Immer mehr Geräte in Gärten erzeugen hohen Ultraschallton

Hoher Ton: Waschbärschreck nervt Kinder

Krach: Maacha (8) und Hanna (5) – hier mit Hund Fanny – hören den hohen Ultraschallton, den das Waschbärschreckgerät (Pfeil) von Nachbarsgarten aus sendet. Foto: Hein/Montage Rusche

Kassel. Es ist problemlos über den Internetversand zu bestellen - das Ultraschallgerät, mit dem Tiere vertrieben werden sollen. Doch was gegen Vierbeiner helfen soll, nervt auch Kinder furchtbar:

Für Preise ab 15 Euro versprechen diverse Hersteller das effektive Vertreiben von Mardern, Waschbären, aber auch von Katzen und andern Tieren.

Das geschieht mittels eines durch einen Bewegungsmelder ausgelösten hohen Ton. Inzwischen findet man diese Waschbärschreckgeräte auch in Kasseler Gärten.

„Die bringen nichts“, sagt Kassels Waschbärexperte und Jäger Frank Becker. „Die sind entwickelt worden, um Maulwürfe zu vertreiben. Der Waschbär geht hin und schnuppert, das war’s. Ich empfehle diese Geräte niemandem.“

Auch Tierärztin Dr. Anna-Katharina Zirkel sagt: „Die Bekämpfungsmethode mit Ultraschall ist nicht wirkungsvoll.“ Sie sei aber auch nicht schädlich für Tiere.

Wie aber steht es um Menschen? Kinder, die – anders als Erwachsene – Ultraschalltöne hören, nehmen diesen als störend wahr. So zum Beispiel die Schwestern Hanna (5) und Maacha (8) Omollo, die mit ihrer Familie an der Wilhelmshöher Allee wohnen.

Vor ihrem Schlafzimmerfenster zum Garten hin nehmen sie – vor allem nachts – immer wieder den hohen Ton wahr, der aus dem Nachbargarten an der Huttenstraße herüberschallt. Da wurde ein Waschbärschreckgerät aufgestellt.

Das Problem: „Diese Geräte sind rechtlich nicht erfasst“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidenten. „Das Aufstellen dieser Ultraschallgeräte muss von uns nicht genehmigt werden“, sagt auch der Sprecher der Stadt Kassel, Ingo Happel-Emrich.

Darüberhinaus lägen der städtischen Abteilung Umwelt- und Immissionsschutz bisher keine Beschwerden über Ultraschallstörgeräte vor. „Beschwerden fallen in den Bereich des Privatrechts. Als Ultraschall werden Geräusche mit Frequenzen oberhalb von 20 000 Hertz bezeichnet. Sie sind vom menschlichen Gehör nicht oder je nach Alter kaum wahrnehmbar.“

Allerdings dürfe niemand durch das Aufstellen von Ultraschallgeräten „erheblich belästigt“ werden. Wenn wahrnehmbare hochfrequente Geräusche des Ultraschallgerätes aus dem Nachbargarten Anwohner wesentlich beeinträchtigen, könnten diese privatrechtlich dagegen vorgehen.

Happel-Emrich: „Auch Ultraschall ist eine Immission, dagegen hat man als Nachbar einen sogenannten Unterlassungsanspruch.“ Empfehlenswert sei, den Nachbarn anzusprechen, damit der reagieren kann. „Möglicherweise ist das Gerät defekt oder falsch eingestellt.“

Kinderarzt Alfons Fleer sagt dazu: „Dieser Krachmüll ist fürchterlich.“ So etwas dürfte nicht willkürlich aufgestellt werden, sondern müsste genehmigungspflichtig sein. „Allein wenn Kinder davon im Schlaf gestört werden, ist das nicht akzeptabel.“

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