Zum Weltwassertag laden Kassels Versorger zum Besuch der Neuen Mühle ein

Wasser für die Steckdose

Was heute Elektromotoren erledigen, leisteten bis 1955 Dampfmaschinen – das Pumpen von frischem Trinkwasser hinauf in die Stadt Kassel zum Verteiler im Tannenwäldchen im Vorderen Westen. Heute sind diese Anlagen Teil des Museums. Sie werden von Timo Frommann in Schuss gehalten. Foto: Fischer

Kassel. Mit ohrenbetäubendem Krach laufen die beiden Turbinen auf Hochtouren. 16 Kubikmeter Wasser – etwa so viel wie 60 Vollbäder – rauschen pro Sekunde durch die Schaufelräder. Im Turbinenhaus der Neuen Mühle unweit der Dennhäuser Straße an der Fulda wird gerade Strom erzeugt – für 1000 Kasseler Haushalte.

Gleichzeitig saugen nebenan Pumpen gefiltertes Fulda-Wasser aus 45 Brunnen in zwei große Kessel. Anschließend wird das kostbare Nass hinauf zur Verteilerstation im Tannenwäldchen an der Kölnischen Straße im Vorderen Westen gepumpt – Trinkwasser für Kassel, rund 2,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

„Wasser und Energie“: Unter diesem Titel steht am 22. März der Weltwassertag. 1992 wurde er von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. In diesem Jahr geht es um die besondere Bedeutung des Wassers für die Menschheit als Nahrungsmittel und als Energielieferant. „Und die Neue Mühle an der Fulda leistet beides“, sagt Karsten Köhler von Kasselwasser. „In Kassel eine einzigartige Anlage.“

So laden in diesem Jahr die Stadt Kassel, Kasselwasser und die Städtischen Werke dazu ein, sich die Neue Mühle an der Fulda einmal näher anzusehen. „Nicht nur, dass sie gleichzeitig auch ein Museum beherbergt. Sie passt einfach prima zum Weltwassertag“, sagt Ingo Pijanka von den Städtischen Werken.

Auf der einen Seite werde Trinkwasser direkt aus der Umwelt gewonnen und für die Bevölkerung zugänglich gemacht – „was nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist“. Auf der anderen Seite werde hier ökologisch Strom produziert. Kurz: „Die Mühle steht für nachhaltige Wassernutzung.“ Natürlich könne die Neue Mühle niemals ganz Kassel versorgen, sie decke gerade einmal ein Prozent des Gesamtstrombedarfs ab. „Aber sie zeigt, welche Richtung Kassel bei der Stromerzeugung eingeschlagen hat“, sagt Pijanka.

Vor allem in Kombination mit Windkraftanlagen, Fotovoltaik und Biogas werde inzwischen gut ein Drittel des Strombedarfs Kassels aus ökologischer Eigenproduktion gedeckt. „Das ist Strom für immerhin 35 000 Haushalte, und Kassel hat 100 000 Haushalte“, sagt Pijanka.

Wie effektiv Wasserkraft sein kann, wussten die Menschen schon vor 571 Jahren. Tatsächlich gab es die Neue Mühle an der Fulda schon, als von Kohle- und Atomstrom noch längst nicht die Rede war. Bereits 1443 wurde hier mit Wasserkraft Korn gemahlen, ab 1890 versorgte sie Kassel erstmals mit Strom – die Leistung reichte für 3000 Glühbirnen.

1998 und 1999 wurde die Neue Mühle von den Städtischen Werken neu aufgebaut und zu dem gemacht, was sie heute ist – „ein ideales Beispiel für eine intelligente und nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser“, sagt Manuela Nutz vom Umwelt- und Gartenamt. Daran solle die Mühle am Weltwassertag erinnern.

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Von Boris Naumann

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