Kasseler Ingenieure ohne Grenzen bereiten Trinkwasserprojekt in Kamerun vor

Wasser für Dorf in Afrika

Wollen die Wasserversorgung in einem Dorf in Westkamerun verbessern: Die Regionalgruppe Kassel der Ingenieure ohne Grenzen mit (von links) Emmanuel Touko Tchiadjeu, Moritz Werny, Simon Csambor, Luisa von Lonski, Pascal Stärz, Thomas Schomberg, Fabian Plag, Sebastian Raab, Yulia Bazhenova, Jule Lentzen, Philipp Otter, Amal Mohamud und Julia Kasten. Foto: Janz

Kassel. Wer Wasser braucht, dreht den Hahn auf. So einfach ist das in Deutschland. Viel schwieriger ist es für Menschen in weiten Teilen Afrikas. Die Bewohner des Dorfes Badiangseu im Westen Kameruns müssen fünf Kilometer zu einer verunreinigten Quelle gehen statt nur ein paar Meter zum Wasserhahn.

Deshalb will die Regionalgruppe Kassel der Ingenieure ohne Grenzen helfen.„Das Wasser hat keine gute Qualität, aber die Menschen trinken es trotzdem“, sagt Emmanuel Touko Tchiadjeu: „Es ist die einzige Quelle, die sie haben.“ Der 28-jährige Maschinenbaustudent weiß, wovon er spricht. Badiangseu ist sein Heimatdorf. Vor drei Jahren ist er aus Kamerun nach Kassel gekommen und hat sich gleich bei den Ingenieuren ohne Grenzen engagiert.

Zwei Stunden seien die Dorfbewohner unterwegs, um Trinkwasser zu holen. Sie transportieren es in Kanistern und Kochtöpfen. „Es ist sehr anstrengend, 20 Liter auf dem Kopf nach Hause zu tragen“, sagt Emmanuel Tchiadjeu, der das schon für seine Großmutter gemacht hat. Ohne Kinder habe man ein Problem.

Dieses Wissen aus erster Hand ist wichtig für die Kasseler Mitglieder der Ingenieure ohne Grenzen. „Das ist für uns ein großer Anreiz, unser Vorhaben genau in Badiangseu zu verwirklichen“, sagt Moritz Werny, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe zuständig ist. „Wir wissen, dass es dort ein Problem gibt und unsere Hilfe erwünscht ist.“

Die Regionalgruppe hat über 15 aktive Mitglieder. Nicht alle studieren technische Berufe. Der 24-jährige Werny lernt Produktdesign an der Kunsthochschule und kam über die Mitarbeit am Trinkwasserrucksack Paul zur praktischen Entwicklungshilfe.

Mit großem Einsatz treiben die Studenten das Trinkwasserprojekt voran. Jeder opfert neben dem Studium drei bis sieben Stunden pro Woche, erzählt Simon Csambor. Der 27-Jährige studiert regenerative Energien und ist für die Projektorganisation zuständig. Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch, plant die nächsten Schritte, bereitet Spendenaktionen vor.

Das Geld ist dringend nötig, um die 5000 Euro teure Erkundungsfahrt im Herbst zu finanzieren. Drei Mitglieder, darunter Emmanuel Tchiadjeu, werden nach Bandiangseu fahren, um das Projekt im Detail vorzubereiten.

„Im schlimmsten Fall bauen wir eine Anlage, die das schmutzige Wasser scheinbar reinigt, aber einen speziellen Krankheitserreger nicht herausfiltert“, sagt Werny. Neben den technischen Aspekten darf die Hilfe auch keine sozialen Probleme verursachen, indem etwa einem anderen Dorf das Wasser abgegraben wird.

Schon im Sommer 2013 soll das Projekt fertig sein, sagt Csambor. Wie teuer es wird, hängt davon ab, was genau gebraucht wird. Kalkuliert werden 15 000 Euro. Aber die Kasseler Ingenieure ohne Grenzen sind gewillt, jeden Betrag aufzutreiben, um Wasser nach Badiangseu zu bringen.

Von Marcus Janz

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