für einige Menschen zur Plage geworden. Die Schäden, die die Tiere, die sich immer stärker in die Stadt ziehen, anrichten, belaufen sich auf Tausende Euro.

„Inzwischen leben mehr Waschbären im Stadtgebiet als im Wald“, sagt Frank Becker, der als Jäger und Absolvent eines Fallenlehrgangs als Spezialist in Sachen Waschbären in Kassel gilt.

Offizielle Zählungen oder Schätzungen gibt es nicht. Becker vermutet: „Es dürften mehr als tausend sein.“ Ihn rufen viele Menschen an, wenn sie Waschbären loswerden wollen. Becker: „Früher kamen Waschbären vereinzelt vor, heute haben wir Dächer, auf denen leben fünf Tiere.“ Sein Einsatzgebiet erstrecke sich längst auf das gesamte Stadtgebiet. „Ich habe schon auf dem Königsplatz Waschbären gefangen.“

Nach Auskunft von Hartmut Bierwirth vom Kasseler Ordnungsamt sind im Jagdjahr 2011 / 12 allein in Harleshausen und Kirchditmold 20 Waschbären von Jägern erlegt worden, im Jagdrevier Schlosspark waren es 43.

Frank Becker

Das Problem einer Waschbärenplage sprachen während der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Harleshausen erneut die beiden grünen Stadtteilpolitikerinnen Helga Weber und Sabine Stern an. Sie berichten von Harleshäusern, die viele Tausend Euro in die Reparatur von Waschbärschäden an ihren Häusern gesteckt haben. „Es muss doch eine Möglichkeit geben, die Population der Waschbären einzudämmen, etwa indem man sie mit Medikamenten daran hindert, sich zu vermehren“, sagt Weber. „Eine gesetzliche Verpflichtung, wonach Bejagungsmaßnahmen in der Stadt durchzuführen wären, besteht nicht“, sagt der Leiter des Ordnungsamts, Axel Heiser. Man bewege sich als Stadt im Bereich der freiwilligen Leistungen einer Kommune. „Die dafür erforderlichen sachlichen wie finanziellen Voraussetzungen müssten in diesem Fall erst geprüft und geschaffen werden.“ Zu den Überlegungen gehöre auch eine Geburtenkontrolle durch die Gabe von Hormondepots an in Fallen gefangene Waschbären.

„Eine solche Aktion würde einen hohen personellen Aufwand erfordern“, sagt Hartmut Bierwirth. Frank Becker, der als Jäger Waschbären mit Fallen fängt und anschließend „waidgerecht entsorgt“, das heißt erschießt, setzt lieber auf Vorsorge: „Theoretisch kann man jedes Grundstück, jedes Haus waschbärsicher machen.“ Bei Reihenhäusern müssten sich aber alle Nachbarn einig sein.

Frank Becker, Tel. 0561/314871.

Von Christina Hein

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